Kapitel 8 || Die Ankunft ||

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|| Anatol ||

Mit der Erlaubnis seines Erzeugers war er bereits zwei Tage früher in die Stadt Soleil gereist, als es eigentlich geplant war. Anatol liebte Soleil. Eigentlich liebte er alle Orte außerhalb des Königreiches Syrka, denn dann war er nicht an Pflichten oder an den Worten seines Erzeugers gefesselt. Hier konnte er die Fesseln lösen und endlich der sein, der er eigentlich war - ein Abenteurer, ein Rebell - und somit sein eigener Herr.

Entspannt schlenderte er die Straßen von Soleil hinab und schaute sich die exotischen Waren des Marktes genaustens an und kaufte sich ab und an etwas Nützliches. Es war immer ein Mysterium für ihn gewesen, woher die Händler diese vorzüglichen und hochwertigen Waren her bekamen. Anatol faszinierte das System des Marktes und das Treiben auf den Straßen von Soleil, denn trotz der breiten Menschenmasse und des ohrenbetäubenden Lärmes, war es anders als in der Königsstadt Syrka. In seiner Geburtsstadt verlief alles um einiges hektischer, unkontrollierter und gröber, was ihn schon so manches Mal sehr aus der Fassung gebracht hatte. Hier hingegen war es anders. Zwar herrschte auch hier geschäftiges Treiben, aber nie war es so grob. Es hatte etwas von einer symbiotischen Beziehung. Alles verlief in einem einvernehmlichen Geben und Nehmen.

Als er an einer der Wachen vorbei lief, die aufgrund der Anreise des Königs an fast jeder Ecke in den Straßen postiert waren, nickten diese ihm respektvoll zu. Es frustrierte ihn, dass die Wachen ihn trotz seiner Verkleidung immer noch erkannten.

Anatol zog sich in eine der schattigen Gassen zurück und lehnte sich schwer seufzend gegen die Wand eines Gebäudes. Innerlich verfluchte er seinen Erzeuger für seine Angst und seinen Wahn. Er wünschte sich ein normales aber abenteuerlustiges Leben, ohne Vorschriften und Prügel, wenn er wie immer, etwas Falsches gesagt oder getan hatte. Nie nie konnte er es seinem Erzeuger recht machen. So sehr Anatol auch manche Bewohner, wie die liebenswerte Köchin, die für ihn fast wie eine Mutter gewesen war, mochte, so sehr verabscheute er seinen Vater. Genau wie ihn verabscheute er auch dieses Wort und sprach aus diesem Grund immer nur von seinem Erzeuger.

Langsam drehte er seinen Kopf in die Gasse hinein und konnte einen Blick auf einen Schatten erhaschen, der um eine Ecke verschwand. Kopfschüttelnd rieb er sich über das Gesicht und tat den Schatten als Einbildung ab. Anatol stieß sich von der rauen Wand ab, zog sich sein schwarzes Tuch tiefer ins Gesicht und mischte sich wieder unter die Bürger und Handelsreisenden von Soleil.

Zu seinem Leidwesen waren die zwei Tage schneller vergangen, als er den namen des Feuergottes hätte aussprechen können. Seine kurze Freiheit hatte ein jähes Ende und sein Leben in Gefangenschaft würde schon in kurzer Zeit wieder seinen Lauf nehmen.

In nur wenigen Stunden würde sein Erzeuger, wie jedes Mal, wenn in Soleil Menschenhandel betrieben wurde, in die Stadt einmarschieren und alles an sich reißen, ganz so als wäre er göttlichen Geblüts. Er würde sich unter die Adligen mischen, eine wunderschöne Sklavin auswählen, die ihm einen gesunden Erben schenken würde, und so viele Drachenkronen bieten, dass kein anderer es wagen würde, ihn zu überbieten. So hatte er es mit Aros Mutter getan und auch mit Anatols. So tat er es schon ewig. Nicht immer funktionierte es, sonst hätte er jetzt schon haufenweise Geschwister, aber sein Erzeuger versuchte es immer wieder.

Plötzlich wurde er von einer vermummten Gestalt angerempelt. „He, pass' doch auf, wo du hinrennst!", beschwerte er sich bei der fremden Person, die ihn unverhohlen musterte. Auch Anatol ließ die Gestalt nicht aus den Augen. Er war genauso groß wie er selbst, sein Körper war mit alten zerschlissenen rotbraunen Gewändern verhüllt und um seinen Kopf war ein dunkelrotes Tuch gewickelt.

Anatols Atem stockte, als er in die Augen des Mannes sah. Es war, als würde seine Iris in Flammen stehen. Sie war orange, jedoch verlief die Farbe in einen gelb-rötlichen Ton. Der junge Mann verzog seinen Mund zu einem verbitterten Lächeln.

Five Elements - Blazing FireWo Geschichten leben. Entdecke jetzt