Erinnerung.
Ist das real? Ist das möglich? Ist das fassbar?
Kann ich mich an etwas erinnern, das schon längst in mir drin ist,
das ein Teil von mir ist,
untrennbar von meinen Gedanken?
Es ist da, immer, schlummert in mir, macht mich zu dem,
der ich bin, was ich bin.
Tief in mir drin.
Ihr wart gemein, ich war allein.
Du warst gemein.
Was ich sagte, wollte niemand hören.
Immerzu habt ihr gelacht, das Leben floss an mir vorüber
wie der kleine Bach hinter unserem Haus.
Er allein begleitete mich, floss durch meine Freizeit, hielt mich aus.
Nicht wie ihr. Ich wollte doch nur dazugehören.
Es gab Momente, da wünschte ich mir, der Wagen hätte damals nicht bremsen können.
Quietschende Reifen, brüllendes Horn, Blechfront in metallic grün.
Erinnerung.
Was ich dachte, wollte niemand wissen.
Das Fussballspiel hatte längst begonnen, ohne mich, denn niemand hatte mich gewählt.
Sportstunden. Lektionen der Qual. Lektionen des Lebens.
Tränen nur versteckt im weichen Kissen.
Ich war stark und kreativ. Lesen, schreiben, malen.
Unterwegs mit dem Fahrrad. Straße und Pedalen.
Adoleszenz ist die Zeit des Begreifens.
Ich begreife, dass ich anders bin. Ich begreife, dass ihr nicht wie ich seid.
Und ja, das tut weh, denn damals wollte ich nicht allein sein.
Ich fühlte Hass, vermischt mit Neid.
Adoleszenz war keine schöne Zeit.
Erinnerung.
Erst mit der Zeit habe ich verstanden, weshalb das alles wichtig war.
Ich brauche keinen Spiegel, um zu wissen, wer ich bin.
Was ich bin.
Denn ich fühle es, tief in mir drin.
Die Spuren meines Lebens sind Pinselstriche auf meiner Leinwand.
Mal sind sie schön, mal sind sie hässlich.
Verschmiert, gezackt, dunkel, drohend.
Und doch unerlässlich.
Was ich schreibe, will vielleicht niemand lesen.
Doch heute ist es mir egal. Ich schreibe trotzdem. Ich schreibe deswegen.
In trotzdem steckt Trotz, in deswegen steckt Weg.
In mir steckt alles, was ihr mir damals beigebracht habt.
Ich bin anders.
Und heute bin ich froh darüber, was in mir steckt.
Es ist gewachsen, wie eine starke Pflanze im Sturm des Lebens.
Ich brauche keine Spiegel, um zurückzuschauen, denn ich habe dich.
Meine Erinnerung.
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Einerseits ... Fortsetzung
AcakWeiter gehts mit den Texten auf einer Seite. Beobachten und Schreiben machen solchen Spass - da muss ich einfach dran bleiben.
