Das halbe Dorf war in heller Aufregung. Überall wurden Trümmer entfernt, tote Bemannte entsorgt und Verwundete behandelt. "Scheint keine Opfer zu geben. Wir waren gut schnell!" Stellte Adelis fest und Vis nickte. Dann steuerte er die Truppe quer über den Platz hin zu einer Ecke. Dort standen zwei Dutzend Leute, um etwas, was auf den Boden lag, gedrängt. Als Vis seinen Blick umherschweifen lies, sah er sogar Herane. "Was ist hier nun so wichtig?" Krum hatte sich zusammen mit Kell und Sirena den Weg zu ihnen durchgebahnt. Adelis nickte zu der Menschengruppe und zusammen traten sie vor, so das sie sehen konnten was da auf den Boden lag.
Vis kämpfte mit dem Drang Sirena die Augen zu zuhalten, doch er hatte nicht das Recht zu entscheiden, was ihr erspart blieb. Sie war bleich geworden und konnte hören, wie ihr Puls immer stärker wurde. Ihre Lippen zitterten, wollten sich öffnen, ihr erlauben zu schreien, aber dazu war sie zu schockiert. Dann drang wie aus weiter Ferne das zu ihr, was der Kobold zu ihr gesagt hatte. Sie wäre genau das, was die gesucht hätten, sie wäre ein Mädchen im perfekten Alter.
Und wenn sie im perfekten Alter war, dann war das Mädchen, was da auf dem Boden lag es auch! Sofern man da noch von einem Mädchen sprechen konnte!
Wenn Bemannte einen Menschen bemannen wollen, dann müssen sie erst dazu bringen, ein Bemannter sein zu wollen.
Und das geht am besten, wenn man ihm Stück für Stück das Leben als Mensch zur Hölle macht. In dem Fall haben die Kobolde echt bewiesen, wie sehr das in der kurzen Zeit möglich war!
Das Mädchen, velleicht 13 Jahre alt, lag ruhig da, als würde sie schlafen, doch ihre Augen waren weit aufgerissen und ihre Pupillen waren so weit, dass es den Eindruck erweckte, sie versuchten ihre kristallblaue Iris zu verschlucken.
Ihre Haut war blass und ihre Lippen fast durchsichtig. Über ihrem steifem Körper war ein Laken ausgebreitet, was zwar einst weiß gewesen sein mochte, aber nun braun vor Blut war. Adelis hatte unglaublich gute Augen, aber selbst er musste sich direkt vor das arme Ding knien,
um den langsamen, gurgelnen Atem zu erkennen. Neben dem Mädchen kniete zudem noch ein kleiner, breiter Mann mit einem Epimokel, der für sein Alter erstaunlich wenig Haare besaß.
Er schaute auf, als die Gruppe aus Menschen von den Zauberern durchbrochen wurde.
"Sie braucht Hilfe!" Seine Stimme war tief und krächzig, wie die von allen Apothekern. Vis nickte. "Gut, dann brauchen wir hier Platz! Würden Sie bitte Platz machen!"
Die Menge rührte sich nicht.
"Hallo! Das ist ein echter Notfall! Ihr müsst etwas zurücktreten!"
Keiner bewegte sich.
Dann begann der erste zu sprechen.
"Wir sollen Platz machen?! Das ich nicht lache! Ihr dreckigen Schalatane! Was wollt ihr denn machen? Eine von euren Hexerein anwenden, die ihr in eurer Höhle zusammenbraut? Wollt ihr noch mehr Alben anlocken?"
Jetzt stiegen langsam auch andere Dörfler in die Fluchtirade ein. "Ja. Die Bemannten folgen euch doch auf Schritt und Tritt! Die waren bestimmt nur wegen euch hier!"
"Für euch ist das doch gar nichts! Ihr habt noch nie was an diese Bestien verloren, aber wir sterben hier!" "Das ist doch nur wegen euch, ihr Höhlenbewohner!" Vis sah aus dem Augenwinkel, wie Kells Messer sich langsam aus der Scheide löste und er fasste seinen Unterarm.
"Was wollt ihr machen? Uns angreifen?" Aus der Menge klangen die Geräusche von aneinander schlagendem Metall. "Für euch sind wir doch auch nicht anders, als die Kobolde. Ihr tötet doch gerne alles un..." Bevor der Schreihals seinen Satz beenden konnte, packte Krum sein Gesicht. Mit einer einzigen Bewegung schleuderte er ihn über die Köpfe der Meute, sodass er im Schlamm des Dorfes landete.
"Was wollt eigendlich!? " Die Menge wich vor Krum zurück. "Hier geht es doch gar nicht um uns oder euch, hier geht es um Menschenleben!" Sein Zauber wirkte auch auf seine Stimme und zwar ordentlich.
Doch dann machte einer der Dörfler plötzlich einen Satz nach vorne und holte mit einen Knüppel aus.
Der Schlag wäre für Krum nicht tödlich gewesen, aber Krums Reaktion für den Angreifer schon! Deswegen war es wohl für alle eine Schonung als der Knüppel noch in der Luft glatt zerschnitten wurde. Vis drehte sich zu Herane. Die hatte ihr Schwert gezogen. Und trat damit zwischen die Besatzung der Schmiede und die des Dorfes. "Ich finde, gerade wurde alles gesagt was gesagt werden musste! Die Schmiedeleute wollen nur helfen, aber mein Bruder und ich sind da anders!" Herud schlenderte zu ihr und obwohl er locker und schlaff daher ging, strahlte seine Haltung eine erdrückende Kampfbereitschaft aus. Herane wandte such zu Vis und Kell: "Los, macht schon! Ich kümmer mich um diesen Abschaum!"
