8| Wie Pat Vanessa kennenlernte und Peter uns zum Glimmstängel verführte

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Mein Wecker erinnert mich an den Termin, den ich heute noch habe. Seufzend rappel ich mich von meinem Bett auf. Ich streife mir mein Badet-shirt und die abgeschnittene Jeans über. In meine winzige Handtasche packe ich mein Handy, das Portemonnaie und Sonnencreme. Dann hole ich mir noch ein Handtuch aus dem Bad. So bewaffnet verlasse ich mein Zimmer. Meine Familie wollte wissen, ob ich schon frühstücken war, ob ich an den Pool kommen würde und ob ich ihnen endlich die gottverdammte Zimmernummer sagen würde. Ich blockiere Annie, Karl und meinen Vater auf Whatsapp in der Hoffnung, endlich Ruhe vor ihnen zu haben.

Langsam setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung und brachte mich in das Erdgeschoss. Kaum öffneten sich die Türen, begrüßten mich auch schon Vanessas knallpinke Haare. „Da bist du ja endlich!" sagt sie. Ich verdrehe die Augen. Vanessa trug ebenfalls eine Shorts, dazu ein schlichtes T-shirt. Um ihren Hals hingen die Bänder ihres Bikinis.

Zusammen laufen wir durch den Eingangsbereich. Viele drehen sich nach uns um. Wir sind auch ein komisches Paar. Ich mit meinen blauen und Vanessa mit ihren pinken Haaren. Aber das man da gleich entsetzt die Hand vor den Mund schlagen muss und den Kindern erklärt, dass das, Zitat: „Verrückte" sind, das geht zu weit. Deshalb sehe ich Vanessa kurz verschwörerisch an und rufe durch die gesamte Eingangshalle: „Punk forever!"

Vanessa beginnt zu lachen und ich stimme mit ein. So verlassen wir das Hotel. Vor der Tür sagt Vanessa zu mir: „Endlich mal jemand, der genauso tickt wie ich." Ich lächel sie an und hacke mich bei ihr unter. Wir laufen zum Strandaufgang des Hotels.

Vanessa tippt mich plötzlich an und deutet auf etwas im Sand. „Siehst du den Typen da? Den will ich mal von vorn sehen." Ich folge ihrem Blick und sehe einen Typ. Er trägt eine kurze Hose, weiter nichts. Deshalb sehe ich das Tattoo, welches auf seinem Oberkörper verewigt war. Nur mit Mühe kann ich mir ein Grinsen verkneifen. „Sprich ihn doch an." rate ich ihr. „Waaaas? So wie der aussieht, steht er auf solche Supermodels mit langen Beinen und langen blonden Haaren. Er hört bestimmt nur Taylor Swift. Und die auch nur, weil sie heiß ist." meint Vanessa seufzend. Ich kicher kurz. Sie sieht mich irritiert an und geht dann weiter.

Als wir dann den Typen erreichen, tippe ich ihm auf die Schulter. Entsetzt sieht mich Vanessa an. „Hi Pat" sage ich. Pat dreht sich um und begrüßt mich ebenfalls. Mit offenem Mund starrt Vanessa uns an. Ein wenig verwirrt sieht Pat mich ebenfalls an. „Seit ihr Schwestern oder so?" fragt er. Ich lache und schüttel den Kopf. „Pat, das ist Vanessa. Wir haben uns heute morgen beim Frühstück kennen gelernt. Vanessa, das ist..." „Pat. Ich bin ja nicht blöd." fällt sie mir ins Wort. Sie sieht mich kurz an und fügt dann hinzu. „Charly? Das wirst du mir noch erklären müssen." Genervt verdrehe ich die Augen. Pat lacht nur blöd vor sich hin. „Da haben sich ja zwei gefunden." meint er. Vanessa nickt. Eine Weile stehen wir schweigend voreinander, bis ich Vanessa daraufhinweise, dass wir zum Volleyball wollen. Woraufhin sie nur nickt und vor Pat und mir davon Richtung Netz marschiert.

Pat lacht sich neben mir lautlos schlapp. Ich stoße ihn mit meinem Ellenbogen an und zische: „Lass das gefälligst." Er grinst nur wie blöde und sagt dann: „Sie gefällt mir. Ob sie noch single ist?" Ich schüttel bloß meinen Kopf. Womit habe ich das bloß verdient?

