Die Muttergefühle

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Jetzt bin ich aber hellwach. Ich kann sie ja verstehen, dass sie Hope nicht verlieren will aber sie ist nun mal meine Tochter. Ich war damals viel zu jung. Jetzt bin ich bereit dazu. Ich will meine Mutterpflichten endlich wahr nehmen. Hope ist meine Tochter.

Ich ging erst einmal duschen. Ich konnte jetzt eh nicht mehr schlafen, nachdem mich Frau Ehrlich um 8 Uhr wecken musste. Danach zog ich mich an und machte mir einen Kaffee. Was soll ich heute nur machen? Ich habe ja Nick nicht mehr. Immer an meinen freien Tagen hatte er auch frei und wir haben immer was unternommen. Plötzlich kam mir die Idee, Hope besuchen zu gehen. Sie muss bestimmt noch zur Beobachtung im Krankenhaus sein.

Also machte ich mich nach meinen Kaffee auf den Weg ins Krankenhaus und hoffte, dass ich Frau und Herr Ehrlich nicht über den Weg laufe. Da ich kein Auto habe fuhr ich wie immer mit dem Bus. Am Krankenhaus angekommen, ging ich zur Rezeption.

"Guten Tag, ich wollte mal schauen wie es Hope Ehrlich geht. Sie ist meine leibliche Tochter", sagte ich freundlich zu der Frau an der Rezeption.

"Guten Tag, es tut mir Leid aber ich darf Sie nicht zu ihr lassen", sagte sie.

"Das können sie nicht. Ich bin ihre Mutter. Ich will sie doch nichtt entführen. Ich will sie doch nur sehen",sagte ich gereizt. Das kann doch nicht wahr sein. Sie lassen mich noch nicht mal zu meiner Tochter.

"Es tut mir Leid. Ich kann da leider nichts machen", sagte sie. Ich lass mcih doch nicht einfach so wegschicken. Ich bin hier hin gekommen um meine Tochter zu sehen. Vielleicht liegt sie ja noch da, wo ich sie zum ersten Mal seit 2 Jahren wieder gesehen habe. Also ging ich wieder dort hin und sah sie wieder hinter dieser Fensterscheibe. Sie schlief seelenruhig. Sie hatte immer noch dieses dunkle gelockte Haar. Immernoch sah sie so aus wie ihr Vater. Ist komisch, dass sie mir gar nicht ähnlich sieht.

Sollte ich es wagen und rein gehen? Ich will sie endlich wieder berühren. Ich will ihre zarte Haut anfassen und ihr in ihre schönen blauen Augen schauen. Ich ging zur Tür und umfaste die Klinke. Ich war mir unsicher, jetzt rein zu gehen. Sie schlief vielleicht würde ich sie ja wecken. Das wollte ich auf keinen Fall. Aber wenn ich ganz leise die Tür öffne. Haben Kinder nicht einen tiefen Schlaf? Ich denke das habe ich mal gelesen. Sie würde es bestimmt nicht mal merken, dass ich im Raum bin.

Langsam, ganz langsam, wie in Zeitlupe öffnete ich die Tür zu meiner Tochter. Als ich sie nach gefühlten Stunden geöffnet hatte, ging ich genauso langsam in den Raum. Ich lief sogar schon auf den Zehenspitzen. Ich lief langsam auf Zehenspitzen zu den kleinen winzigen Bett und spähte hinein.

Da war sie. Meine Tochter. Mein Fleisch und Blut. Sie sah aus als wäre sie tot. Aber ich sah, dass sie gleichmäßig atmete und war beruhigt. Ich musste Lächeln, sie war so wunderschön. Wie konnte ich sie einfach zu adoptionsfrei geben? Dieses kleine Wesen. Ich war damals einfach dumm, naiv und einfach mit der Situation überfordert auf einmal Mutter zu sein.

Ich war kein Teenager mehr und konnte machen was ich wollte. Da gab es keine Partys mehr, kein Alkohol, keine Freunde, ich dufte nicht einmal shoppen gehen für mich. Ich musste mein Taschengeld für Kleidung meiner Tochter ausgeben. Es ist klar, dass eine 16 jährige es nicht lange aushält und dann dieses Geschrei. Jeden Abend, jede 2 Stunden weckte sie mich. Immer wollte sie die Flasche oder ihre Windel war voll. Ich konnte keine Nacht durchschlafen auch wenn meine Mutter manchmal aufgestanden ist. Sie hat mich immer geweckt und danach fiel es mir schwer wieder einzuschlafen. Ich wollte das einfach alles nicht mehr und traf diese Entscheidung, die ich seit der ersten Nacht als sie weg war bereute. Zwar konnte ich wieder durchschlafen aber etwas fehlte. Sie fehlte. Ich habe mir immer eingeredet, dass ich einen Vertrag unterschrieben habe und ich nicht mehr machen kann. Aber wir reden hier über ein Mensch, zwar ein sehr kleiner. Man kann doch nicht ein Vertrag abschließen über das Leben eines Menschen. Hope konnte nicht einmal selbst entscheiden was sie wollte. Ich habe für sie die Entscheidung getroffen, weil ich nur an mich gedacht habe und nicht an sie. Ich habe nicht gedacht, wie es ihr in der anderen Familie geht. In einer fremden Familie, die sie nicht kennt. Sie war neun Monate lang in meinen Bauch. Sie hat in mir gelebt. Ich habe ihr das Leben geschenkt und habe sie einfach wie ein Stofftier weggeben. Meine eigene Tochter, nur weil ich überfordert war. Hätte ich mal nicht einfach so aufgegeben. Ich hätte es doch geschafft mit ihr. Aber ich habe einfach nicht an mir geglaubt. Ich habe nur gedacht, dass mein Leben jetzt vorbei ist, dass sie nie wieder ein Mann für mich interessieren wird. Ich habe immer nur an mich gedacht, wie egoistisch ich doch bin. Ich schäme mich so, wenn ich zurück denke. Ich kann es leider nicht rückgängig machen, die Zeit zuürck spulen. Aber es wäre zu schön.

Jetzt stehe ich neben ihren Bett und schaue sie mir an. Sie ist so groß geworden, seit ich sie zum ersten Mal auf den Arm hatte. Vorsichtig berührte ich ihre winzige Hand. Sie fühlte sich so zart und zerbrechlich an. Ich hatte Angst ihr weh zu tun. Ich streichelten ihre zarte Hand. In dem Moment war ich einfach nur glücklich, als hätte ich sie nie weggeben. Plötzlich schlug sie die Augen auf und ich erwarte schon, dass sie gleich anfängt zu weinen. Aber ich warte und warte und es passiert nichts. Sie sah mich einfach nur mit ihren blauen Augen an und lächelte, als würde sie wissen, dass ich ihre leibliche Mutter bin. Es floßen Tränen des Glücks über meinen Wangen. Ich hätte es nie zu wagen geglaubt, dass ich meine Tochter wieder sehen und jetzt berühre ich sie sogar.

Plötzlich streckte sie ihre Arme aus und brabbelte was in Babysprache. Ich verstand schon was sie wollte. Sie will, dass ich sie auf den Arm nehme aber das kann ich doch nicht. Sie ist im Krankenhaus und ist mit Geräten verbunden. Ich will ihr doch nicht wehtun oder wagen, dass sie nachher einen Herzstillstand oder so hat. Sie sah mich flehend mit ihren blauen Augen an. Ich konnte ihr einfach nichts ausschlagen und nahm sie schließlich vorsichtig aus dem Bett. Ich achete dadrauf, dass nichts passierte. Sie kuschelte ihren Kopf an meiner Brust. Sofort kamen die Muttergefühle hoch. Sie ist meins und ich werde für sie kämpfen.

Dann wurde die Tür augerissen und ich schreckte auf. Beinah, hätte ich die Kleine fallen gelassen und plötzlich piepte es.

Ich gab sie weg. Das Leben danachGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt