Eins musste man den Dörflern lassen: Sie konnten so viel Gastfreundschaft zeigen wie sonst niemand, der einen hasste! Da es schon später Abend war und seit dem Morgen kämpfen ganz schön anstrengend sein konnte, nahmen die Besucher das Angebot zwar dankend an, doch sie blieben auf Abstand zu den Dörflern.
"Es ist lange her seit wir das letzte Mal in einem Dorf geschlafen haben!" Stellte Sirena fest, als die Besatzung der Schmiede sich in das Heu einer halb zerstörten Scheune geschmissen hatten. "Hast du es vermisst?" Fragte Kell der gerade dabei war ein Reh aus dem Bruchstück eines zerstörten Pfeilers zu schnitzen. " Nein, eigendlich nicht! Als ich noch im Dorf lebte, hab ich andauernd alleine geschlafen, weil meine Mutter noch im Wald arbeitete und mein Vater in der Kaserne war! Seit ich in der Schmiede bin, ist ja immer jemand in meiner Nähe! Das ist viel schöner!" Kell schwieg. Immer wenn er an Sirenas Eltern dachte, stiegen ihm nur Bilder von Blut, entsetzlich viel Blut in den Sinn. Er wollte Sirena gern glauben, dass es eine Zeit gab, wo diese Menschen noch am Stück waren, eine Zeit bevor die Bemannten beschlossen, dass es ein Dorf zu viel in dieser Gegend gab, aber sein Gedächtnis erlaubte nur verzerrte Bilder von einem weinenden Mädchen, umgeben von Blut und Trümmern.
"Vermisst du deine Eltern?"
"Ich weiß kaum noch wie sie aussahen. Und an die Nacht hab so gut wie gar keine Erinnerungen."
Dabei wollte Kell es auch belassen. Es war sicher nicht das Beste, wenn er Sirena erzählte, dass sie, als er und die anderen versuchten, sie aus dem Dorf zu holen, nachdem sie das Mädchen entdeckt hatten, etwas ausgetickt war und maßgeblich an der Zerstörung jenes Dorfes beteiligt war. Es ließ sich natürlich nur schwer abschätzen, ob die Bemannten mehr Leute getötet hatten, oder die aus dem Boden schlagenden Wurzeln. Letzten Endes hatte Krum das Mädchen bewusstlos geschlagen aus dem Dorf getragen. Bereits am nächsten Tag war das Dorf nicht mehr auffindbar. Kell vermutete, dass Vis die letzten Reste nieder gebrannt hatte um Sirena den Anblick auf ewig zu ersparen, aber der stritt das vehement ab.
"Was ist mit deinen Eltern?" Sirena riss Kell aus seinen Gedanken. Er zuckte mit den Schultern. "Meine Mutter kannte ich nie und mein Vater..." er betrachtete den Knochen an seinem Messer. "...fiel in die Zielgruppe!" Zu der Zeit war er gerade mal Zwölfeinhalb Jahre alt gewesen. Sein Vater war Apotheker und seine Mutter war kurz nach seiner Geburt abgehauen. Für die Bemannten war es ein ganz normaler Einsatz gewesen: In das Dorf einfallen, alles kaputt machen, Gefangene nehmen und so lange seelisch und körperlich foltern bis sie dem Befehl der Natur nicht mehr wiederstehen konnten und ebenfalls zu Bemannten wurden, doch für ihn war es das erste Mal, das man ihm jeden Halt genommen hatte. Jeden, außer dem einen, dem von geschliffenem Metall und von seinem Zauber! An dem Tag, als sein Vater starb und ein neuer Kobold geboren wurde, setzt er zum ersten Mal einem Leben ein Ende! Die Jahre darauf, war er bei seinem Lehrer in Zauberei aufgewachsen, bei Krums Vater. Aber als auch diese einfach so verschwand, waren er und Krum wirklich allein. Bis eines Tages ein junger Mann mit einem Epimokel vor ihrer Tür stand, der nach jungen Zauberern suchte, die nichts zu verlieren hatten. Was dann noch fehlte war jemand, der einen Platz zum wohnen und arbeiten kannte und dieser Jemand fand sie! Oder besser gesagt, dieser Jemand stahl Vis sein Tasche und versuchte damit in eine kleine Felshöhlte, mitten im Wald zu fliehen. Aber letzten Endes kam es so zur Schmiede, dem einzigen Zaubererhort dieser Gegend und als sie bald darauf noch Sirena fanden, war alles komplett!
"Schon witzig, oder?" Erriet Krum seine Gedanken.
Er war noch draußen geblieben um die Teile seiner Axt auf zu sammeln.
"Willst du deine Sense nicht flicken?"
Kell schob das Messer zurück in die Scheide und lehnte sich ins Heu. "Nö, wieso auch? Ich mäh ja kein Heu! Ich werd mir was neues suchen!"
"Darf ich dich mal was fragen?"
Wante sich Sirena wieder an Kell.
"Klar doch!"
"Wie hast du eigendlich deinen Vater besiegt?"
Krum zog hörbar die Luft ein.
"Ich habe mein Vater nicht besiegt!" Kells Stimme war gefroren.
"Ich habe nur einen Kobold getötet! "
"U..Und wie hast du das gemacht?" Fragte Sirena etwas vorsichtiger.
Kell setzte sich auf. "Bevor ich begonnen hab, mir selber Arme zu basteln, hatte ich schon drei Paar von meinem Vater bekommen! "
Er streckte seine Arme nach vorne aus und die Selbigen begannen augenblicklich sich zu verändern.
Als erstes nahmen sie wieder die Form der langen Speerpointklingen an, mit denen er heute noch den Alben getötet hatte. "Diese hier benutze ich am liebsten! Zwei fünfundvierziger Klingen aus zweihundertsechsundfünfziglagigen Damast!"
Seine Hände verformten sich erneut. Dieses Mal traten Zahnräder, Rollen und Draht zutage, nur um dann von einer Metallschicht verdeckt zu werden.
"Die hier sind nur zum Kampf geeignet! In jeden sind ein paar hundert Meter dünner Draht stärker gespannt als eine Bogensehne! Wenn man von innen einen Abzug betätigt, reißt der sich lösende Draht die Hand mit einer enormen Kraft nach vorne! So kann man Jeden erschlagen! Sogar mehrfach gepanzerte Bären oder Trolle! Allerdings muss man den Draht nach jedem Schlag neu spannen und das dauert!"
"Wow" meinte Krum. "Immer wieder beeindruckend!"
Kells Hände verformten sich ein letztes Mal und diese Mal sahen sie erstaunlich normal aus. Allerdings bestanden sie nun aus reinem, marmorweißen Elfenbein.
"Die sind nur zum rituellen Gebrauch, wie zum Beispiel...."
"Hey!" Unter brach die Stimme von Vis Kells Erörterungen. Er stand zusammen mit Adelis, Schäfler und drei Männern aus dem Dorf in dem, aus den Angeln gerissenen Tor der Scheune.
"Ihr müsst euch das Mal ansehen!"
Kells Arme normalisierten sich, Sirena sprang vom Heuhaufen und Krum packte das, was er von seiner Axt hatte finden können, dann folgten sie ihren Kameraden in die kühle, sternenklare Nacht!
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Nach dem Ganzen
AdventureDie Natur hat dem Menschen wieder genommen was ihr gehörte. Mit unfairen Mitteln! Die gesamte Natur hat ein einfaches Bewusstsein entwickelt und den ersten und einzigen Beschluss gefasst, den Menschen den Krieg zu erklären. Die Menschen wehrten si...
