Wie Raphaels Ehre in 30 Sekunden zunichte gemacht wurde

520 51 8
                                        

"Dein Apartement stinkt" Magnus, die Nase tief in seine Arbeit gesteckt schloss kurz die Augen, bevor er sich zu seinem herzallerliebsten Mitbewohner umdrehte "Wäre ich kein zivilisierter Erdenbewohner, würde ich antworten du auch, aber da ich eine bessere Erziehung genossen habe als du werde ich es mal anders fomulieren: Könnte das an deiner recht amüsanten, panischen Angst vor meiner Badewanne liegen?"

Raphael, ganz der Charmeur der er war gab ein Geräusch von sich, dessen Magnus sich nicht bewusst gewesen war dass andere Lebewesen als wirklich, wirklich wütende Seekühe es von sich geben konnten. Anscheinend war die Trichechus manatus eng mit vampirus nervigus verwandt "Nein, es ist definitiv dein Apartement. Ich glaube ja, dass etwas  deine Einrichtung gesehen hat und elendig hinter deinen Wänden verreckt ist. Ich kann es ihm nicht verübeln"

Seufzend schloss Magnus sein Zauberbuch, in dem er nach der Zauberformel für verlorengegangene Sachen gefandet hatte (eigentlich für einen Kunden, aber damit später Raphaels Bescheidenheit zu suchen war möglicherweise einen Versuch wert) und scheuchte den Vampir mit dem festgefrorenen mürrischen Gesicht aus seinem Arbeitszimmer. Wenn er diese Sache schon in die Hand nehmen musste, dann so schnell wie möglich "Wo denn?"

Raphael führte ihn wortlos in den Flur, wo selbst Magnus zugeben musste, dass der Gestank der dort herrschte alles andere als wohlriechend war. Obwohl er in einem Punkt anderer Meinung war: Es roch nicht nach totem Tier, sondern nach einem ihm sehr bekannten, sehr lebendigen Tier. Nur fiel ihm der Name nicht mehr ein "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich" begann Magnus "Welche welche ist entscheide ich später, aber welche willst du zuerst hören?"

"Die gute"

"Nun gut, was wir da riechen ist definitiv nicht tot" Ein schrilles Quitschen hinter der Wand ließ beide erschrocken zusammenzucken, Raphael sprang im Stand auf die halbhohe Kommode hinter ihm, während Magnus im Schirmständer Schutz suchte "Und die schlechte?" presste Raphael durch zusammengebissene Zähne hindurch  "Das Ding hinter der Wand ist lebendig, magisch  und egal ob weiblich, männlich oder beides, mir nicht wohlgesinnt" Das Schaben von der gegenüberliegenden Wand unterstrich die Ernsthaftigeit der Situation.

"Du bist der einzige, g-" Raphael biss die Zähne zusammen, die Augen wütend aufleuchtend als er das Wort Gott hinunterwürgte "..verfluchte Hexenmeister von dem ich nicht einmal überrascht bin, dass er eine ganze Spezies gegen sich aufgebracht hat" Magnus, ängstlich seine Wand beäugend hatte nur einen kurzen Blick für den Vampir auf seiner 200 Jahre alten Kommode aus England ürig "Die Spezies, wie du sie nennst besteht aus weniger als ein Dutzend Tieren. Und sie sind wirklich nachtragend, frag mal deinen Busenfreund Ragnor. Er hat die kleinen Biester nämlich auch als Feinde gewonnen"

"Seit exakt demselben Tag wie du, nehme ich an?" Magnus warf die Hände in die Luft "Es war ein Versehen! Konnte doch nicht wissen, dass eines der blöden Viecher hinter dem Busch kauert und kein Dämon. Ich war recht schreckhaft, die Nacht"

"Wohl eher betrunken" murmelte Raphael, wurde aber schnell still als das Kratzen und Schaben immer lauter wurde "Magnus, was auch immer es ist, es frisst sich durch deine Tapete"

"Nein, nicht meine gute Tapete!"

"Dann tu endlich was!"

"Schau ich aus wie ein gottverdammter Parasitenbezwinger? Ich ruiniere mir ja noch meine Nägel!" Raphael murmelte spanische Schimpfwörter in seinen nicht vorhandenen Bart, und Magnus kam nicht drumherum ihn wieder einmal für seinen Einfallsreichtum zu bewundern "Also bleiben wir genau hier, bis es durchbricht?" Magnus seufzte "So der Plan"

"Und dann? Hast du vor es mit deinem lächerlichen Regenschirm zu erschlagen?" Stirnrunzelnd sah Magnus auf seinen gelb glitzernden Schirm mit aufgeklebten Edelsteinen hinunter "Der ist nicht lächerlich, das war eine Sonderanfertigung. Und hast du einen besseren Plan Santiago?" Angesprochener kam gar nicht dazu, seinen Masterplan vor Magnus auszubreiten, denn in genau dem Moment brach das Tier durch die Wand.  

Putz regnete durch die Luft, verschandelte Magus guten Teppich zur Unkenntlichkeit und aus dem Staub kristallisierten sich dunkelbraune, riesige Augen heraus. Magnus sah sein Ende kommen.. "Bane? Das ist ein gottverdammter Hase. Du machst dir in die Hosen wegen einem kleinen, wuscheligem Etwas mit Puschelschwanz?"

"Bleib. Einfach wo du bist. Das Ding ist.. UND schon ist er unten" Magnus drückte sich noch näher an die Wand, als Raphael vor dem Tschutschinger (DAS war der Name!) in die Knie ging und es auf den Arm nahm  "Da du es jetzt eingefangen hast, sei so gut und schmeiß es aus der Tür, bevor es mich umbringen kann"

Raphael lachte "Du bist echt nicht mehr zu retten. Das Ding ist ziemlich niedlich" Das niedliche Ding sah zu ihm hoch, zuckte mit der Nase und biss ihm als Dank kräftig in den Finger. Raphael kreischte laut auf (Magnus hätte beinahe gelacht), ließ den Tschutschinger fallen und raste in Magnus Wohnung, das Fellknäuel ihm hinterher "Die Tür ist in der anderen Richtung!"

"TU DAS DING WEG! BANE, TU DAS DING WEG!" Seufzend überwand Magnus seinen inneren Schweinehund, stolperte aus dem Schirmständer  und rannte  Raphael hinterher, nur um Zeuge zu werden wie der Hase dem Vampir in den Arsch biss. Raphaels Versuche das Untier von sich zu schütteln trugen keine Früchte, und so schritt Magnus letzendlich ein.

Er packte das Vieh, zog es von Raphaels Hose weg und warf es kurzerhand aus dem Fenster.

Die Stille, die daraufhin in der Wohnung herrschte konnte man förmlich als drei Punkte in einer Sprachblase sehen, bevor Magnus breit grinsend den Mund öffnete "Wag es ja nicht Bane" Magnus grinste nur noch breiter, Raphael warf ihm einen Blick zu, der jemand anderen hätte in Ohnmacht fallen lassen "Erzähl das jemandem, und ich schwöre beim Grabe meiner abuela ich werde dich finden"

Damit streckte er die Nase in die Höhe, drehte sich um und verließ den Raum, während Magnus hinter ihm hysterisch zu lachen anfing. Nicht nur weil Raphaels Ehre für ihn die nächsten 300 Jahre nicht existieren würde, sondern auch weil das Biest ein gutes Stück von Raphaels Hose mitgenommen hatte. Obwohl das, nach längerer Überlegung eher ein Grund für einen Besuch beim Therapeuten sprach.

Die Chroniken des Magnus Bane 2Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt