|| Anatol ||
„Du machst doch nicht etwa schon schlapp?", keuchte Anatol amüsiert, während er seine Hände auf seine Knie stützte. Der Schweiß rann sein Gesicht hinunter und sein rotes Shirt war bereits an einigen Stellen durchnässt. Sein rotes Haar klebte ihm strähnig und feucht im Gesicht. Die Wangen waren vor Anstrengung warm und gerötet. Adrenalin wurde immer noch durch seine Blutbahnen gepumpt und seine Muskeln zitterten durch den andauernden Kraftaufwand.
„Wovon träumst denn du bitte nachts?", entgegnete Aros spöttisch. Jedoch sah Anatol, wie seinem Bruder langsam aber sicher ebenfalls die Luft ausging. Erschöpft ließ er sich auf den harten Boden fallen. „Lass uns eine Pause machen, mir geht die Puste aus." Mit geschlossenen Augen ließ Anatol sich nach hinten fallen und streckte alle Viere von sich und holte keuchend Luft. Noch einen Kampf würde seinen Körper vollkommen zerstören und er hätte keine Kraft mehr sich nach Hause zu schleppen.
„Nahkampf ist doch dein Metier, mein lieber Bruder. Eigentlich sollte ich keuchend und stöhnend am Boden liegen.", lachte Aros und setzte sich neben Anatol auf den Boden. „Ich würde gerne lachen, aber ich brauche die Luft.", erwiderte er freudlos. Es stimmte, im Nahkampf war er der beste von allen, aber dafür hatte er Tag und Nacht trainiert. Ohne Fleiß eben kein Preis. Dieser blieb bedauerlicherweise aus, denn sein Vater hatte keinen Blick für ihn. Anatol war für ihn zu weichherzig. Aros wollte immer nur ein starker Teil der Familie sein, der beachtet und geschätzt wurde. Im Gegensatz zu dem Rothaarigen hatte der Jüngere es geschafft, in der Gunst des Königs zu steigen.
„Glaubst du der Palast ist bereits in hellem Aufruhr, weil sie uns nicht finden können?", fragte Anatols kleiner Bruder nachdenklich, während er die vorbei ziehenden Wolken am Himmel beobachtete. „Ist doch egal, die gehen mir ziemlich aufs Drachenleder mit ihren Vorbereitungen und der Herumkommandiererei.", erwiderte Anatol genervt. Betrübt seufzte Aros und brummte zustimmend.
„Manchmal wünschte ich, niemals im Palast geboren worden zu sein.", gab er zu und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Eines Tages werde ich gehen und die Welt erkunden. Ich werde mein eigenes Leben führen, ohne Vorschriften und Regeln und ohne Verpflichtungen oder Aufgaben. Dann gibt es niemanden, der versucht meine Zukunft zu bestimmen. Dann gibt's es nur noch mich. Nur noch ich – ganz und gar nur ich. Allein meine Probleme und Bedürfnisse existieren. Ganz allein mein Leben.", redete Anatol vor sich her und träumte von einer unbestimmten Zukunft.
„Ja genau, dann musst du nur noch für eine Person essen und nicht immer für fünf.", fügte Aros spöttisch hinzu, wurde jedoch ernster. „Und was wird dann mit dem Palast, mit mir oder dem König?", und dabei klang er nicht besonders begeistert von Anatols Plänen. „Der Palast kann mir gestohlen bleiben. Ich bin doch eh nur ein Schandfleck, der nicht weggewischt werden kann und über den man möglichst immer einen Teppich, oder sonst ein Möbelstück stellt, damit er ja nicht auffällt."
Verärgert sprang Aros auf und schaute wütend auf seinen Bruder hinab. „Wieso redest du so? Was ist mit mir? Hast du auch nur eine Sekunde an mich gedacht?", brüllte er Anatol an. So aufgebracht hatte er seinen kleinen Bruder noch nie erlebt. Anatol konnte das leichte Schimmern von Tränen in den türkisenen Augen des Jüngeren erkennen. Sein Bruder war eher der ruhige und beherrschte Typ. Konnte in jeder Situation einen klaren Kopf bewahren und war mit Gefühlen reservierter. Deshalb konnte oder wollte er diesen Ausbruch absolut nicht nachvollziehen.
„Du hast hier wenigstens eine Zukunft, Aros. Du warst schon immer der Liebling von uns beiden. Der König hat immer deinen Rat gewollt, aber nie nach meiner Meinung gefragt", schrie Anatol zornig und verständnislos zurück. „Wie kannst du immer nur an dich denken? Was muss ich dafür tun, dass du mich als ebenbürtig ansiehst? Wir sind Brüder oder etwa nicht? Und Brüder verlässt man nicht!!" Zornesröte stand in Aros Gesicht geschrieben, seine Hände waren zu Fäusten geballt und sein Kiefer war hart aufeinander gepresst. Stumm und reglos stand Anatol dem Schwarzhaarigen gegenüber. Er musste zugeben, dass die Anschuldigungen seines Bruders nicht ganz spurlos an ihm vorbei gegangen waren. Es versetzte ihm einen Stich, wenn er daran dachte, Aros zurückzulassen, aber er musste es tun. Der Jüngere wäre nur eine Last auf seiner Reise in neue Gefilde.
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Five Elements - Blazing Fire
FantasySelin lebt in einer Welt voller Magie, welche sie selbst erst ab dem 18. Lebensjahr anwenden kann. Was Selin jedoch nicht weiß, ist, dass ihre Zukunft bereits von den Göttern der Elemente geschrieben wurde. Alles, was sie sich für ihre Zukunft ausge...
