Zweites Kapitel

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Endlich war es geschafft. Die Prüfungen waren vorbei.
Es hatte ganze 2 Wochen gedauert, bis alle Schüler geprüft waren und unsere Zeugnisse ausgestellt wurden. Doch endlich war es Realität und ich hielt stolz mein makelloses Abschlusszeugnis in den Händen.

Viele der Schüler lagen sich vor Freude in den Armen, morgen würden wir alle Hogwarts verlassen und ein neuer Abschnitt unseres Lebens würde beginnen.
Unglaublicher Stolz und Freude durchzogen mich, doch wie so oft in den letzten Wochen, überkam mich ein Gefühl der Hitze und augenblicklich wurde mein Körper ganz schwach. Ich stand relativ weit hinten und konnte mich an die kalte Steinmauer lehnen. Meine Sicht verschwamm, die Geräuschen wurden dumpf. Ich sah noch, wie ein brauner Lockenkopf in meinem immer kleiner werdenden Sichtfeld erschien, ehe alles dunkel wurde.

Kurz darauf wachte ich im Krankenflügel wieder auf. An meinem Bett saß Hermine und sah mich besorgt an.
„Was ist passiert?", langsam setzte ich mich im Bett auf.
„Eve, du bist ohnmächtig geworden. Du warst ganz blass. McGonagall kam zum Glück gleich zu uns und hat Malfoy verdonnert, dich in den Krankenflügel zu tragen", Hermine musste ein Grinsen unterdrücken. Geschockt sah ich sie an. „Malfoy? Oh Gott, ein Glück reisen wir morgen ab."

Meine Aussage brachte sie nur noch mehr zum Lachen.
„Er schien tatsächlich etwas schockiert gewesen zu sein wegen deines Zustandes", das Lachen verstummte und sie wurde wieder Ernst.
„Er war nur überfordert, das er etwas Nettes tun musste", schüttelte ich den Kopf.

Miss Pomfrey gab mir noch einen Trank und da es mir wieder besser ging, durfte ich gehen. Ich schlich mich möglichst unbeachtet in den Gemeinschaftsraum und lief zielstrebig zu meinem Schlafsaal. Ich wollte zu jedem Preis vermeiden, dass ich Malfoy begegnete und ich seiner ach so holden Tat lauschen musste. Sein aufgeblasenes Ego hätte auch gut ohne dieses Erlebnis leben können.

Dann war es endlich so weit. Sämtliche Schüler drängelten sich an dem Bahnhof in Hogsmeade. Ich freute mich wirklich sehr auf meine Zukunft und den neuen Lebensabschnitt, aber ein wenig wehleidig wurde auch ich.
Hogwarts war jahrelang mein Zuhause gewesen, hier waren meine Freunde und wir haben viele schöne Momente erlebt. Aber so war das nun einmal, wenn man erwachsen wurde und das Leben seinem Lauf nahm.

Im Zug fand ich zum Glück ein freies Abteil. Mein Nervenkostüm war noch immer recht dünn, ich ertrug die ganzen lauten Geräusche nicht. Nach einer Weile öffnete sich meine Abteiltür. „Gefunden."

Hermine lächelte mich fröhlich an. Sie ließ sich neben mir auf den Sitz fallen.
„Hast du dich von deinen Heldenfreunden mal losgerissen?", zog ich sie auf. Ich mochte Hermine, sie war unglaublich schlau und eine ausgezeichnete Hexe. Was Harry und Ron anging, war ich doch mehr Slytherin - kaum einer mochte sie.
Für mich waren sie zu aufbrausend und das ganze Auserwählten Ding war mir eine Nummer zu nervig. Und wirklich wichtig nahmen sie die Schule ebenfalls nicht.

Hermine lachte nur über meine Bemerkung und für eine Weile führten wir ein wenig Smalltalk und was die Zukunft für uns bereithalten würde. Bis die Tür erneut aufging. „Hey Mine. Alles gut bei dir?" Ginny Weasley steckte ihren Kopf in das Abteil und schaute mich kritisch an. Hermine bejahte und kurzerhand saßen nun auch die Rothaarige mit Longbottom bei uns.

Das gegenseitige Misstrauen zwischen uns fiel ihr natürlich auf.
„Ginny, es ist wirklich alles gut. Evelyn und ich sind Freunde." Longbottom machte große Augen. „Ja stell dir vor, eine Slytherin kann auch nett sein", quittierte ich seinen Blick.

Eine leichte Röte schoss in sein Gesicht.
„Wir haben uns schon seit dem fünften Schuljahr gut verstanden."
„Nur das unsere Konversationen immer auf die Bibliothek beschränkt wurden, damit Niemand komisch guckt." Hermine nickte. „Ich bin wirklich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Und Evelyn hat mir gezeigt, dass nicht alle Slytherin so sind wie Malfoy." Diesmal nickte ich.

„Und Hermine hat mir gezeigt, dass Gryffindors auch ganz cool sein können."
„Und das, obwohl sie Muggelstämmig ist", bohrte Ginny noch nach. Sie traute mir weiterhin nicht und ich konnte es ihr nicht verübeln.
„Tja, mich interessiert das ganze Blutliniengeschwafel nicht so. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern und von Malfoy, der mich zu gerne als unwürdige Slytherin bezeichnet hat, aber so ist das eben." Ich zuckte mit den Schultern.

