Kapitel 80

465 23 0
                                        

"Wenn Jays Eltern kommen...bleibst du dann hier? Ich...werde das alleine wahrscheinlich nicht schaffen." murmelte ich und sah Louis bittend an. "Ja, natürlich. Aber so schlimm kann ihre Familie doch nicht sein."

Ich zog eine Augenbraue hoch. "Ihre Mutter schon. Letztens hat sie mir vorgeworfen, dass ich für den Tod ihrer Tochter schuld bin." "Nicht wahr." "Oh doch."

Er schluckte. "Wow, das ist...krass." "Was du nicht sagst. Sie hat gesagt, sie will die Kleine nicht einmal kennen lernen!" sagte ich mit Tränen in den Augen. "Kannst du dir das vorstellen? Das ist eine Hexe!" "Unsinn. Sie war bestimmt nur extrem traurig, wenn sie sie sieht, dann wird sie sie lieben, ich sag's dir." "Glaubst du, ich lasse sie zu ihr? Auf gar keinen Fall!"

"Vielleicht ist sie gar nicht so schlimm." meinte er schulterzuckend und schon klingelte es an der Tür. "Überzeuge dich selbst." brummte ich und ging widerstrebend zur Tür.

Es waren drei Personen gekommen. Ihre Mutter, ihr Vater und ihre Schwester, die ich zwar noch nie gesehen habe, aber Jay hat immer gemeint, sie wäre ihr von der ganzen Familie am ähnlichsten. Ihre Eltern sahen mich teils wütend, teils enttäuscht an, während Jays Schwester sanft lächelte.

Ich bat sie herein und sie gingen zum Wohnzimmer, wo sie sich umsahen und Louis über den Weg liefen. "Was macht dieser Typ hier? Glaubst du, wir informieren uns nicht? Wie kannst du es wagen, so kurz nach Janines Tod deinen Lover hier her zu bringen?" keifte die Mutter.
Der Vater sah mich nur eiskalt an, die Tochter - wie hieß sie nochmal? Achja, Josy - hatten den Blick gesenkt und schwieg.

"Er ist nicht mein Lover. Ich bin nur hier, weil er vor wenigen Stunden erst vom Krankenhaus nach Hause gekommen ist." erklärte Louis ruhig, da ich nicht die Kraft hatte, etwas dagegen zu sagen.

"Krankenhaus? Wieso warst du so lange im Krankenhaus?" fragte jetzt Josy und ich seufzte tief. Ich wollte diese Frage nicht beantworten und hoffte, dass Louis es auch nicht tun würde.

"Es war...eine sehr lange Nacht und...da bin ich...die Treppe heruntergestürzt. Sie wollten mich lieber da behalten..." Ich war so schlecht im Lügen, aber anders als Jay ertappten mich ihre Eltern nicht.

"Wollt ihr sie sehen?" fragte ich mit brechender Stimme und war nicht überrascht, als sie den Kopf schüttelten. Ich hatte es erwartet, aber ich war trotzdem enttäuscht.

"Nein, ich will mit dem Baby nichts zu tun haben. Wir sind nur gekommen, um mit dir abzuklären, wie die Beerdigung ablaufen soll." Ich schluckte und nickte. War ja klar, dass das kommen würde, aber ich war dafür einfach noch nicht in der Lage.

Sie erzählte mir, was sie sich so vorgestellt hatte und ich konnte es nicht fassen, dass sie so gut durchgeplant und vorbereitet war. Außerdem war es unglaublich, wie schlecht sie ihre eigene Tochter kannte.

"Jay...ich meinte Janine...hatte das nie gewollt. Sie wollte nie viel Tam Tam und sie wollte nicht dass ihre Beerdigung so deprimierend wird. Und sie hat Kirchenchöre gehasst, sie steht auf sanfte, klassische Musik." Sie sah mich spöttisch an. "Woher willst du das wissen? Ich glaube, ich kannte sie besser als du."

"Anscheinend nicht." sagte ich nur und das war zu viel für sie. "Das muss ich mir nicht länger anhören. Max, Josephine...wir gehen!"

Sie stolzierte aus dem Haus und die beiden trotteten ihr hinterher. Wenn ich ehrlich war, war ich froh darüber, andererseits hätte ich essbesser gefunden, wenn wir uns wenigstens jetzt besser vertragen könnten.

