Das unsere Welt düster und korrupt ist, hat ja jeder schon mitgekriegt, und jeder versucht, sich irgendwie durchzumogeln. So auch die Heldin der Story, die nach missglücktem Mordversuch an einem Stalker zu jahrelanger Haft verurteilt worden ist. Jed...
Natürlich ist das Flugzeug nicht abgestürzt und ich komme nach vierzehn Stunden mit dem schlimmsten Jetlag seit der Steinzeit in Indien an. Ich weiß nicht mal mehr, welches Jahr wir haben. Eintausend vor Christi? Die Hitze trifft mich full frontal und ich muss auch noch auf den Bus warten, der mich dann zum Mini- Flughafen bringt. Von da aus geht es per Insel- Hopper zu den Malediven. Mein Magen knurrt, doch wenn ich was esse, kommt es eh gleich wieder raus, habe es unterwegs schon öfter probiert. Vielen Dank, Mr. Colman! Drei Monate Urlaub werden dieses Mal nicht reichen, denke ich. Wenn sie versuchen sollten, mich vor einem halben Jahr hier weg zu holen, werde ich mich krank melden. Ha, ha. Ein kranker Berufskiller! Nun, eine ernste Psychose wird mir jeder abnehmen, oder? Denn selbst Inder, sie sehr dunkel sind, sehen aus wie der hübsche Engländer und haben plötzlich leuchtend blaue Augen, die mich wissend anstarren.
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Wahrscheinlich hat sich Jeremy Colman's Seele in mir festgesetzt, als ich auf ihm saß und sein Leben genommen habe. Sein Leben genommen. Was ja auch die größte Todsünde aller Religionen ist, da hilft auch kein Yoga mehr, oder? Nun komm, Piratenbraut, du hast das jetzt schon fünf Mal gemacht, jetzt tick nicht aus, wegen einer dusseligen Leiche mehr! Nur, weil du dieses Mal dabei warst, als er gestorben ist. Ich meine, sehr dicht dabei...zu dicht.
„Miss? Bus ist da..." unterbricht ein etwa zehnjähriger, schmutziger Straßenjunge meine Gedanken und ich gebe ihm meine Tasche.
Er schleppt sie brav zum Bus und ich lege ihm einen großen Schein in seine kleine Hand. Hätte ich diesen speziellen Job nicht, könnte ich jetzt nicht dieses wunderbare Lächeln auf die Lippen des Kindes zaubern, der mit dem Geld wohl sehr lange auskommen wird und sich endlich mal richtiges Essen kaufen kann. Bekomme ich jetzt vielleicht einen Karma- Punkt für Gutsein? Ich sehe förmlich, wie Buddha missbilligend den Kopf schüttelt. Vergiss es, Puppe, Mord ist Mord!
Ich seufze und steige in den alten, klapperigen Bus. Als ich nach vielen weiteren Stunden endlich bei der Inselgruppe ankomme, falle ich todmüde in das Bett der gemütlichen Luxushütte. Es ist das beste Bett, das ich jemals hatte! Und es bewahrt mich tatsächlich vor bösen Träumen...
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Am nächsten Tag stehe ich erst Mittags auf und versuche, etwas zu essen. Nein, es kommt sofort wieder hoch und die anderen Gäste schauen mich irritiert an, als ich aufspringe und auf der Toilette verschwinde. Himmel. Ist das das Ende? Was hat Colman mit mir gemacht, Gift gesät? Ich gehe wieder zurück zum Tisch und trinke wenigstens das Mineralwasser aus. Dann spaziere ich zum Strand und rufe meinen Kontakt an, sage, wo ich bin und dass ich wirklich Erholung bräuchte. Diesmal ist ein Typ dran, er sagt, ich solle die Tageszeitung lesen. Ich hole sie mir am Kiosk, die Times, und sehe gleich auf der ersten Seite, dass Jeremy Colman tot ist. Den guten Mann hätte es auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung in einem rumänischem Waisenhaus erwischt, anscheinend hätte er sich irgendeinen Virus eingefangen und sei daran gestorben. Na, klar! Ihr Arschlöcher, nun ist er auch noch als Held abgekratzt!
Durch das andauernde Hungern bin ich schon wieder müde. Ich lege mich ins Bett und schlafe noch mal fünf Stunden, wache um kurz vor Mitternacht auf und bin hellwach. Echt blöd! Der nächste Tag verläuft ähnlich. Ich halte mich mit den Touristenaktionen zurück, da ich erst einmal zur Ruhe kommen will. Aber irgendwann werde ich sicher mal tauchen gehen, denn hier ist es wirklich traumhaft. Ich habe ja alle Zeit der Welt, oder? Als ich in der nächsten Nacht wieder gegen ein Uhr wach werde, fühle ich mich plötzlich merkwürdig. Ja, irgendwas stimmt nicht. Ich stehe auf und mache mir ein Glas Wasser, plötzlich stutze ich. Ich hatte die Times weg geworfen, nach dem ich sie gelesen hatte, da bin ich mir ganz sicher! Doch nun liegt sie auf meinem Nachttisch und Jeremy Colman lächelt mich vom Titelblatt an.
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Ich nehme die Zeitung, zerreisse sie und werfe sie in den Müll. In der nächsten Nacht, das gleiche Spiel. Ich wache auf und neben mir liegt genau diese Zeitung, die gleiche Ausgabe! Ich fliege zum Festland und lasse mir Schlaftabletten verordnen, nur mit dem Ergebnis, dass ich nun morgens mit der Zeitung aufwache. Die natürlich immer wieder vom Zimmermädchen entsorgt wurden! Ich lauere ihr auf und frage sie, ob sie etwas darüber wüsste, doch sie versteht irgendwie nicht, was ich von ihr will.
Dann tue ich das einzig Hilfreiche- ich bleibe wach und verstecke mich unter meinem Bett. Habe zwei Flaschen Cola und einen Cappucino getrunken, das müsste reichen, um mir die Nacht um die Ohren zu schlagen und hinter das Rätsel der Zeitung zu kommen. Entweder hat der Zeitungsausträger wirklich komische Zeiten, oder ich schlafwandele. Oder werde ich verfolgt? Nein, wahrscheinlich bin ich tatsächlich verrückt geworden, wie ich schon länger vermutet habe. Gegen zehn schlummere ich ein wenig ein, doch der Boden ist hart und so wache ich sofort auf, als die Tür aufgeschlossen wird. Mein Herz bleibt stehen. Was, wenn sie mich töten wollen? Sarkow will sich an mir rächen, oh Gott, darauf war ich nicht vorbereitet! Ich sehe große Füße in Sandalen an mir vorbei schleichen. Hellhäutig, das kann ich gut erkennen. Es raschelt. Plötzlich setzt sich der Eindringling auf das Bett. Die Füsse sind genau vor mir, ich wage kaum, zu atmen.
„Ich habe mir unser Wiedersehen zwar anders vorgestellt, aber du lässt mir gerade keine Wahl. Wo steckst du?" fragt der tote Mann in meinem Zimmer.