„Ich denke schon, dass sie noch... Hey, hast du mir nicht gestern erst geschrieben, dass du eine Freundin hast?" sage ich. Das hört auch Vanessa. Die bleibt stehen und läuft dann neben und weiter. „Du hast eine Freundin?" fragt sie. Verlegen kratzt sich Pat hinter dem Ohr. „Nunja, eigentlich habe ich keine Freundin. Ich habe dir das gestern bloß geschrieben, weil... Weil... Ach, keine Ahnung, warum. Es ist einfach passiert." Vanessa und ich sehen ihn beide mit großen Augen an. „Wow" nuschelt die pinkhaarige, „genau dasselbe hat mein Ex zu mir gesagt, als ich ihn gefragt habe, warum er mit der Schlampe geschlafen hat." Nach diesem Satz kann ich mir das Lachen nicht mehr verkneifen. So eine absurde Situation. Und so brülle ich los vor lachen. Es dauert einen Moment, aber dann stimmen Vanessa und Pat in mein Gelächter ein.

Wir liefen zusammen zu dem besagten Volleyballfeld. Pat und Vanessa verstanden sich auf Anhieb, sie scherzen (meist auf meine Kosten) und erzählen sich lustige Dinge aus ihrer Jugend. Inzwischen haben wir auch das Feld erreicht. Tatsächlich sitzen hier bereits ein paar Jugendliche rum und starren uns (besonders Vanessa und mich) an. Vanessa lässt ihren Blick über die Leute wandern, bis sie schließlich gefunden hat, was sie sucht.

„Peter! Da bist du!" Sie läuft auf einen schlacksigen Jungen von etwa 17-18 Jahren zu. Peter dreht sich im und begrüßt Vanessa. „Hey! Schön, dass du kommst. Du hast jemanden mitgebracht?" Vanessa nickt und dreht sich um. „Das ist Pat" - sie zeigt auf ihn - „und Charly" - sie deutet auf mich. Peter begrüßt uns ebenfalls.

Zusammen setzten wir uns in den Sand. Peter hat sich einen Sonnenschirm organisiert, unter welchen wir uns zu viert quetschen. „Ich glaube nicht, dass wir heute zum spielen kommen" meint Peter und kramt in einer Tasche. „Wieso nicht?" fragt Pat. Er sitzt neben mir und beobachtet zwei Mädchen, welche sich mit dem Ball ‚erwärmen'. Das heißt, sie hüpfen in ihren Bikinis auf und ab und wackeln ordentlich mit dem Po. Genervt verdrehe ich die Augen.

„Es sind kaum Leute da. Und der Eisverkäufer will uns kein Wasser zum kühlen des Sandes geben." meint Peter und zieht eine Zigarette aus einer Schachtel. Er bietet uns ebenfalls eine an. Pat und ich lehnen dankend ab, Vanessa nimmt sich eine. Typisch Punk, würde jetzt meine Mutter sagen. „Das ist ja blöd. Warum gibt der kein Wasser?" Peter zieht einmal und sagt dann: „Wahrscheinlich stören wir sein Geschäft. Er findet es nicht gut, wenn sich solche wie wir vor seinem Laden tummeln. Das würde Kunden verschrecken." sagt er und zieht wieder an der Zigarette. Auch Vanessa inhaliert genüsslich den Rauch. Man, so langsam bekomme ich auch Lust auf eine Zigarette. Warum riecht der Tabakrauch auch so verdammt gut?!?

Vor vielleicht einem Jahr habe auch ich regelmäßig geraucht. Warum? Weil ich solche Eltern-und-Familie-Komplexe hatte, dass ich ohne gar nicht auskam. Ich hatte damals auch einen Freund. Der hieß Vincent und war ebenfalls Raucher. Er bekam natürlich mit, was bei mir zu Hause so abging und empfahl mir daraufhin das Rauchen. Tja, an diesem Abend habe ich meine erste Zigarette geraucht und habe meine Jungfräulichkeit verloren. Mit sechzehn Jahren an einen 34-jährigen Typen. Danach hatte ich das Laster Rauchen und das Laster Täglich-Pille-schlucken.

„Warum muss den auch der Sand schon vormittags so heiß sein?" beschwert sich Vanessa. Sie drückt gerade ihre Zigarette im Sand aus. „Und wer bitteschön hat sich Strand-volleyball ausgedacht? Ein Norweger, wo der Sand eine Jahreshöchsttemperatur von 12°C hat?" wettert sie weiter. Ich klopfe ihr nur auf die Schulter. Manchmal möchte ich echt die „Probleme" anderer Leute haben.

RebellGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt