|| Selin ||
Die Sterne waren bereits verblasst und der Mond näherte sich dem Horizont, um der Sonne Platz zu machen. Der Sand war kühl und der Wind hatte sich über Nacht gelegt.
Müde rieb sich Selin über die Augen und setzte sich langsam auf. Sand rieselte von ihrer Haut und aus ihrem Haar, wie flüssiges Gold. Ihr Körper schmerzte von der Prozedur des vergangenen Tages und die Beschämung saß tief. Selins Hals kratzte vom vielen Weinen und Schreien. Ihr Mund war staubtrocken und voller Sandkörner. Die Lippen fühlten sich rau und rissig an. Selin versuchte vergeblich sie zu befeuchten.
Aufstehen!", brüllte der Mann namens Olyek und ging mit einer Blechschüssel, auf die er mit einem Stock schlug, zwischen den Sklaven umher.
Selin versuchte das ängstliche Zittern zurückzudrängen und atmete tief durch. Wackelig kam sie auf die Beine und sah sich nach dem freundlichen jungen Mann mit den blausilbernen Augen um. Doch alles, was sie in der Dunkelheit ausmachen konnte, waren die Umrisse der Felsen und die der Menschen um sie herum. Alles schien in Schatten so zu verlaufen, als hätte jemand mit einem sehr wässrigen Pinsel und schwarzer Farbe auf ein nachtblaues Blatt gemalt.
Plötzlich spürte sie eine große starke Hand auf ihrer rechten Schulter, woraufhin Selin erschrocken herumwirbelte. Es war der Mann, nach dem sie Ausschau gehalten hatte. Er war vollständig in Lumpen gehüllt, lediglich sein Kopf war frei.
Der junge Mann legte einen Finger an die Lippen, als Selin das Wort erheben wollte. Schlagartig schloss sie wieder den Mund und senkte den Kopf. Auf einmal fiel ihr Blick auf die goldenen Fesseln mit Ketten in den Händen des Mannes.
Protestierend machte Selin einen Schritt von ihm weg, wirbelte herum, um davon zu laufen. Doch ehe sie es sich versah, prallte sie mit voller Wucht gegen eine breite und harte Brust. Erschrocken und vorsichtig sah sie nach oben in das Gesicht eines der Männer, die sie gestern festgehalten hatten. Seine Miene war undurchdringlich und emotionslos. Dieser Gesichtsausdruck ging Selin durch Mark und Bein. Ohne dass sie es bemerkte, hatte ihr der Angst erregende Mann die goldene Fessel um den Hals gelegt.
Angst und Galle stiegen in ihr auf. Verzweifelt zerrte sie an der Fessel, doch ohne Erfolg. In letzter Zeit schien alles erfolglos zu sein. Nichts funktionierte.
Nein, nein! Macht das ab, bitte, macht das wieder ab! Mistkerle!", schrie Selin voller Verzweiflung und schlug wutentbrannt gegen die breite und harte Brust des großen Mannes vor ihr. Dieser erhob die Hand gegen Selin und verpasste ihr eine schallende Ohrfeige. Keuchend prallte sie auf den harten Sand. Ein Schluchzer quälte sich ihre Kehle hinauf und Tränen verklärten ihre Sicht.
Wieder einmal legten sich große starke Hände auf Selins Körper, die ihr auf halfen. Währenddessen legte der Mann von gestern ihr weitere Fesseln um die Handgelenke und schubste sie zu den anderen in Ketten gelegten Sklaven.
Nenad, Cadel. Mee ngwa!", rief die lilaschwarzhaarige Frau und zeigte zum Mond, der bereits den Horizont erreicht hatte. Etwas zog kräftig an der Kette ihrer Halsfessel und sie stolperte vorwärts.
Teilnahmslos starrte Selin zum Mond, der noch immer silbern leuchtete. Ihre Gedanken schweiften zu ihrer ehemaligen Zukunft. Alles wäre gut, wenn sie ein Tattoo bekommen hätte. Sie würde ein glückliches Leben bei ihrer Familie führen – ein glückliches und erfülltes Leben in Seltsi Rahvas. Was Barry jetzt wohl tat oder ihre Cousine Maron? Wie fühlte sich ihre Familie, nachdem sie verbannt und abgeführt wurde?
Mittlerweile stand die Sonne am Himmelszelt und der Sand brannte unter Selins Füßen. Ihre Haut war mit einem Schweißfilm bedeckt und ihr schmutziges Haar klebte an ihrem Rücken. Alles in ihr lechzte nach Wasser und einer kalten Dusche, um den Dreck von ihrem Körper zu waschen.
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Five Elements - Blazing Fire
FantasiSelin lebt in einer Welt voller Magie, welche sie selbst erst ab dem 18. Lebensjahr anwenden kann. Was Selin jedoch nicht weiß, ist, dass ihre Zukunft bereits von den Göttern der Elemente geschrieben wurde. Alles, was sie sich für ihre Zukunft ausge...
