Kapitel 10 || Die Auktion ||

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|| Belal ||

Der Tag brach für Belal viel zu früh an. Er musste sich aus seinem Schlafquartier quälen und nur eine kalte Dusche konnte die Müdigkeit aus seinen steifen Gliedern vertreiben. Aber auch in die anderen Kategorien wollte er nicht recht hineinpassen. Belal lag die Nacht noch lange wach und zerbrach sich den Kopf über den reisenden Anatol.

Dieser Name kam ihm ungemein bekannt vor. Er konnte sich jedoch nicht entsinnen, in welchem Zusammenhang der Name fiel. Anatol war ein merkwürdiger Mann und passte partout nicht in die Kategorie des Adels. Belal konnte ihn schlicht und ergreifend nicht einschätzen.

Schwer seufzend stand er am Fenster und sah auf die Straße hinunter. Die Stände öffneten ihre Luken und die Händler stellten ihre Waren wieder auf. Kinder liefen fröhlich lachend durch die noch verlassenen Straßen und herrenlose Tiere suchten die Wege nach Lebensmitteln ab. Mit einer Hand stützte Belal sich am Fensterrahmen ab, während er mit der anderen sein noch immer nasses, schwarzes und schulterlanges Haar zurückstrich.

Jeder Tag glich dem anderen: Aufstehen, waschen, anziehen, Menschen beobachten, rausgehen, stehlen bis zum Sonnenuntergang und dann wieder ins Bett gehen. Es gab keine Abwechslung in seinem Leben. Nie! Kein Kontakt mit Menschen. Keine Gespräche. Keine Abweichungen. Bis auf gestern. Bis auf die Begegnung mit dem Reisenden.

Doch den heutigen Tag würde Belal nicht mit stehlen verbringen – zumindest den Mittag nicht. Denn heute war die Auktion und er hatte einen Brief auszuhändigen.

Seufzend wandte er sich von dem tristen Anblick der Gassen ab und zog sich träge seine Gewände an, die durchaus eines Adligen würdig waren. Als er nach seinem Dolch greifen wollte, hielt er mitten in der Bewegung inne. Sein Dolch war nicht da. Er hatte seinen Dolch nicht.

Er lag – hoffentlich – immer noch in den Händen des Reisenden. Er hatte ihn vor lauter Eile vergessen. Stöhnend fasste er sich an die Stirn und schloss für einen kurzen Moment die Augen, ehe er sich ein anderes Messer nahm. Es nützte ja nichts.

Bis die Auktion beginnen würde, dauerte es noch einige Stunden und solange konnte Belal nach dem Fremden suchen. Immerhin musste sich ein Mann wiederholen, was ihm gehörte und zum Stehlen war später immer noch genug Zeit.

Nachdem er auch das Pergament von Yero an diesen ominösen Cadel Rune eingesteckt hatte, begab er sich in die stillen und kahlen Gassen. In Soleil kannte Belal sich genauestens aus – jeder Winkel, jede Straße, jedes Gebäude und jeder Geheimgang war wie eine Karte in seinem Kopf gespeichert. Er hatte nicht viel, was er lernen musste, aber dies war das aller Wichtigste. Würde er sich auch nur ansatzweise schlechter auskennen, hätte der goldene Orden ihn längst gefangen und ohne Prozess enthauptet.

Seit einigen Stunden wanderte er durch die Straßen und Gassen, doch seine Suche war erfolglos. Belal blieben nur noch wenige Minuten bis zur Auktion und er musste sich sputen, um noch rechtzeitig im Auktionshaus anzukommen.

Er hatte zwar nicht den leisesten Schimmer, wer Cadel Rune war oder wie er aussah. Aber Belal war zuversichtlich, dass er den Richtigen finden würde. Seine Erfahrung hatte ihn, wenngleich er nicht viel persönlich mit ihnen zu tun hatte, einiges über Menschen gelehrt. Er wusste, wie jemand aussah, der etwas erwartete.

Das Auktionshaus war bereits gut besucht und nur noch in letzten Rängen konnte man freie Plätze finden. Belals Blick huschte zu den Rängen in den oberen Etagen. Den König konnte niemand übersehen, denn sein Körper war massig und seine Stimme tief und laut. Man merkte, dass er es gewohnt war, Befehle zu geben.

Die restlichen Anwesenden waren eher verhalten, zeigten jedoch den Stand ihres Vermögens an ihren Körpern. Diamanten, Gold und andere teure Edelsteine glänzten im fahlen Licht der schwebenden Feuerkugeln über ihren Köpfen. Mit ihrem Aussehen wollten sie zeigen, was sie haben. Wollten beeindrucken und einschüchtern.

Five Elements - Blazing FireWo Geschichten leben. Entdecke jetzt