Jetzt musste die Beiden auch etwas lachen. So schön dieser Moment auch war, so schnell war er zunichte. Als hätte jemand einen Schalter in mir umgelegt, bekam ich Kopfschmerzen, mir wurde heiß und kalt zugleich und mein Magen machte gefühlt fünf Umdrehungen. Ich hielt mir die Hand vor dem Mund und hoffte inständig, nicht schon wieder Erbrechen zu müssen.

„Eve, ist alles in Ordnung?", Hermine schaute mich besorgt an. Ich schüttelte den Kopf. „Mir ist seit Wochen so Schlecht. Ständig muss ich mich morgens Übergeben. Ich hatte gehofft, nach dem Prüfungsstress wird es wieder besser, aber irgendwie nicht." Das zog mich wirklich runter. Ich wollte diesen Zustand nicht länger haben, es erschwerte den Alltag sehr.

„Morgenübelkeit?" Ginny schaute mich schief an. Warum auch immer sie fragte, schließlich hatte ich das ja gerade gesagt. Ich verdrehte die Augen und nickte.
„Oh oh, du weißt, was das heißt", sie zog ihre Augenbraue hoch.
„Das mir jeden Morgen schlecht ist", zickte ich sie an. Ihre dummen Sprüche konnte ich überhaupt nicht gebrauchen. Diesmal verdrehte sie genervt die Augen.
„Denk doch mal ein bisschen nach. Wann hattest du deine letzte Periode?"

Als sie das letzte Wort ausgesprochen hatte, wurde Longbottom ganz bleich im Gesicht. „Ähm . . Also, ich muss noch mit Luna reden, wir sehen uns." Und schon war er aus dem Abteil verschwunden. Ich war zwar noch immer verwirrt, aber Hermine half mir auf die Sprünge.

„Ginny hat vielleicht recht, könnte die Möglichkeit bestehen, dass du schwanger bist?" Meine Augen weiteten sich, geschockt starrte ich zwischen den Beiden hin und her. „Absolut nicht. Auf gar keinen Fall. Nein." Ich schüttelte wild meinen Kopf.
Das war unmöglich. Ich hatte noch nie mit einem Jungen geschlafen.

Dann kam es mir wie ein Geistesblitz, mein Herz setzte gefühlt für einen Moment aus - die Nacht von dem Abschlussball. Die eine Nacht, an die ich keinerlei Erinnerungen hatte.

Hermine bemerkte meine Anspannung. Gespannt sahen mich die Zwei an.
„Na ja . . Die Nacht von dem Abschlussball. Ich hab ein bisschen über die Stränge geschlagen und kann mich an nichts erinnern."
Panik machte sich in mir breit. Das durfte nicht wahr sein, sie durften nicht recht haben. Das war ein ganz, ganz schrecklich Alptraum. Meine Eltern würden mich umbringen. Ich fing an zu rechnen.

„Es müssten bestimmt an die 6 Wochen sein", alleine bei dem Gedanken wurde mir noch schlechter. Ginny warf mir einen Siehste Blick zu.
„Ich dachte immer, es sei zu viel Stress mit den Prüfungen und hab da nie drauf geachtet." Ich wurde immer kleiner in meinem Sitz.
Das war mein Ende. Mein Grab. Mein Untergang.

„Wenn du möchtest, kann ich dir einen Schwangerschaftstest besorgen. Muggel haben etwas ganz Einfaches dafür", Hermine lächelte mich an. Ich nickte.
Vielleicht war es doch nur der Stress und alles würde gut werden. Ein kleines bisschen Hoffnung bestand noch, oder? Die restliche Zugfahrt fühlte ich mich schrecklich. Meine Laune war im Keller und ich konnte keinen anderen Gedanken mehr finden.

Am Bahnhof angekommen, verabschiedete ich mich von Hermine und Ginny.
„Ich schreibe dir einen Brief, versuch dir bis dahin nicht so viele Gedanken zu machen", aufmunternd lächelte sie mich an. Doch ihre Worte bewirkten eher das Gegenteil.

Zu meinem Glück waren meine Eltern wieder einmal unterwegs und für einige Tage war ich vermutlich alleine in unserem Anwesen.
Am nächsten Morgen war ich viel zu früh wach und die Übelkeit überkam mich sogleich. Nervös lief ich auf und ab, stolzierte die Treppe rauf und runter.

Ich konnte nichts essen, fand keine ruhige Minute und durchsuchte unsere Bibliothek nach einem Zauber, der mir meine Erinnerungen an jene Nacht geben konnte. Allerdings gab es nichts, was gegen Alkohol etwas machen konnte.
Es war meine eigene Schuld und ich verfluchte mich bis aufs Letzte.

Gegen Abend erschien meine Rettung. Eine kleine Eule tauchte an meinem Fenster auf, es war Hermines Brief. Sie hatte den Test besorgt und schon Morgen konnte ich sie sehen. Wirklich besser ging es mir damit allerdings auch nicht und vor lauter Anspannung, bekam ich die Nacht kein Auge zu.

Hereditas Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt