Das unsere Welt düster und korrupt ist, hat ja jeder schon mitgekriegt, und jeder versucht, sich irgendwie durchzumogeln. So auch die Heldin der Story, die nach missglücktem Mordversuch an einem Stalker zu jahrelanger Haft verurteilt worden ist. Jed...
Nach gefühlten Stunden schaffe ich es tatsächlich, Colman zu Fall zu bringen und er knallt heftig mit dem Schädel auf einen merkwürdigen Stuhl...so eine Art Gynäkologen- Ding. Ach, danke, lieber Gott, für diesen wunderbaren Zufall, denn nun ist Mr. not-much-of-a-Master- anymore erst einmal benommen! Ich sehe, dass Colman ein Knebel aus der Hand gefallen ist, damit wollte er mir wohl das Maul stopfen. Und ich finde noch mehr Handschellen. Schnell fessele ich seine Hände an den Fuß des Stuhles und knebele seinen schönen Mund. Setze mich auf ihn. Langsam öffnet er die Augen und starrt mich ungläubig an. Ich lege den Gurt doppellagig um seinen Hals und bilde damit eine Schlaufe, die meine Kraft verstärken soll. Dann ziehe ich zu. Und oh, dieser Typ kämpft und buckelt, ich kriege Panik, weil der Stuhl so laut klappert. Doch langsam wird Colman schwächer. Es ist widerlich, ich kann es kaum aushalten. Spüre, wie mir ein Kloß den Hals zuschnürt, ich könnte heulen, doch ich muss es so zu ende bringen, stecke zu tief drin. Das nächste Mal sollen sie mir verdammt nochmal meine geliebte 45er geben! Sonst können sie den Scheiß alleine machen! Endlich erschlafft Colman's Körper unter mir und ich nehme den Knebel aus seinem Mund. Ja, er atmet nicht mehr. Die Zunge ist dick und sein Gesicht blau. Kein Puls. Ich springe auf. Jetzt muss ich nur noch den Weg hinaus schaffen!
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Mit halb zerfetztem Kleid und schief aufgesetzter Perücke renne ich den Gang entlang. Natürlich steht ein Security- Typ am Hinterausgang und ich verstecke mich schnell in einer Nische. Ich sehe ein Schild für Toiletten und folge ihm. Doch anstatt zu endlich zu pinkeln, klettere ich aus dem schmalen Fenster, passe gerade so durch. Ich lande auf einer Mülltonne. Naja, besser als in ihr, oder? Uh, hier stinkt es schlimmer als in dem Haus, in das ich jetzt muss, um meine Sachen zu holen. Und ich habe immer noch den leicht salzigen Geschmack von Colman's Vorfreude im Mund! Mir wird schlecht und ich muss anhalten, um mich zu erbrechen. Zum Glück sind die Straßen wie leergefegt, wieder ein Zufall zu meinen Gunsten. Schließlich erreiche ich das Haus, renne die Treppen hoch und reiße mir unterwegs schon das Korsett runter. Schließe mit zittrigen Händen die Tür auf und flitze zur Toilette, wo ich erst pinkele und dann noch einmal kotzen muss. Das, was ich eben getan habe, war so...alles, was ich getan habe, war die Hölle! Leute, ich wäre bereit für die Rente! Okay, das hatte ich nach meinem ersten Job auch gesagt. Danach durfte ich drei Monate in Thailand chillen und ich war rehabilitiert.
Ich ziehe mich um und laufe ins Hotel. Dusche fast eine geschlagene Stunde und checke dann aus. Mit der Kohle, die ich bekommen habe, kann ich mir jeden Flieger leisten, außer nach Deutschland darf ich überall hin. Das Telefon entsorge ich am Flughafen und buche einen Flug in die Türkei, denn er startet nahezu sofort. Wohin ich danach fliege... keine Ahnung.
