14| Dusche, Föhn, Nudeln, Klub

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Ich muss kurz eingeschlafen sein, denn es wurde draußen bereits dunkel, als ich mich aufrappeln konnte. Müde und leicht weggetreten tapse ich ins Bad und werfe einen Blick in den Spiegel. Eine falsche Entscheidung. Meine Augen waren total angeschwollen und rot. Dazu ziert ein wunderschöner Kissenabdruck meine rechte Wange, welcher perfekt zu meinem verschmierten Make-up von heute morgen passt. Notgedrungen entschied ich mich für die Dusche.

Das warme Wasser weckte mich wieder komplett auf und brachte mich zurück in die Realität. Nach der Dusche fühle ich mich wie neu geboren. Ich ziehe mir eine lange Jeans und ein weites T-shirt an und setze mich dann zurück auf mein Bett.
Die Gitarre habe ich neben das Bett gestellt. Jetzt nehme ich sie mir und beginne ein paar Melodien zu klimpern. Ein Mischung aus den Ärzten und Herbert Grönemeyer. Keine gute, wenn ich das mal erwähnen darf. Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich mich mit Pat treffen wollte. Ich sehe auf die Uhr. 21 Uhr. Ob er schon arbeiten muss? Hektisch suche ich in meinen Taschen nach meinem Handy. Natürlich habe ich viele ungelesene Nachrichten, auch drei von Pat. Und, konntest du sie überreden?, lautete die erste. Die zweite war nicht mehr so freundlich. Charly? Willst du mir nicht antworten? Als letzte Nachricht hat er mir einen traurigen Smiley geschickt. Hast du noch Zeit? Ich/wir kommen. In 15 min am Springbrunnen auf der Straße? Während ich auf eine Antwort warte, suche ich den Zettel mit Vanessas Nummer. Hastig tippe ich die Zahlen ein und schreibe ihr: In zehn Minuten vor meinem Zimmer? C. Vanessa schickt mir einen Hand, welche mit dem Daumen nach oben zeigt. Fahrig fahre ich mir durch die Haare. Natürlich nass, vom duschen vorhin. Schnell erhebe ich mich von meinem Bett. Im Bad ergreife ich erst den Kamm, um mir meine Haare kurz zu entfitzen und nehme dann den Föhn.

Zwei Minuten später klopft es an meine Tür. Ich schalte den Föhn aus und gehe an die Tür. „Vanessa?" frage ich vorsichtig und lege die Hand auf den Türgriff. „Nein, Jesus. Ich komme, um für deine Sünden am Kreuz zu sterben." Ich verkneife mir ein Kichern und sage toternst: „Na dann, verschwinden sie. Ich öffne nur Vanessa die Tür." Vanessa scheint mit dem Fuß gegen die Tür zu treten, denn plötzlich schlägt etwas mit voller Wucht gegen diese. Ich lache auf und öffne die Tür. Vanessa steht mit nassen Haaren vor mir und grinst mich an. Irritiert sehe ich sie an. Sie trägt dich eine Perücke, warum ist die nass? Vanessa deutet meinen Blick richtig und sagt dazu nur: „Ich war duschen und hab vergessen, die Perücke abzunehmen. Das gleiche scheint dir ja auch passiert zu sein." Ich nicke und lasse sie eintreten. Sie läuft zielstrebig in mein Bad und ergreift den Föhn, welcher dort noch an der Steckdose hängt. Während sie sich ihre pinken Haare trocknet, überprüfe ich mein Handy nach Nachrichten von Pat. Sagen wir 21:30, ok? Ich muss dann zwar um elf los, um halb zwölf bei Arbeit zu sein, aber ihr könnt ja mitkommen ^^ P. Ich tippe ein OK, bis dann :) und lege mein Handy wieder weg. Vanessa hat gerade den Föhn ausgeschaltet und kämmt sich ihr Haar. „Was dagegen, wenn wir uns heute noch mit Pat treffen? In einer viertel Stunde, um genau zu sein?" Sie schüttelt den Kopf. „Warum sollte ich etwas dagegen haben?" Ich zucke nur mit den Schultern. Sie nimmt wieder den Föhn und macht weiter. Ich nehme den Kamm und fahre mit ihn durch meine Haare.

