Intermezzo - Tazeel

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!!Triggerwarnung!!
Sexuelle Inhalte

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Reich der MenschenGegenwart

Er liebte es, dem Sonnenaufgang zuzusehen. Wann immer er im Reich der Menschen war, versuchte er, einen hohen Punkt zu erreichen, sobald die ersten Strahlen den Horizont in wechselnde Farben tauchten.

„Wunderschön", hauchte er ergriffen. Dieses Schauspiel konnte seine Stimmung jedes Mal heben. Selbst wenn er bei der Arbeit war.

„Danke, Süßer", keuchte die Frau vor ihm auf den Knien.

„Nicht du." Er sagte es nicht einmal unfreundlich. Sie war ihm einfach egal. Doch dass sie sich mit diesem Wunder der Natur vor ihm verglich, das konnte er nicht stehenlassen.

Sie quietschte empört, rückte aber nicht von ihm ab. Er lächelte, während er ihre Hüften festhielt und weiter rhythmisch zustieß. Sie stöhnte theatralisch als sie kam; wahrscheinlich war sie einige Blocks weit zu hören.

„Und, wie war ich?", fragte sie ihn kurz danach über ihre Schulter hinweg.

Die Sonne war höher gestiegen und ließ ihre warmen Finger über die kühlen Erhebungen der Stadt gleiten. Tazeel wandte die Augen nicht ab. Das hier war seine Zeit, sein Moment.

„Süßer..." Die Frau quengelte, also lächelte er sie an.

„Ehrlich gesagt... Ganz in Ordnung, aber deine Tochter war besser." Er sah kurz zu der jungen Frau hinüber, die eine Zigarette rauchend ein paar Meter von ihnen entfernt auf dem Dach an eine Brüstung angelehnt saß. „Unerfahrener zwar, aber engagierter."

Er zuckte mit den Schultern, als die Augen der älteren Frau vor Scham und Wut rund wurden.

Es war völlig gleichgültig, ob sie es ihm besorgt hatte oder nicht. Hier ging es nicht um die Befriedigung seiner Lust. Er zog seine Hose hoch und knöpfte sie zu.

Obwohl er nicht hinsah, konnte er die aufsteigende Wut und den Hass der Mutter auf ihre Tochter spüren. Genießerisch schloss er die Augen, fühlte den Strömen der Möglichkeiten nach.

Ah, es war fast schon zu leicht gewesen. Ein paar kostenlose Drinks, ein paar halbherzige Komplimente, gleichmäßig an die beiden Frauen verteilt. Nur etwas freundliche Aufmerksamkeit, um ihren ersten Durst zu stillen und das Verlangen nach mehr zu wecken.

Er griff in seine Hosentasche und fischte eine zerdrückte Schachtel Zigaretten heraus. Kaum hatte er sich selbst eine angezündet, bot er der Mutter ebenfalls eine an. Diese strich sich gerade noch Rock und Bluse glatt, nahm die angebotene Zigarette und warf ihrer Tochter einen hämischen Blick zu.

Wann würde den beiden aufgehen, dass sie nur benutzt worden waren? Vielleicht nie. Sie waren so damit beschäftigt, sich gegenseitig die Schuld an ihren verpatzten Leben zu geben, dass sie wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kamen, dass es irgendwann auch einen äußeren Einfluss gegeben hatte.

Menschen wie diese Frauen waren sein Fastfood. Einfache Beute, kleine Fische. Doch er mochte diese Arbeit als Abwechslung zu den großen Intrigen am Hof. Er machte sich gerne die Hände schmutzig.

Und manchmal überraschten ihn die Menschen auch. Als die Frauen ihn in ihre Wohnung einluden, hatte er nicht damit gerechnet, dass sie, sozusagen als Geschenk, die einzige „Konkurrenz" umbringen würden. Nur für ihn; er war beinahe gerührt gewesen.

Sie hatten ihn gemeinschaftlich erwürgt, den Ehemann, den Vater. Langsam, vor Tazeels Augen, während sie den Sterbenden als Langweiler und Feigling verhöhnten. Danach waren sie hier rauf aufs Dach gegangen.

Seufzend lehnte er sich an das Geländer. Der Moment war fast vorbei, die Sonne strahlte bald zu hell, um die zarteren Pastelltöne hervorzubringen, die er so bewunderte. Er zog an der Zigarette und blies einen Rauchkringel in die Morgenluft.

Links und rechts von ihm traten die beiden Frauen nun ebenfalls an das Geländer. Sie rückten nahe an ihn heran, als würden sie seine Wärme gegen die in ihnen herrschende Kälte brauchen.

Kalte, hoffnungslose Herzen wie ihre versprachen sicheren Erfolg. Es hatte nicht viel gebraucht, um ihre Welt ein wenig schlechter zu machen. In ihnen den Wunsch zu wecken, Leid über andere zu bringen, weil ihnen selbst wehgetan worden war. Eigentlich... Tazeel lächelte. Eigentlich hatte es ihn dafür gar nicht gebraucht. Es war nur ein wenig schneller gegangen.

„Und? Bleibst du?"

Er wandte sich der Tochter zu, die ihn angesprochen hatte. Das magere Ding trug einen eisernen Kern in sich. Sie würde seine Saat des Hasses hervorragend weitergeben.

„Klar." Er schnickte den glühenden Zigarettenstummel in die Häuserschlucht vor sich. „Muss nur noch was erledigen, dann komme ich wieder."

Er zog sie an sich und küsste sie sanft. Sie schmeckte nach altem Rauch und billigem Alkohol und zitterte unter seiner Berührung. Wahrscheinlich war sie bisher nur hart angefasst worden. Er leckte ihr über die Unterlippe, saugte leicht an ihr.

Sie würde sich an seine Zärtlichkeit erinnern. Und umso schärfer den Verlust fühlen. Die Gewissheit, das nie wieder zu bekommen. Ein Schauder erfasste ihn, so köstlich schmeckte die Erwartung ihrer verletzten Seele.

Er ließ sie los und drehte sich zur Mutter um. Sie packte er etwas fester; sie wollte Leidenschaft. Ihre größte Angst war, unattraktiv zu werden, also stieß er ihr seine Zunge in den Mund und presste sich an sie.

„Nicht alt werden, während ich weg bin", flüsterte er ihr mit einem Zwinkern zu.

Dann löste er sich auch von ihr und ging mit einem Winken zum Treppenhaus.

Natürlich würde er nicht wiederkommen.

Kaum hatte sich die Tür zum Dach geschlossen, hatte er die beiden vergessen.

Nach dieser Erfrischung konnte er sich wieder seinem Projekt zuwenden. Die Erinnerung an aufgerissene bernsteinfarbene Augen, die Angst und den Ekel darin, ließ ihn kurz stocken. Er badete in dem wohligen Rieseln, das seine Wirbelsäule prickeln ließ.

Ah, er war das zu schnell, zu grob angegangen. Aber wer hatte schon damit rechnen können, dass ein Kriegstreiber einen Engel länger als ein paar Zyklen am Leben halten konnte? Er hatte sich den kurzen Spaß nicht entgehen lassen wollen.

Und zudem hatte er auf diese Art etwas über N'Arahn gelernt.

Er strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, ließ seine Fingerspitzen über seinen Hals tanzen, wo der andere Höllenfürst ihn gepackt hatte.

Diese Wut, dieses Feuer.

Sicher, Kriegstreiber waren impulsiv und gewalttätig. Aber da steckte mehr dahinter.

Es war keine Ahnung mehr, es war köstliche Gewissheit seit ihrer letzten, so gar nicht zufälligen, Begegnung.

Tazeel witterte eine faszinierende Gelegenheit seine Fähigkeiten in den Roten Tiefen auszuspielen.

Sein Puls beschleunigte sich und Erregung stieg in ihm auf. Er bis sich auf die Lippe, schloss die Augen, unterdrückte ein Stöhnen.

Er war sich sicher, bald würden zwei unsterbliche Seelen eine neue Art des Leidens kennenlernen.

Es würde fantastisch werden.


Weltenbruch (18+)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt