9| Wie man nach Italien kommt

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Also bleiben wir bei Peter unter dem Sonnenschirm. Er und Vanessa rauchen, Pat und ich spielen mit dem Sand und vergraben gegenseitig unsere Füße. „Wo kommt ihr her?" fragt Peter dann. Vanessa antwortet sofort: „Berlin". Ich lächel und sage: „Aus der Nähe von Dresden". Pat antwortet mit „Passau". Peter nickt und zieht an seiner Zigarette. Er bläst den Rauch in die Luft und sagt dann: „Ich bin aus Innsbruck". „Cool" meint Vanessa und fragt: „Da warst du doch bestimmt schon mal bei der Vierschanzentournee." Peter nickt. „Ein paar Mal. Ist ganz cool." Vanessa wirft ihm einen sehnsüchtigen Blick zu. Da ist aber jemand neidisch. „Da wollte ich auch schon immer mal hin." sagt sie dann. Jap, eindeutig neidisch. Peter zuckt mit den Schultern und zieht wieder an seiner Zigarette.

Mein Handy klingelt in meiner Tasche. Ich nehme es heraus und schaue aufs Display. Idiot stand da. Was wollte der den? Pat und Vanessa werfen ebenfalls einen Blick auf mein Handy. „Dein Ex?" fragt Vanessa. Ich schüttel den Kopf. „Mein Bruder" Ich drücke auf den roten Hörer. Pat sieht mich fragend an, auch Vanessa schien ein paar Fragen zu haben. Doch ich warf ihnen nur einen warnenden Blick zu und sah danach Peter kurz an.

Vanessa verstand sofort. Sie zieht ein letztes Mal an der Zigarette und drückt sie dann im Sand aus. Danach erhebt sie sich und klopft den Sand aus den Klamotten. „Ich will noch schnell in den Pool. Kommst du mit, Charly?" fragt sie mich. Ich nicke und stehe auch auf. Neben mir rappelt sich Pat ebenfalls auf. Peter nickt nur und steckt sich dann auf dem Sand aus. „Ciao" sage ich zu ihm. Er nickt wieder. So verlassen wir das Volleyballfeld. Am nächsten Strandausgang verlassen wir den kochend heißen Sand und gehen auf die Fußgängerzone. „Will jemand auch einen Granite?" fragt Vanessa. Sie holt einen breiten Fächer aus ihrer riesigen Strandtasche. Neidisch starre ich auf das Teil. Ich hatte auch einen, aber leider Gottes in meinem Koffer im Hotel. Typisch Mia Charlotte eben. Seit neusten Charly, dank Pat.

Ich schüttel den Kopf. Letztes Jahr habe ich mir einen dieser Eisdrinks mit Vodka gemixt. Danach lag ich zwei Tage im Bett, so schlecht war mir nach diesem Zeug. Auch Pat schüttelt den Kopf. Vanessa seufzt und schüttelt auch den Kopf. „Langweiler" murrt sie, steuert dann aber eine Eisdiele mit diesen Mischern an. Sie kauft sich einen mit Waldbeergeschmack. Dann laufen wir die ewig lange Straße hinab. Vanessa schlürft geräuschvoll an ihrem Drink und fragt dann: „Also, Charly. Warum hast du deinen Bruder als Idiot in deinem Handy eingespeichert?" Ich seufze. Das die Frage früher oder später kommen würde, war mir klar. Deshalb antworte ich einfach: „Weil er einer ist." Vanessa hebt eine Braue und meint dann: „Lass mich raten. Du hast deine Haare eines Tages einfach gefärbt und deine Eltern haben daraufhin dein Taschengeld gekürzt und meiden dich." Ich zucke nur unbestimmt mit den Schultern. Sie seufzt und sagt dann: „War bei mir genauso. Deshalb bin ich auch allein hier im Urlaub. Meine Familie ist bei Verwandten. Um mich nicht dabei haben zu müssen, haben sie mir den Urlaub geschenkt und mich ins Flugzeug gesetzt." Irritiert sieht Pat zwischen uns hin und her. „Was habt den ihr für Familien?!?" fragt er dann. Vanessa wirft ihm nur einen abschätzenden Blick zu und sagt dann: „Na du hast ja leicht reden. Du hast deine Haaren nicht gefärbt, hast dir keine Piercings mit dreizehn Jahren stechen lassen, hast..." „Jaja, ist ja schon gut!" fährt Pat ihr in die Rede. Ich muss lachen. Genau das war der Unterschied zwischen uns. Pat zeigt nicht so offen, das er sich abgrenzen will. So kann er auch mit normalen Menschen leben. Das ist bei Vanessa und mir etwas... schwierig.

Wir erreichen unser Hotel (also das Vanessa und mir) und bleiben erstmal davor stehen. Vanessa drinkt ihren Granite aus und wirft den Becher in einen der Mistkübel auf der Straße. „Wo wohnst du eigentlich?" frage ich Pat. Er schaut verlegen auf seine Füße. „Was hast du?" fragt Vanessa. Er sieht uns eingeschüchtert an. „Ich... äh... Ich arbeite an einer der Bars am Strand als Barkeeper." Eine Weile sehen wir uns nur an, dann brüllt Vanessa über die gesamte Straße: „Cool!" „Sch!" macht Pat und schaut sie an, als wäre sie verrückt geworden. Was ja auch nicht so falsch ist. „Oh mein Gott, ich wollte schon immer mal einen Barkeeper kennen! Das ist so cool! Kannst du mich da reinbringen, obwohl ich noch nicht achtzehn bin?" Vanessa flippt sichtlich total aus. Total aus dem Konzept gebracht steht Pat nun vor uns. „Wir gehen dann mal." sage ich deshalb und schnappe mir Vanessas Arm. Pat nickt. „Ciao!" sagt er. Aufgedreht winkt Vanessa ihm zum Abschied. Auch ich winke einfach nur, aber normal. Nicht so wie meine neue verrückte Freundin. Pat dreht sich um und läuft die Straße weiter hinab.

Ich ziehe die Pinkhaarige (nicht die Blondine, nicht die Brünette, nicht den Lockenkopf, nein, die Pinkhaarige) in das Hotel. „Willst du noch in den Pool?" frage ich sie. Vanessa schüttelt den Kopf. Sie nimmt eine ihrer pinken Strähnen zwischen die Finger und sagt dann: „Ich glaube, die sind nach dem Sprung in des Pool nicht mehr in der Farbe. Bei den Mengen an Chlor, die die hier reinkippen." Ich seufze und erwidere: „Ja, dass habe ich mir auch schon überlegt." Letztes Jahr hatte ich in Italien gerade rote Haare. Nach dem Urlaub waren sie mehr violett, da das blau von vorher irgendwie durch das Chlor mit der roten Farbe reagiert hat. Dieses Jahr habe ich extra eine teurere Farbe verwendet, in der Hoffnung, dass meine Haare den Pool überleben. Außerdem habe ich noch zwei Packungen der Farbe mitgenommen, um im Notfall nachfärben zu können. „Kommst du mit in die Cafeteria? Ich hab mordhunger." frage ich Vanessa. Sie nickt und zusammen laufen wir zur Treppe, um in den Speisesaal im ersten Untergeschoss zu kommen. Wir laufen gerade die Treppe hinunter, als plötzlich eine Stimme aus dem Keller ertönt. „Mia?" Ich bleibe auch stehen und suche die Person, die mich gerufen hat. „Vater?" Tatsächlich stand er am Treppenende, zusammen mit meiner kleinen Schwester. Annie trug ein leichtes Sommerkleid und hielt einen Cappuccinobecher in den Händen. Mein Vater stand neben ihr und sah mich und Vanessa mit großen Augen an. „Na da haben sich ja zwei gefunden." sagt Annie abfälltig. Vanessa sieht meine Schwester fassungslos an. Sie beugt sich zu mir und flüstert mir ins Ohr: „Ist diese kleine verzogene Göre deine Schwester?" Lächelnd nicke ich. Sie hebt eine Braue und schweigt dann.

„Würde uns das Fräulein endlich ihre Zimmernummer verraten?" fragt mich mein Vater und steigt ein paar Stufen nach oben. „Warum fragt ihr nicht einfach an der Rezeption nach? Die sagen euch doch bestimmt die Nummer." Ein wenig Sarkasmus kann ich leider nicht unterdrücken. Mein Vater knirscht mit den Zähnen und sagt dann: „Die sagen, weil du ja jetzt achtzehn bist, müssen sie dich erst fragen, ob sie das sagen dürfen. Und da du das ja verboten hast, dürfen sie es uns nicht sagen!" Schadenfroh lacht sich Vanessa neben mir tot. Mein Vater hat mittlerweile einen hochroten Kopf und schreit sie nun an: „Was bildest du dir eigentlich ein? Lachst du mich aus? Weist du eigentlich, wer ich bin? Du bist genauso... Unnormal wie meine Tochter. Drogen nehmen und den ganzen Tag nur faul herumliegen! Aber nicht mit mir!" Vanessa sieht ihn fassungslos an. Aber sie kennt meinen Vater nicht. Sie weiß nicht, dass es jetzt erst richtig los geht. „Wenn wir zu Hause sind, schicken wir dich auf eine Haushaltsschule in der Schweiz. Dort wird man dir deine... Abnormalität austreiben. Das verspreche ich dir." Mit diesen Worten stapft er an uns vorbei. Annie bleibt noch einen Moment stehen und sagt dann: „Ich hoffe für dich, dass deine Drogenfreunde unseren Nachnamen nicht kennen. Das würde Mum sonst nicht überleben." Vanessa schenkt ihr ein zuckersüßes Lächeln und sagt dann: „Oh, so ein Mist! Wir haben unsere nächste Runde auf den Namen Becker bestellt. Also falls sie dich fragen, ob du das bestellt hast, kannst du es ja annehmen und es uns einfach geben. Wäre sehr freundlich." Fassungslos sieht Annie zwischen uns hin und her, bevor sie dann die Treppe hinauf zu ihrem Vater rennt.

RebellGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt