Raphael's Phobie

553 47 8
                                        

"Magnus" Angesprochener spielte betont gleichgültig mit seiner Kuchengabel, dem wunderbaren Schokokuchen nachtrauernd "Etta Liebling?"

"Du willst mich auf den Arm nehmen"

"Da du vor 5 Minuten noch angedeutet hast dass deine Füße mehr grün und blau sind als irgendetwas anderes und ich dir den Rückweg zu deinem Apartment gern ersparen würde in der Tat" Etta lachte kurz und schlug Magnus spielerisch auf den Arm "Doch nicht so du Idiot" sie beugte sich über den Tisch, wobei ihre Teetasse gefährlich zu wackeln begann und Magnus sie mit Hilfe einer schnellen Bewegung seines Fingers in Sicherheit brachte "Ich meinte den Vampir. Du hast doch nicht wirklich einen in deinem Küchenschrank, oder?"

"Okay okay, er lebt nicht im Küchenschrank" Magnus seufzte. Er hätte den spanischen Miesepeter zwar wirklich lieber hinter einer minimalistischen, abschließbaren Tür (verstärkt mit Magie natürlich), aber er würde sich mit ihm in seinem Gästezimmer zufrieden geben müssen "Ich kann allerdings nicht garantieren, dass er es sich nicht im Bad einquartiert hat. Er hat meine Morgenroutine heute etwas durcheinander gebracht"

Etta verzog das Gesicht "Muss ein Vampir denn noch.. Du weißt schon" Magnus zog die Stirn in Falten "Er war nur duschen. Für gottverdammte 20 Minuten. Ob Vampire aufs Klo müssen, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wäre er nicht so verklemmt, ich würde ihn fragen" Etta seufzte leise, die schlanken Finger um ihre Tasse legend "Ich verstehe diese ganze Schattenwelt einfach nicht"

"Es reicht mir schon, wenn du nicht mit einem Silberklotzen um den Hals und Knoblauch schwenkend durch die Straßen rennst und nach Vergeltung schreist" Magnus verzog das Gesicht "1540 war ein dunkles Jahr"

Ungefähr so dunkel und aufregend wie der Tag, an dem Magnus gezwungen war Etta von der geheimen Welt in ihrer eigenen zu erzählen, um ihre geistliche Gesundheit zu bewahren. Fazit jenes Tages: Niemals seinen Freund überraschen wollen, außer man will ihn mit einem potthässlichen, gehörnten Ungeheuer in einem rot glühenden Feuerkreis diskutieren sehen und im Fluchtvorgang einem launischen Werwolf in die Arme rennen.

Etta hatte die Neuigkeiten über die Existenz von Dämonen,Engeln und Co relativ gefasst aufgenommen (nach einem Heimweg in kompletter Hysterie). Sie hatte schon in frühen Jahren eine Faszination für Werwölfe und Vampire entwickelt, das gesamte Feenvolk fand sie recht akzeptabel, auch wenn sie seither eine leichte Unbehagheit in der Nähe vom Bäumen zeigte und Magnus Ausschweifungen über den Hochmut der Schattenjäger hatte sie stehts interessiert gelauscht.

Das einzige was ihr Bauchschmerzen zu bereiten schien war ihr 427 Jahre alter Liebhaber (er hatte bei seinem Alter etwas untertrieben, um sie nicht zu überfordern). In ihrem Kopf hatte sich das Bild einer schrumpeligen alten Frau mit schwarzer Katze auf dem Buckel auf einem Hexenbesen festgesetzt, obwohl sie Catarina kannte und sie auch zu mögen schien.

Sie begegnete der Schattenwelt mit Vorsicht, nicht wie von Magnus befürchtet mit Abneigung, doch es schien sie zu verunsichern, dass magische Wesen unter den Menschen lebten (gerade erst hatte sie ihn gefragt, ob der Kellner mit der langen Nase vielleicht eine Fee war. Er war definitiv ein Werwolf, aber Magnus verbiss sich das Kommentar um seinen Schokokuchen in Ruhe genießen zu können)

"Aber er wird mich nicht anfallen, wenn ich deine Wohnung betrete?" hakte Etta nach "Oh da Gnade ihm Gott" Magnus stieß seine Kuchengabel in die Höhe, wobei er dem Werwolfkellner fast ein Auge ausstoch "Pardon. Nein, wie ich ihn einschätze hat er sich unter Kontrolle, aber du solltest vielleicht nicht unangemeldet vor der Tür stehen, bis er wieder weg ist"

"Oh glaub mir, das mache ich nie wieder" Etta lächelte etwas gequält "Ich habe keine Lust, bei dir hereinzuplatzen wenn du Gott weiß was tust. Einmal reicht im Leben"

Auf dem Nachhauseweg, nachdem er Etta zu ihrem Arbeitsplatz gebracht hatte erwischte Magnus sich selbst beim Hardcore-Trödeln (er war kurz davor in den Second Hand Laden gehen. Ein Grund zur Sorge). Man könnte jetzt natürlich den mehr oder weniger platonischen Haufen an Arbeit als Grund für sein verrücktes Verhalten nennen (der SECOND HAND LADEN um Himmels Willen).

Fakt aber war, dass er keine Lust hatte sich mit dem miesepetrigem Rüpel und seinen endlos gehenden spanischen Schimpfworttiraden herumzuschlagen  (er hatte schon eine beträchtliche Zahl an spanischen Schimpfworten gelernt und der Speicher seines neuen Mitbewohners schien unermesslich, aber mit der Zeit wurde es eben anstrengend).

Aber irgendwann kam er halt doch an seiner Wohnungstür an, stieß die Haustür schwungvoll auf und erlitt beinahe einen Herzinfarkt "WAS in Luzifer's Namen ist denn hier passiert?!" Raphael stand, Magnus' Schreibtischlampe in der Hand mitten im komplett zerstörtem Wohnzimmer. Die Bilder waren von der Wand gefallen, Bücher lagen zerfleddert auf dem Boden, das Sofa hatte Zustand von reparierbar weit überschritten und selbst die Tapete hatte gelitten.

Mit wenigen Schritten durchmaß Magnus den Raum, riss dem Vampir die Lampe aus der Hand und funkelte sauer auf ihn herunter "Mir war nicht klar, dass du den Wunsch verspürst den Zustand des doppelten Totseins zu erforschen Santiago. Ich kann dir sagen, du machst unglaublich große Fortschritte"

Raphael blieb von den kochenden Hexenmeister keinen Meter von ihm entfernt vollkommen unbeeindruckt "Und mir, Bane war nicht klar, dass du vorhast eine neue Spezies von gigantischen Staubmäusen unter deinem Bett zu züchten, die du augenscheinlich mit Riesenspinnen fütterst. Das Vieh dass ich gerade durch deine Wohnung jage ist enorm"

"... Du hast Angst vor Spinnen?" Raphael sah ihn kalt an "Sie bereiten mir ein gewissen Unbehagen" Magnus grinste schadenfroh "Du hast Angst vor Spinnen!" Raphaels Kinnpartie spannte sich unmerklich "Nenn es wie du willst. Aber sollte ich so ein Vieh hier noch einmal sehen, nehme ich dein geschmackloses Apartment auseinander"

Damit stolzierte er in Richtung Gästezimmer, leise vor sich hinmurmelnd "Etwas Gutes hat es ja, jetzt musst du endlich umgestalten" Magnus grinste breit. Oh, er würde umgestalten. Darauf konnte er sich verlassen.

Die Chroniken des Magnus Bane 2Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt