Veidja hatte gerade genug Zeit gefunden, das Wissen über die Existenz eines Gartens in den Roten Tiefen zumindest halbwegs zu verdauen und ihr inneres Gleichgewicht wenigstens zum Teil wieder herzustellen, schon wurde sie aufgefordert, sich in ein frisches weißes Kleid zu hüllen und den Thronsaal aufzusuchen.
Aufgefordert hieß im Klartext, dass eine gangfüllende Eskorte dafür Sorge trug, dass sie nirgendwo anders hinging. N'Arahn war nicht selbst erschienen, um sie zu holen, was sie fast ein wenig enttäuschte.
Doch nachdem er ihr den Garten gezeigt hatte, war sie, wie sie vor sich zugeben musste, bereit, sich ganz vorsichtig auf das einzulassen, womit er sie als nächstes konfrontieren wollte. Oder musste? Allzu begeistert hatte er selbst nicht von seiner Ankündigung gewirkt, dass andere Höllenfürsten zu Besuch kommen würden.
Damit sie ihre Wahl besser treffen könne.
Die Kriegerin schüttelte sich innerlich. Das war so absurd. Doch immerhin war sie wieder gestärkt, körperlich wie seelisch, und fühlte sich bereit, es mit den kommenden Herausforderungen aufzunehmen.
Seit dem Fest, das der Kriegstreiber vor einer Weile gegeben hatte, hatte sie den Thronsaal kaum noch betreten. Es hatte dafür keinen Grund gegeben und sie wollte auch jetzt nicht hier sein. Zu ihrer Erleichterung erinnerte wenig an die Orgie, die damals in diesem Raum gefeiert worden war. Bänke und Tische standen eher zweckmäßig aufgereiht, es gab keine leeren Flächen für Tänze oder anderweitige Spielwiesen. Keine Dekorationen, keine Buffettische oder herumwuselnde Diener mit Getränkekaraffen. Dafür stand jedoch wieder ein zweiter Stuhl aus Eisenholz neben dem hochlehnigen Thron auf dem Podest am Ende des Saales.
Welcher Ehrengast dieses Mal wohl erwartet wurde? Oder wurde jedem höheren Dämonen, der einzeln erschien, ein Platz neben dem Herrn der Festung angeboten?
Die Eskorte des Engels verteilte sich, verschwand zum Großteil durch Seitentüren oder in niedrigen Botengängen. Nur einer der hünenhaften Hauptmänner des Höllenfürsten blieb an ihrer Seite, halb in ihrem Rücken. Sie konnte den brennenden Blick der missgestalteten Kreatur zwischen ihren Schulterblättern spüren. Keiner von ihnen würde sie mehr unterschätzen. Was eigentlich bedauerlich war.
„Weiter." Der Hauptmann knarzte nur dieses eine Wort. Veidja war versucht, sich der Aufforderung zu widersetzen, doch wollte sie ihre wiedergewonnene Kraft nicht für ein sinnloses Scharmützel verschwenden. Während sie mit bedächtigen Schritten in Richtung des Podestes ging, flitzte ein Kriecher mit Stoffbahnen in den roten Klauen an ihr vorbei. Dann noch ein zweiter. Und noch ein Paar.
Die niederen Diener machten sich an den Stühlen zu schaffen, drapierten den Stoff über Sitzflächen und Lehnen. Der Thron wurde rot und schwarz geschmückt, der kleinere Stuhl weiß und silbern.
Oh Mutter...
Natürlich. Sie selbst würde der Ehrengast sein. N'Arahn würde sie vorführen. Was wohl hieß, dass sie heute mehrere Höllenfürsten würde ertragen müssen.
Erst als sie einen unfreundlichen Stoß in den Rücken bekam, wurde ihr bewusst, dass sie stehengeblieben war. Der Hauptmann schob sie weiter auf das Podest zu und mit einem Stolpern kam die Kriegerin wieder in Bewegung.
Veidja schalt sich selbst, dass sie nicht früher darauf gekommen war. Nicht, dass das etwas geändert hätte, aber dass die Erkenntnis sie so überraschend traf, hätte nicht sein müssen. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst. Wahrscheinlich hatte sie auch einfach nicht daran denken wollen. Ihre bisherigen Zusammenstöße mit Höllenfürsten waren erschreckend bis ekelerregend gewesen, und dass N'Arahn ihr privatere Treffen mit den höheren Dämonen angekündigt hatte, hatte sie zum damaligen Zeitpunkt in Aufruhr versetzt. Vielleicht hatte sie das Kommende verdrängen wollen, ja müssen, um zu überleben.
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Weltenbruch (18+)
Fantasy///// Ein Engel. Ein Dämon. Zwei unter vielen. Dies ist unsere Geschichte. Manche würden sagen, sie handelt von Wut und Schmerz. Andere würden sagen, es geht um Liebe. Beides ist wahr. Beides ist falsch. Es ist unsere Geschichte. Wir sagen, es geht...
