Kapitel 11.2

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Niemand stellte sich Tazeel in den Weg, als er in N'Arahns Thronsaal schlenderte. Er hatte die Etikette ignoriert und sich samt zwei seiner Hauptmänner ohne Ankündigung einen Weg durch die Festung gesucht. Normalerweise hätte N'Arahn seine Hauptleute für ihre Nachlässigkeit bestraft, denn natürlich meldete seine Festung ihm den „Besuch", doch er erwartete von seinen Dienern mehr Aufmerksamkeit. Er ließ jedoch mildernde Umstände gelten: Tazeel trug drei schwarze Bänder am Arm.

Mit einem Grinsen und einer spöttischen Verbeugung kam der grünhäutige Höllenfürst vor dem Eisenholzthron zum Stehen.

„Ich grüße dich, Bruder."

N'Arahn hätte ihn am liebsten ignoriert, doch Seinen offiziellen Abgesandten behandelte man nicht unhöflich. Er nickte ihm zu.

„Tazeel." Dann, zu Cek, der neben ihm stand. „Bring dem Abgesandten einen Stuhl und einen Kelch."

Sein Hauptmann eilte davon, um nur ein paar Herzschläge später mit dem Gewünschten zurückzukehren. Er schob den Stuhl mit einer Verbeugung hinter den Verführer und reichte den aufwändig verzierten Kelch an N'Arahn.

Fragend blickte der Höllenfürst zu dem ihm verhassten Dämonen.

„Was darf ich dir anbieten?" Als hochrangigem Gast stand Tazeel zu, dass er nicht seine eigenen Ressourcen anzapfen musste. Der Herr der Festung war verpflichtet, ihn zu bewirten, egal wie sehr er ihn verabscheute.

Doch der Verführer winkte mit einer lässigen Geste und einem übertrieben freundlichen Lächeln ab.

„Nur keine Umstände. Darum kümmere ich mich selbst."

Das war ein bewusster Affront. N'Arahn spürte, wie ein Knurren in seiner Kehle hochstieg. Tazeel ließ keine Gelegenheit aus, ihm den Respekt zu verwehren, der ihm zustand, doch heute musste er es hinnehmen.

Er reichte den Kelch wieder an Cek, der ihn dem grünhäutigen Höllenfürst gab. Er würde diesem Widerling nicht einen Fingerbreit entgegenkommen. Außer... Kurz gab er sich der Erinnerung hin, wie er seine Hand um Tazeels Hals schloss. Langsam ballte er seine Hand zur Faust.

„Wie geht es dem süßen Engel?"

N'Arahn war überrascht von sich selbst, dass keine Flammen aus seiner Haut schlugen. Doch obwohl er innerlich brodelte, blieb er äußerlich vollkommen ruhig.

„Ausgezeichnet. Ich danke für das Interesse Seines Abgeordneten."

Tazeel verstand den Wink und grinste breit.

„Dass ihr Kriegstreiber ein freundliches Gespräch zur Auflockerung nicht schätzen könnt... Immer direkt zum Geschäft." Er seufzte theatralisch.

„Ich möchte Ihn nicht warten lassen. In welcher Angelegenheit auch immer." Mehr Tadel konnte N'Arahn nicht aussprechen, ohne eine Grenze zu überschreiten, doch einen winzigen Sieg konnte er verbuchen, denn für einen Augenblick gefror das Lächeln seines Gastes. Tazeels rote Augen glühten auf.

„Dann gehe ich davon aus, dass wir demnächst über deine Fortschritte mit dem Engel sprechen werden, nicht wahr?" Eine Warnung, eher eine Drohung.

N'Arahns Unterleib verkrampfte sich; er hatte einen Fehler gemacht. Den Verführer zu provozieren mochte zwar für einen Moment befriedigend sein, doch er musste sich daran erinnern, dass er den Preis dafür nicht alleine bezahlen würde.

Schweigend sahen sie sich an, keiner rührte sich. Es war unnatürlich still, denn auch die Hauptmänner und niederen Dämonen gaben kein Geräusch von sich.

Dann entspannte der grünhäutige Höllenfürst sich plötzlich, strich seine eng geschnittene, schwarze Robe glatt und lehnte sich in dem hochlehnigen Stuhl zurück. Er prostete N'Arahn ironisch zu, der die Geste widerwillig, aber doch umgehend erwiderte.

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