Nach zehn Minuten sind wir beide hergerichtet für den Abend. Eilig laufen wir zum Springbrunnen. Schon von weiten sehen wir Pat an der Umrandung sitzen und auf uns warten. Er sieht uns und erhebt sich. „Hey" sagen Vanessa und ich. „Hallo" begrüßt uns Pat. Zusammen laufen wir ein Stück die Straße hinab. Sehnsüchtig starrt Vanessa die Restaurants an und sagt dann irgendwann: „Wir müssen uns unbedingt noch etwas zu essen besorgen. Ich hatte nichts heute Abend." Ich stimme ihr zu. Pat schaut sich um und entdeckt einen kleinen To-Go-Laden, welcher Pizza und belegte Brote in der Auslage liegen hatte. Er deutet mit dem Daumen darauf und fragt: „Hier?" Vanessa sieht hinüber und nickt. Also steuen wir diesen an.

Ein paar Minuten später halten Vanessa und ich je eine Pappschachtel mit Spaghetti in den Händen. Wir sitzen auf einer Bank und stopfen die Nudeln wie Kannibalen in uns. Jetzt merke ich, wie ausgehungert ich gewesen sein muss. Pat sieht uns kopfschüttelnd zu und sagt dann: „Ihr lebt in einem Hotel mit All-Inclusive-Service und Restaurant und ihr verhungert fast. Echt mal" Vanessa kichert und nimmt noch eine Gabel mit den Nudeln. „Das Problem liegt darin, dass das Restaurant unten liegt und die Zimmer oben. Wir müssen also immer runter, um was zu essen." erkläre ich ihm. Pat verdreht die Augen und erwidert: "Stellt euch vor: ich muss in den Supermarkt fahren, um etwas zu essen zu bekommen. Und ich verhungere auch nicht." Ich zucke nur mit den Schultern und esse meine Nudeln weiter.

Nachdem Vanessa und ich unser Abendessen vertilgt haben, führt uns Pat zu einem Strandaufgang. „Meine Schicht beginnt bald, wir sollten uns auf den Weg machen." Im Hotel habe ich Vanessa noch schnell erklärt, das Pat arbeiten muss und wir ja mitkommen können. Sie konnte den Jubelschrei nicht unterdrücken.

Also laufen wir am Strand entlang, das Ziel: die Bar. Die sanfte Brise von Meer spielt mit unseren Haaren. Die Sonne ist natürlich längst untergegangenen, doch war es noch längst nicht dunkel. Die Bars und Nachtklubs der Stadt erhellen den Strand mit künstlichen Licht. Des weiteren laufen auf dem Strand Verkäufer herum, welche uns Leuchtspielzeug verkaufen wollen. Die meist dunkelhäutigen Personen laufen auch schon am Tag über den Strand, bepackt mit Handtüchern, billigen Schmuck oder anderen Kitsch.

„Da vorne ist es." sagt Pat plötzlich und deutet auf eine Art Zelt, welche direkt im Sand stand. Je näher wir kamen, umso mehr konnten wir sehen. Das Zelt stand auf einem Holzboden, welcher im Sand befestigt war. Die Zeiten waren offen, jedoch mit einem Zaun abgesichert. Am Eingang steht ein Türsteher und kontrolliert die Pässe und die Anzahl der Personen. Eine lange Schlange steht vor ihm und wartet darauf, eingelassen zu werden. Zielstrebig läuft Pat auf den Eingang des Clubs zu. Unruhig tippelt Vanessa neben ihm her. „Bist du die sicher, dass du uns da reinkriegst?" fragt sie ihn. Doch Pat macht nur eine wegwerdende Handbewegung.

Als er vor dem Türsteher angekommen ist, begrüßt er ihn und beginnt auf Englisch unsere Situation darzustellen. Unbeeindruckt hört der Kerl Pat zu, bis sich dieser vorbeugt und dem Türsteher etwas ins Ohr flüstert. Der Typ beginnt zu lachen und tritt zur Seite. „Viel Spass" sagt er noch und wackelt anzüglich mit den Brauen. Irritiert laufen wir weiter. Vielleicht ist es besser, wenn wir nicht erfahren, wie Pat uns hier hereinbekommen hat. Vanessa strahlt wie ein Kind an seinem Geburtstag und läuft über die Tanzfläche. „Ich geh dann mal" schreit mir Pat wegen der lauten Musik ins Ohr. Ich nicke und suche den Raum nach Vanessas pinken Haaren ab. Na das konnte ja ein Abend werden.

RebellWo Geschichten leben. Entdecke jetzt