Kapitel 2

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Was war Musik?

Für Pam wahrscheinlich bis vor einer halben Minute nur Töne von irgendwelchen Menschen auf dieser Welt, die wollten das man das, was sie spielten hörte. Vielleicht auch der 0815-scheiß der in etwas zu finden war das sich Charts nannte. Oder einfach ein paar Töne auf Instrumenten. Etwas was man hören kann, wäre wahrscheinlich die logischste und kürzeste Antwort.

Doch jetzt würde Pams Antwort eine andere sein. Musik war Leidenschaft.

Gefühle...

Gedanken....

Hingabe...

Musik war eine Art sich auszudrücken wenn man es mit Worten nicht mehr konnte. Eine Art seine Gedanken in Form von Tönen, egal ob tief oder hoch wiederzugeben. Nein eigentlich war es mehr als das. Mehr als alles was man mit Worten sagen konnte. Die einfachste Art es zu erklären, war es, es mit den eigenen Ohren zu hören. So wie Pam in diesem Moment die sanften Töne eines Klaviers hörte. Sie stand noch immer vor der Eingangstür. Ihr blick hing in einem Raum den niemand sah, vollkommen unbeweglich.

"Entschuldigen sie, wollen sie sich setzten?" riss sie eine ruhige weiche Stimme aus ihren Gedanken. Erschrocken schaute sie die Kellnerin an und lächelte dann verlegen. Sie nickte und wurde zu einem gemütlichen Platz in einer Nische direkt an der Fensterscheibe geführt. Das Café hatte selbst bei diesem Wetter noch genug Gäste. Gerade so viele das man es weder als besetzt noch als leer bezeichnen konnte. Das gefiel ihr. Genau wie das Piano das sie jetzt noch klarer hören konnte als am Anfang. Sie legte ihren Regenschirm unter den braunen Topf auf das ebenfalls braune Parkett und legte ihre Tasche neben sich auf die Bank, so dass man sie wenn man durch das Schaufenster schaute sehen konnte. Das dunkelrote Leder der Sitzbank fühlte sich gemütlich an. Sie zog sich eine Speisekarte aus dem Ständer und studierte sie. Dann entschied sie sich für einen Kaffee schwarz ohne Milch, ohne Zucker. Außerdem einen Teller Waffeln mit Puderzucker und heißen Kirschen.

Als die Bedienung kam gab sie ihr die Bestellung auf und dann gerade als sie den Blick senkte, fiel ihr etwas ins Auge. Strahlend Weißes Haar. Lange dünne Finger, eine schwarze Nietenbesetzte Lederjacke.

Ein Engel an einem Piano.

Die Finger des Engels berührten die Tasten sanft und routiniert. Die Augen des Engels waren geschlossen, die Körperhaltung aufrecht und seine füße die in schwarzen Boots steckten wippten einen Takt. Sie hatte von ihrem Sitzplatz aus die perfekte Sicht auf den Engel. Seitlich, so dass sie seine rechte Seite und das Piano in allen Einzelheiten betrachten konnte. Es trennte sie vielleicht acht Meter. Das angenehm gelb-orangene Licht das sich perfekt in die Einrichtung des Cafés fügte, war über dem Piano etwas gedimmt, als wollte er nicht zu viel aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber wie konnte man so etwas vermeiden, wenn man derart schöne Töne spielte? Pam war eingenommen. Vollkommen hypnotisiert. Er bewegte auch seinen Kopf, leicht so das sich sein gefärbtes weißes Haar bewegte und den Blick auf einen silbernen Ohrring freigab der sie manchmal immer wieder anblitzte.

Er begann eine Abfolge hoher Töne zuspielen, dann mischten sich unter diese Töne noch hellere und plötzlich als er sich auf einen hörbaren Höhepunkt spielte, fielen seine töne wieder. Sie wurden leiser, seine Finger bewegten sich langsamer, aber bestimmt. Und nach und nach flogen seine Finger flinker über die weißen Tasten, berührten die kleinen schwarzen, erschufen Schönheit.

Sie hatte soetwas noch nie zuvor so hautnah erlebt. Es war einzigartig. Eins der besten ersten male, die sie je hatte. Es stellte alles in den Schatten. ER stellte alles in den Schatten!

Und nach und nach wurde die Töne noch leiser und Pam spürte das es gleich zuende war. Seine Finger spielten die letzten Töne bis zum Ende hingebungsvoll, voller Leidenschaft, voller Gefühl. Dann endete es. Doch seine Finger blieben noch immer auf den Tasten liegen und Pam meinte den Engel einen kurzen befreienden Seufzer von sich geben zu hören.

Und dann öffnete er die Augen und wandte sein Gesicht nach rechts. In eine kleine Nische an der Fensterscheibe von der aus er die ganze Zeit ein paar Augen auf sich gespürt hatte.

Und Pam sieht in seine Augen und merkt sie hatte sich geirrt.

An diesem dunklen Piano saß kein Engel, sondern ein Mensch.

White, Black...Peppermint!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt