Die Stimme in ihr, die seine Motive analysierte und Bruchstellen, Hinweise, Ansatzpunkte für Zweifel an der durchgehenden Bösartigkeit des Herrn der Festung aufzeigte, wurde immer lauter. Es dürfte diese Stimme nicht einmal geben...
Wurde sie wahnsinnig? Oder einfach nur schwach? Vielleicht war es auch normal, sich in einer Situation wie dieser an einem Strohhalm festzuklammern, ungeachtet dessen, wie zerbrechlich er sein mochte. Und welchen Preis das Festklammern hatte.
Sie konnte und würde jetzt nicht aufgeben. Ja, bisher hatte sie immer versagt, wenn es darauf angekommen war. Sie hatte nicht fliehen können. Sie hatte dem Pakt mit dem Höllenfürsten nicht widerstanden. Sie hatte ihn nicht getötet, als sie die Möglichkeit dazu gehabt hatte. Sie hatte sich an ihn gebunden. Sie hatte bisher keinen Weg aus der Festung gefunden, obwohl sie sich freier bewegen konnte.
Aber es würde andere Gelegenheiten geben. Vielleicht würde diese Adjutantin den Höllenfürsten wirklich genügend ablenken, dass sich für Veidja eine Chance ergab.
Geduld.
Dieses Grübeln hatte keinen Sinn. Die Kriegerin musste sich bewegen, musste die Gedanken für einen Moment abschütteln. Früher hatte sie im Grunde nie gegrübelt, es war einfach nicht ihre Art. Sie hatte die Regeln gekannt. Sie hatte gewusst, was ihre Aufgabe war. Wer sie war. Dieses ewige Gedankenkreisen bereitete ihr Kopfschmerzen.
Sie würde den Garten suchen gehen. Selbst wenn er verschlossen war, beruhigte sie der Anblick des Tores. Das Wissen, dass dahinter eine kleine Wildnis wartete, voll satter Farben und sprießendem Leben.
Kurz überlegte sie, ob es sich lohnte, andere Kleidung anzuziehen. Schließlich waren die Stücke, die sie gerade trug, dafür ausgewählt worden, ihren Stand als Beiwerk des Herrn der Festung zu unterstreichen. Gleichgültig. Sie konnte sich gut darin bewegen, alles war von ausgezeichneter Qualität und angenehmem Schnitt. Warum darauf verzichten.
Da sich die Lage einzelner Räume oder Höhlen in der Festung immer wieder änderte, ging Veidja einfach drauflos. Sie mied den Thronsaal, der einen festen Platz hatte, sowie die Unterkünfte der niederen Dämonen. Die Arena und die Schmiede hätten sich (wahrscheinlich) in der anderen Richtung befunden, aber auch dort wollte sie nicht hin. Es gab weitere Abzweigungen, die weniger hoch frequentiert wurden. Meist hatte sie dort Glück, irgendwann auf den Garten zu treffen. Nur manchmal schien er nicht gefunden werden zu wollen.
Diese Gänge sahen sich einfach zu ähnlich... Für den Moment war ihr allerdings auch recht, nur auf der Suche zu sein. Hauptsache, sie bekam durch die Bewegung etwas den Kopf frei.
Veidja wich ein paar entgegenkommenden Kriechern aus. Wahrscheinlich hätten sie ihr Platz gemacht, doch sie wollte nicht mit ihnen in Berührung kommen. Wenn sie sie nicht gerade töten konnte. Es war nur ein Augenblick, doch sie hatte sich zu sehr auf die niederen Dämonen konzentriert, so dass sie der Adjutantin, die plötzlich auf sie zu steuerte, nicht mehr entgehen konnte, ohne offensichtlich die Flucht anzutreten.
Die große Frau mit den schulterlangen roten Locken sah sie freundlich an. Sie bewegte sich selbstbewusst und natürlich in dieser ihr fremden Festung. Und mit einem Hauptmann auf den Fersen, der sie wahrscheinlich mehr überwachte als beschützte.
„Wundervoll, dass wir uns treffen. Wir konnten uns vorhin gar nicht richtig bekannt machen." Die Adjutantin verbeugte sich leicht vor dem Engel. „Ich habe schon so viel von Euch gehört."
Veidja sah sie nur an, atmete flach, blieb auf der Hut. Die Begegnungen, die sie bisher mit Vertretern der Verführer-Kaste gemacht hatte, ließen sie Schlimmstes befürchten.
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Weltenbruch (18+)
Fantasy///// Ein Engel. Ein Dämon. Zwei unter vielen. Dies ist unsere Geschichte. Manche würden sagen, sie handelt von Wut und Schmerz. Andere würden sagen, es geht um Liebe. Beides ist wahr. Beides ist falsch. Es ist unsere Geschichte. Wir sagen, es geht...
