Die Kissen waren zu weich. Viel zu weich. N'Arahn musste beständig gegen das unangenehme Gefühl ankämpfen, dass das bunte Sofa ihn verschlingen könnte. Eine falsche Bewegung und er wäre in der seidigen Umarmung der Polster auf immer verloren.
Der Höllenfürst rückte unbehaglich seinen Gürtel zurecht und kaschierte damit sein Zurückrutschen von den Kissen. Seine Füße suchten vergeblich festeren Stand auf dem nachgiebigen, dicken Teppich. Dass er den Boden nicht spüren konnte, da er Stiefel trug, verbesserte seine Laune nicht gerade.
Krehn ließ ihn warten, und das mit voller Absicht. Es war ihr Vorrecht als Herrin ihrer Festung und die Ränkeschmiede waren zusätzlich dafür bekannt, nicht gerade die besten Manieren zu haben. Doch zum Einen konnte N'Arahn diese Art von Spielchen nicht leiden, und zum Anderen kannte er die Höllenfürstin zu gut. Sie konnte ganz ausgesucht höflich sein, bis zu einem Maß bei dem ihn Brechreiz überkam.
Das hieß, sie hatte einen guten Grund ihn warten zu lassen, und sei es nur, ihn seine Position als Bittsteller spüren zu lassen.
Er unterdrückte das genervte Knurren, das in seiner Kehle aufstieg. Abgesehen von den unsichtbaren Augen und Ohren, die diesen Raum mit Sicherheit überwachten, kniete neben dem Sofa auch noch der Adjutant. Er hatte N'Arahn in den Raum geführt und sich ihm als Unterhaltung angeboten. Genauer waren seine Worte gewesen: „Die Herrin möchte, dass ihr einen angenehmen Aufenthalt habt. Ich bin befugt, Euch jedes Getränk zu besorgen, das Ihr wünscht. Zudem darf ich mich Euch anbieten." Die Worte waren N'Arahn in Erinnerung geblieben, denn er mochte die Unterwürfigkeit nicht, mit der der junge Dämon gesprochen hatte. Seine schlanke, aber drahtige Gestalt ließ auf einen Kriegstreiber-Anwärter schließen; der Adjutant hätte wahrscheinlich jetzt schon einen hervorragenden Bogenschützen abgegeben. Er sollte kämpfen wollen, und sich nicht in ein Schicksal als Spielzeug ergeben.
Die Gedanken des Kriegers wanderten zu Veidja, die er in seiner Festung zurückgelassen hatte. Sie ergab sich nicht. Egal wie oft sie in den Staub geworfen wurde, sie stand wieder auf und forderte ihn heraus. Das war die richtige Geisteshaltung.
Die Warterei machte ihn ruhelos und apathisch zugleich. Seine Hände wollten ständig an irgendetwas ziehen und sich bewegen, während seine Gedanken begannen, sich einem trägen Mahlstrom gleich im Kreis zu drehen. Nein, so einfach machst du mich nicht mürbe, Schwester.
Um sich zu beschäftigen begann er, die Details des Raumes zu erforschen. Als wäre er auf der Jagd nach einem scheuen Wild, hielt er sich in ruhiger Konzentration, entspannte die Augen und ließ jede Kleinigkeit in sich einfließen.
Die Wände des Raumes waren weiß getüncht, eine Farbe die in den Roten Tiefen nur unter Aufwand zu bekommen und unter Mühen zu erhalten war. Keiner der vielen Stoffe, ob als Teppich am Boden, als geknüpfte Wandzierde oder als Bezug von Kissen und Polstern, schien auch nur einen Fleck, einen losen Faden oder eine abgeschabte Stelle zu haben. Alles war bunt, kräftige Farben rangen miteinander, waren in ihrer Kombination jedoch so ausgewogen gehalten, dass sie ein harmonisches Bild ergaben. Eine Vitrine aus Holz, kein Eisenholz; es musste schwierig gewesen sein, das Material zu bekommen. Darin einige ausgewählte Kristalle, möglicherweise Schmuck, möglicherweise kristallisiertes Mana, vielleicht auch gespeichertes Wissen.
Alles hier war exklusiv, teuer, beeindruckend. Insofern man sich für materielle Besitztümer und deren Zurschaustellung interessierte. Der Raum war exakt so, wie er es von Krehn erwartet hatte. Und führte die Schlüsse, die man über seine Besitzerin zog, damit wahrscheinlich genau in die falsche Richtung.
Eine Bewegung fing plötzlich N'Arahns Aufmerksamkeit. Nein, nicht die Bewegung selbst; ein Edelstein hatte das Licht im Raum als Blitzen zurückgeworfen. Der Adjutant kniete weiterhin neben dem Sofa, hatte sein Gewicht aber etwas verlagert. N'Arahn interessierte sich nicht besonders für Schmuck, so dass ihm der vorne offene Halsreif, den der Dämon trug, jetzt erst richtig auffiel. Er hatte ihn mit einem Blick als potentielle Bedrohung aussortiert, da der angehende Kriegstreiber das Metall mehr oder weniger durch seinen Hals hätte ziehen müssen, um ihn abzulegen. Die Öffnung war zu eng, zudem scharfkantig. Der Reif war allerdings rundherum mit Saphiren geschmückt; einer von diesen hatte mit seinem Glanz eben seine Wachsamkeit geweckt. Eine Dämonenfessel? Das würde sein Verhalten erklären.
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Weltenbruch (18+)
Fantastik///// Ein Engel. Ein Dämon. Zwei unter vielen. Dies ist unsere Geschichte. Manche würden sagen, sie handelt von Wut und Schmerz. Andere würden sagen, es geht um Liebe. Beides ist wahr. Beides ist falsch. Es ist unsere Geschichte. Wir sagen, es geht...