"Töte niemanden! " entgegnete Vis.
Dann wies er Sirena an wegzuschauen und schlug das Laken beiseite.
Krum musste sich beherrschen, um sich nicht übergeben. Kell kam aus einer Apothekerfamilie und Vis hatte die kühle, analytische Art eines Wissenschaftlers, warum Adelis sowas ertragen konnte wusste keiner, wie es mit allem war, was Adelis Vergangenheit betraf.
"Zwei Rippen rausgerissen, bei einer dritten haben sie es versucht!" Kell riss das Laken in breite Streifen und begann die Wunden zu säubern, so gut es ging. "Ja, das klingt nach Bemannten!" Vis beförderte ein Feuerstein und ein Stück Eisen hervor. "Ich hab noch genug Magnesium, Aluminium und Rost um die Wunden auszubrennen. Das könnte sie aber töten, je nach dem, was an ihren Organen im Eimer ist!" Kell schloss die Augen und schüttelte den Kopf. "Zu viel, um nicht zu sagen fast alles. Ein Wunder, dass sie noch atmet! Hätte ein Bewusstsein der Natur sie bemannt, hätte sie gut genug heilen können, um eine kerngesunde Elfe zu werden! Bei ihrer Geisteskontrolle vielleicht sogar eine Elbe! Aber so bleiben ihr nur noch ein Paar Tage, wenn nicht Stunden!" Vis nickte betroffen. "Du meinst, sie wäre Zaubertauglich gewesen?"
"Um so lang am Leben zu bleiben reicht der Wille normal nicht aus, also ist das sehr wahrscheinlich, aber bedeutungslos!" Adelis kniete sich neben dem Kopf des Mädchens. Auf der einen Seite konnte noch die nussbraune Farbe des Haares erkennen, auf der anderen wurde es von Blut aus einer mehr schlecht als recht verbundenen Platzwunde, schlammig rostbraun gefärbt. Er lies Krallen an seinen Händen erst vor ihren Augen zuschnappen, dann neben ihren Ohren. "Keine Reaktion! Sie kriegt von hier nichts mehr mit. Sie ist quasi im Geiste schon tot..."
Adelis wandte den Blick ab. Nein, dieses Mädchen lebte noch! Er spürte jede Luftzirkulation hier. Das verdankte er seinem Zauber und ihr Atem war für ihn wahrnehmbar. Er wusste nicht was, aber irgendwas schien dem Mädchen den Austritt aus dieser Welt verweigern zu wollen und das lies sich scheinbar nicht durch Augen oder Ohren wahrnehmen.
"Also...Also könnt ihr rein gar nichts machen?" Diese Frage stellte der Apotheker. Alle starrten ihn an. Er hatte bis jetzt nur ruhig dagesessen, alle anderen hatten ihn vergessen.
"Ihre Tochter?" Fragte Krum.
"Nein, eine Waise, aber ich kenne sie gut! Sie hilft mir immer im Laden aus!"
"Jetzt wohl erstmal nicht mehr!" Vis erhob sich." Aber es ist interessant, dass scheinbar nur Waisen in dieser Gegend zaubereibegabt sind!"
"Wirklich gar nichts?!" Beharrte der Apotheker, wobei er Vis einfach überhörte.
"Schauen sie sich diesen Körper an! Überlebenschancen gleich null!"
Erwiederte Vis und deutete auf das,nun von Kell verbundene Loch.
"Na ja, da wäre noch die Doll." Warf Adelis ein.
Jetzt starrten alle ihn an.
Vis überlegte. "Ja, vielleicht! Wenn es klappt..."
"Man müsste es versuchen..." nahm Kell den Faden auf.
"Entschuldigung, aber was ist die Doll?" Fragte der Apotheker.
"Eine erweiterte Form des materiellen Austauschzaubers." Gab Vis Antwort. "Aber dafür müssen wir erstmal wieder zur Schmiede."
Kell zweifelte: "Einer muss hierbleiben! Alleine kann dieser Amateurmedicus das arme Ding nicht stabil halten!"
"Dann muss es halt jemand anderes machen!" Kell überlegte, Herud und Herane konnten es auf jeden Fall nicht machen! Die beiden waren Kämpfer und verstanden nichts von Medizin, aber wer sonst...?
"Ich schääätze, das müsst ihr dann wohl mir überlassen!"
Diesmal war es Schäfler, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Er saß immer noch auf seinem Wagen und rauchte. Probnack, der Troll, war nicht zu sehen. "Und sie bekommen so was hin?" Adelis zweifelte.
"Aber sicher! Ich bin immer der einzige hier, der schonmal mit einem echten Stadtarzt gearbeitet hat! Und nun macht mal los! Sonst stirbt die Kleine noch während ihr hier faselt!
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Nach dem Ganzen
AvventuraDie Natur hat dem Menschen wieder genommen was ihr gehörte. Mit unfairen Mitteln! Die gesamte Natur hat ein einfaches Bewusstsein entwickelt und den ersten und einzigen Beschluss gefasst, den Menschen den Krieg zu erklären. Die Menschen wehrten si...