Im Flugzeug komme ich etwas zur Ruhe und freue mich sogar ein bisschen, dass ich erfolgreich war. Frage mich, was wohl jetzt mit den anderen Mädchen passiert. Aber sie haben ja sicher noch weitere gute Zureiter, denke ich. Brr. Ekelhaft, das Ganze! In Istanbul kaufe ich ein Handy und rufe meine Kontaktperson an. Es ist immer die gleiche Nummer, ich kann sie auswendig. Sage, wo ich bin. Ja, ich dürfe erst einmal Urlaub machen, entgegnet die Stimme. Soll Bescheid sagen, wohin es gehen würde. Klar, antworte ich und lege auf. Dann hebe ich ein bisschen Bargeld ab und buche einen Flug nach Madurai, Indien, von da aus will ich auf die Malediven. Der Flug geht jedoch erst in knapp zweieinhalb Stunden, also shoppe ich ein wenig. Ich brauche schließlich einen Badeanzug und ein paar luftige Kleider! Und ich finde eine coole Sonnenbrille. Als ich mein Gesicht im Spiegel betrachte, zucke ich zusammen. Bist du das wirklich? Nein, ich bin es schon lange nicht mehr!
„Hey, Pirate Jenny!" murmele ich.
„Steht ihnen gut!" sagt eine Frau hinter mir und schon wieder erschrecke ich.
„Danke." lächle ich und sie gähnt.
„Uh, ist es nicht der Horror, sich hier die Nacht um die Ohren schlagen zu müssen? Hängen sie auch fest?"
„Sowas in der Art." antworte ich knapp.
Ich bin zu müde, um Geschichten zu erfinden. Ich sehe, dass der Friseur noch auf hat, oder schon, und ich verabschiede mich. Die Frau guckt etwas enttäuscht. Ja, ich würde mich auch gerne mal wieder ungezwungen unterhalten, aber es geht nicht. Die Friseurin versucht es auch mit Konversation, ich sage ihr freundlich, dass ich müde wäre und sie bitte einfach nur meine Haarfarbe ändern solle. Und ich liebe dieses Schwarz so! Nach zwei Stunden bin ich dunkelblond mit rötlichem Touch und trage einen Bob. Und der Flieger ist da. Als ich drinnen sitze, schlafe ich endlich, nach diesem super- anstrengenden Tag und einer durchgemachten Nacht, ein.
Doch der Teufel läßt mich nicht zur Ruhe kommen, er verfolgt mich. Sogar im Traum. Colman's Blick, als er kapiert hat, dass ich es ernst meine. Was er wohl gedacht hat? Im letzten Augenblick seines Lebens...ich hoffe, er hat es bereut. Ob nun ich, oder jemand anderes, in diesen Kreisen muss man immer damit rechnen, irgendwann aus dem Weg geräumt zu werden. Er hatte quasi schon sein Todesurteil unterschrieben, als er mit Sarkow Kontakt aufgenommen hatte. Ich stöhne, drehe mich um und krame meinen mp3- Player heraus. Depeche Mode muss her. „But not tonight"- es wirkt. Und als ich nach Stunden aufwache, läuft immer noch Depeche. Nun ja, ich habe gut zwei Millionen Remixe auf meinem Player! Und Dave hat die bösen Träume brav vertrieben! Ich recke mich ein wenig. Um mich herum starren sie alle auf ihre kleinen Bildschirme. Ich schalte meinen ein. Es läuft anscheinend ein Action- Film, irgendeine Metropole wird gerade platt gemacht. Ich habe sowieso die Hälfte nicht mit bekommen, will gerade wieder ausschalten, als er mich anschaut. In Großaufnahme, seine wunderschönen Augen traurig auf die Kamera gerichtet.
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Ich kann meinen Blick nicht lösen, selbst, als die nächste Szene den verzweifelten Schurken von der Bildfläche verscheucht, verharre ich im Schock. Was ist das bitte für ein super- schräger Zufall? Und was soll es mir sagen?
Sieh hin, was du getan hast. Glaubst du, du kommst so einfach davon? Nein, es wird dich verfolgen, solange du lebst. Dich jede Nacht quälen, wenn du die Augen schließt.
Naja, vielleicht könnte das Flugzeug ja mal abstürzen. Jetzt.