Kapitel 9.1

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Veidja verließ ihre Kammer. Sie drückte nur leicht gegen die Tür und sofort schwang diese nach außen auf. Eine der Errungenschaften, seit N'Arahn gezwungen worden war, ihr mehr von seiner Welt zu zeigen. Im Gang wurde sie direkt von einem der Hauptmänner flankiert. Eine Wache stellte der Höllenfürst ihr immer zur Seite.

Er vertraute ihr nicht, das war klar. Doch sie genoss auch diese kleine Freiheit. Nicht mehr immer nur dann das Zimmer verlassen zu können, wenn sie zu einem Arenakampf geholt wurde. Dass ihr mindestens ein Schatten folgte... Es war eben so. Wobei "Schatten" eine deutliche Untertreibung war, bei einem Fleischberg, wie es der Hauptmann war. Doch damit konnte sie leben.

Ab und zu wollte sie einfach die Gänge erforschen und war schon über die eine oder andere interessante Seite der Festung gestolpert. Wobei sie natürlich nie einen Ausgang fand.

Irgendwie brauchte sie heute Bewegung. Die Ereignisse der letzten Tage hatten sie aufgewühlt: Besuche anderer Höllenfürsten, Schmeicheleien, Druck. Und ein immer verschlossenerer N'Arahn, der jetzt, nachdem er sie so unsanft an ihre Abhängigkeit und Zerbrechlichkeit in den Roten Tiefen erinnert hatte, gar nicht mehr mit ihr sprach. Er war vorher schon stetig einsilbiger geworden, mit Ausnahme des so abrupt gekippten Gesprächs. Doch seit seinem Wutausbruch... Nun, Veidja wusste nicht recht, ob sie erleichtert oder gar erfreut sein sollte, dass er sie mehr oder weniger in Ruhe ließ. Nicht versuchte, Einfluss zu nehmen. Wobei er immer noch darauf bestand, ihr Mana mit ihr einzunehmen. Doch jetzt sah der Kriegstreiber dabei nur noch schweigend in die Gegend und schien das Ende dieser Zusammenkünfte fast ebenso herbeizusehnen, wie sie selbst.

Natürlich hatte es sie erschüttert. Sie hatte mit jeder Faser ihres Körpers seine Wut gespürt, als er sie an die Wand gepresst hatte und ihr diese Bilder eingab. Diese Grausamkeiten. Sie hatte eine ganze Weile gebraucht, bis sie diese Vorstellungen auch nur zum Teil wegschieben konnte. Und doch...

So ganz hatte sie nicht verstanden, was vorgegangen war. Noch immer hatte sie den seltsam scharfen Geruch in der Nase. Und dass er sie ignorierte, dass er eine Frage von ihr nicht beantwortete, war nicht unbedingt ungewöhnlich, aber nach der Intensität, mit der er auf sie eingedrungen war, hätte sie zumindest irgendeine Reaktion von ihm erwartet. Stattdessen war er einfach gegangen.

Vielleicht war es auch eine Art Bestrafung. Denn es war für sie tatsächlich eher schlimmer geworden, weil sie keine Klarheit fand. Keine Antworten. Sie hatte es klären wollen und er ließ es nicht zu. Auch wenn Klärung wahrscheinlich der falsche Ausdruck dafür war. Sie hätte einfach gerne noch einmal seine Stimme gehört, weil da etwas war, das sie nicht verstehen konnte.

Aber so war es eben.

Vielleicht sollte sie wirklich froh sein, dass er sie gerade die meiste Zeit in Ruhe ließ. Gut, sie war es eigentlich auch. Es gab ihr mehr Zeit für Grübeleien und nach einem Ausweg zu suchen. Denn wenn sie etwas nicht wollte, dann war es in die Hände irgendeines Höllenfürsten zu geraten. Nun, noch mehr, als sie es eh schon war.

Nur Grübeln allein war auf jeden Fall keine Lösung, daher hatte sie sich für einen Ausflug entschieden und schritt mit dem Hauptmann im Schlepptau die Gänge entlang. Aber wieder war alles nur gleich. Der Engel hatte ein Mal das Tor gefunden, das ihr den Zugang zu dem Garten verwehrt hatte. Sie wäre gerne hineingegangen, doch das war ihr nicht möglich gewesen. Sie hatte das Tor wiedererkannt, von ihrem Besuch zusammen mit N'Arahn vor einiger Zeit, doch öffnen konnte sie es nicht. Er schien diesen Bereich seiner Festung besonders zu schützen.

Ansonsten hatte sie nur Unterkünfte entdeckt, die sie vielleicht lieber nicht gesehen hätte. Sie hatte die Arena gefunden und den Thronsaal. Aber es schien, als wären ihr manche Bereiche der Festung einfach nicht zugänglich. Was wiederum erklären würde, warum der Höllenfürst sich nicht die Mühe machte sie am Begehen der Gänge zu hindern.

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