Vicky begann zu schreien und ich ging mit Louis zu ihr. "Waren ihre Eltern immer so?" Ich nickte. "Zu mir schon." "Das hätte ich nie gedacht. Die Mutter erinnert mich stark an die böse Stiefmutter in jedem Märchen." meinte er und ich musste schmunzeln. "Ja, jetzt wo du es sagst."

Es klingelte wieder an der Haustür und ich nahm Vicky in meine Arme. "Gehst du hin? Wenn sie das wieder sind, dann...ich kann nicht..." Er nickte. "Ja, klar. Ich verstehe schon." "Danke, du bist der beste!" meinte ich und er ging zur Tür und öffnete sie.

"Kann ich mit Harry sprechen?" hörte ich eine sanfte Stimme und ich seufzte erleichtert auf, da ich wusste, dass es nicht wieder diese Hexe von Mutter war. "Ja, ich hole ihn." antwortete Louis. "Harry! Janines Schwester ist hier und will mit dir reden."

Ich legte Vicky wieder sanft in ihr Bettchen und ging zu Josy. Sie strich sich verlegen eine Strähne hinters Ohr und sah auf ihre Schuhe.

"Hi, Harry. Ich wollte sagen: mir tut es leid, wie meine Eltern waren und was sie gesagt haben...du musst verstehen, es ist nicht leicht für sie und..."

"Es ist nicht leicht für sie? Klar und für mich war es einfach oder was? Es war die Hölle und das letzte was ich brauchte, war deine Mutter, die mir das Leben schwer macht."

"Ich weiß. Tut mir leid, so meinte ich das nicht. Ich kann mir vorstellen, was du durchmachen musstest." Ich schüttelte den Kopf. "Das glaube ich nicht."

"Wieso warst du wirklich so lange im Krankenhaus? Du bist doch nicht wirklich nur gestürzt, oder?" Ich lächelte. "Du bist wie Jay. Sie hat auch immer sofort gemerkt, wenn ich gelogen habe." sagte ich und seufzte.

"Naja, ich habe...eine Überdosis Schlaftabletten genommen." Josy sog scharf die Luft ein. "Ich habe meine Tochter nicht sehen dürfen und alle haben gedacht, ich würde das locker schaffen und eigentlich war ich fertig mit den Nerven und alles was mich überhaupt davon abgehalten hat, mich aus dem fünften Stock zu stürzen, war die Nachricht, dass es wenigstens meine Tochter durch den zweiten Tag geschafft hat und mir das Leben eine zweite Chance gegeben hat."

Ich setzte mich auf die Couch und fuhr mir durch die Haare. "Und Jay wollte, das ich für unsere Tochter da sein soll. Und da hat sie Recht. Sie ist alles, was sie nun hat."

"Wo ist sie eigentlich?" Ich stand auf und winkte sie hinter mir her, damit sie mir ins Kinderzimmer folgt. Ich hob sie aus dem Bettchen und küsste ihre Stirn. Sie öffnete ihre Augen und fing an, zu schreien.

"Shsh. Alles ist gut. Sieh mal wer hier ist. Deine Tante Josy. Die Schwester von deiner Mummy." Sie beruhigte sich und sah Josy an. "Du hast eine sehr beruhigende Stimme." bemerkte Josy und ich kicherte. "Ach deswegen kann nur ich sie beruhigen. Und ich hatte mir schon etwas darauf eingebildet, dass ich irgendeinen magischen Einfluss auf sie habe."

"Sie ist unglaublich süß. Darf ich sie mal halten?" "Sicher." Ich übergab sie ihr und sie lächelte. "Wie heißt sie denn? Hast du schon einen Namen?" Ich nickte. "Victoria Jay." "Victoria Jay? Das ist ein schöner Name. Wusstest du, dass J schon immer Victoria heißen wollte?"

Ich grinste. "Natürlich." "Du kennst sie wirklich besser als meine Eltern. Du hattest Recht, mit allem, was du gesagt hast. Und ich versuche, sie zu überzeugen, mit aller Kraft, okay?"

Ich nickte. "Danke. Das ist sehr nett von dir." "Sie war schließlich meine Schwester und ich will auch, dass es so wird, wie es zu ihr passte."

Unstoppable love ~l.s ✅Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt