Kapitel 8.3

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Sie hatte bereits geahnt, eher befürchtet, dass Tazeel nicht auf seine Aufwartung verzichten würde. Was er sich davon versprach, konnte sie allerdings nicht sagen. Er konnte doch nicht wirklich glauben, dass sie vergaß, was er ihr angetan hatte? Auch sein Treiben im Reich der Menschen war ihr noch allzu frisch vor Augen.

In der nächsten Nacht schlief sie nicht gut; dunkle Gedanken und gehetzte Träume ließen sie immer wieder aufschrecken. Es beunruhigte sie, dass sie nicht einschätzen konnte, was passieren würde. Der Verführer blieb für sie undurchschaubar.

Zum Beginn des nächsten Umlaufs war es Veidja ein Trost, wenn auch nur ein sehr geringer, dass N'Arahn ebenfalls wenig begeistert von der Aussicht auf Tazeels Besuch zu sein schien. Er hatte sich, wie bei allen offiziellen Besuchen der letzten Zeit, die mit ihr zu tun hatten, wieder in Schwarz gekleidet. Doch sein Gesichtsausdruck war düster und die Luft um ihn herum schien geradezu vor Anspannung zu vibrieren.

Die leichte Nervosität, die der Herr der Festung abstrahlte, machte es auf gewisse Weise leichter für sie, ihre Frustration, die ihr letztes Gespräch in ihr hinterlassen hatte, abzulegen.

Wusste er, dass sie Veränderungen in seinem Tonfall und Verhalten, diese Details, inzwischen deuten konnte? Wahrscheinlich nicht.

Du würdest nicht wollen, dass ich deine vermeintliche Schwäche sehe, nicht wahr?

Doch sie war sich nicht sicher, ob sie es wirklich als Schwäche empfand. Sie beobachtete den Dämonen verstohlen. Sein nachdenklicher Blick, der durch die geschlossenen Doppeltüren des Saals hindurchzugehen schien. Die scheinbar gelassene Haltung, an seinen Thron gelehnt, die Finger seiner Hand aber immer wieder in kleinsten Bewegungen, als wolle er sie zur Faust ballen.

Die Anspannung, die Sorge, die er zeigte, machte ihn nachvollziehbarer für Veidja. Greifbarer. Ihre sich ähnelnden Gefühle schufen eine Verbindung.

Die Kriegerin bohrte ihre Finger schmerzhaft durch den Stoff ihrer Hose in ihr Bein.

Lass das! Er ist genauso grausam und dein Feind, wie jeder andere hier. Mag sein, dass er sich sorgt. Aber du weißt genau, dass es dabei nicht um dich als Person geht, sondern um dich als Ware, als Prestigeobjekt. Versuche nicht, es dir leichter zu machen, indem du ihn zu etwas Besserem machst, als er ist. Du kannst dir nicht leisten, naiv zu sein.

Und gab sie mit dieser Sichtweise nicht auch noch seiner Argumentation von gestern Recht? Wenn auch nur in Bezug auf Gemeinsamkeiten zwischen ihnen beiden. Sie konnte das doch nicht tatsächlich in Betracht ziehen?

N'Arahn mochte Tazeel genauso hassen, und vielleicht auch fürchten, wie sie es tat, aber seine Gründe waren andere. Sie waren keine Verbündeten, sie hatten nur zufällig eine ähnliche Abneigung gegenüber dem grünhäutigen Höllenfürsten.

Der Engel betrachtete den dritten Eisenholzstuhl, der für Tazeels Besuch herbeigeschafft worden war. Grüne Stoffbahnen milderten die harten Kanten des dunklen Möbelstücks etwas, überwucherten Rücken- und Armlehnen wie Moos. Krankes Moos. Das Grün hatte keinen gesunden Ton. Bänder von einem so tiefen Braun, dass es fast schwarz wirkte, hielten alles am Platz und vervollständigten das Farbmuster der rechten Hand des Herrn der Hölle.

Dieser Umstand hatte sie nicht überrascht, als sie ihn erfahren hatte. Alle Dämonen stießen sie ab, aber Tazeel hatte eine besondere Wirkung auf sie. Alles an ihm ließ ihre Sinne in Aufruhr geraten; er strahlte eine Bösartigkeit ab, die auf einer tieferen Ebene seiner Seele verwurzelt schien. Dabei war sein Auftreten nicht zwingend schlimmer als das anderer Höllenfürsten. Einiges was er getan hatte, war sogar recht plump gewesen. Das hätte sie von einem so mächtigen Dämonen, einem Verführer zudem, nicht erwartet. Die Drohungen eines massigen Kriegstreibers wie Rackhar hatten sie kaltgelassen, bei Tazeel reichte bereits ein Blick, um sie zu erschüttern.

Weltenbruch (18+)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt