"Warum tust du das?" fragte Pam. Sie hatte es satt immer im dunklen zu tappen. Yoongi warf ihr einen Fragenden seitenblick zu und konzentrierte sich dann wieder auf die leere Straße.
"Warum tue ich was?" hackte er nach.
"Mich nach Hause fahren. Mich zum lachen bringen." sie starrte ihn von der Seite an. Scheißegal das er es bemerkte. Sollte er doch. Was sollte er schon dagegen ausrichten können?
"Weiß nicht." flüsterte er fast. Pam hätte ihn beinahe nicht gehört. Sie lachte kurz auf. Wo war das Arschloch geblieben das sie in der Bar mit seiner bloßen Anwesenheit so erniedrigt hatte?
"Aha. Kannst du noch andere antworten geben?" fragte Pam schnippisch. Ihrer ehrlichen neugier wurde ein Hauch Wut beigemischt. Warum konnte er nicht detailreiche und verständliche antworten geben?
Er schwieg. Gut zu wissen dass er das auch als antwort mittel ansah. Pam seufzte, sie hatte jetzt wirklich keine Lust diese Nuss mit dem Namen Min Yoongi zu knacken. Es war einfach viel zu unmöglich wenn er ihr nicht entgegenkam. Sie würde nie aus ihm schlau werden. Aber das brauchte sie auch nicht, schließlich gab es noch zig andere gute Cafés. Sie musste nicht mehr ins Mirror gehen. Auch wenn er das Klavier so schön spielte das ihr Tränen in die Augen traten, konnte sie auch gut ohne dieses Privileg auskommen. Zumindest versuchte sie sich das einzureden. Aber es war wahr. Immer wenn sie Min Yoongi begegnen würde, würden Gefühle verrückt spielen. Zwischen Neugier, Interesse, Zuneigung, Wut und Verzweiflung. Er war ihr ein echtes Rätsel. Sie musste in Ruhe darüber nach denken wenn sie zu Hause war. Das er in nicht mal einem Meter Entfernung neben ihr saß half ihrer Konzentration nicht. Aber bald würde sie ja in Ruhe zu Hause sitzen und sich erst einmal entspannen. Sie hatte die ganze Nacht Zeit darüber nachzudenken. Und das musste sie auch. Sehr sehr lange.
Pam blickte aus dem Fenster. Es fuhren kaum Autos zu dieser Tageszeit. Sie kannte diese Gegend. Sie war etwas weiter von der Stadt entfernt, aber hier war sie schon einmal mit ihren Eltern gewesen als sie noch jünger war. Hier war früher einmal ein riesiger Spielplatz gewesen, und kaum hatte Pam den Gedanken zu Ende verfolgt tauchte hinter einer Reihe kahler Büsche der Spielplatz auf. In ihrer Erinnerung war es wesentlich schöner gewesen, lag wahrscheinlich nur daran das in de Nacht alles etwas unheimlicher aussah.
Pam schloss ihre Augen, doch kurze Zeit später ertönte plötzlich ein lautes Geräusch. Hört sich ein bisschen so an wie eine Explosion. Pams Augen flogen schlagartig auf. Im selben Augenblick schlug Yoongi fluchend auf das Lenkrad. Das Auto war am Straßenrand zum stillstand gekommen.
"Alles okay?" fragte Pam etwas verschlafen und rieb sich die Augen.
"Sieht das für dich 'okay' aus?" erwiderte Yoongi sichtlich gereizt. Mit einer so wütenden reaktion von ihm hatte sie nicht gerechnet. Pam zuckte zusammen. Die müdigkeit war plötzlich größtenteils verpufft. Die Digitaluhr in Yoongi Auto zeigte ihr dreiundzwanzig Uhr. Er wischte sich angespannt mit der Hand über sein Gesicht.
"Funktioniert der Wagen nicht mehr?" fragte Pam. Besongt stieg sie aus und musterte den Wagen, das sie sowieso nichts erkennen konnte war ihr egal.
Yoongi stieg ebenfalls aus und schloss das Auto ab.
"Und was sollen wir jetzt machen? Wie komme ich nach Hause? Weder Taxen noch der Bus fahren!" jammerte Pam und musste einmal gähnen. Die Müdigkeit holte sie immer wieder ein. Sie hatte jetzt bestimmt keine Nerven mehrere Kilometer nach Hause zu laufen. Wer weiß was für Gestalten ihren Weg kreuzen würden. Ihre Haut überzog schon wieder eine Gänsehaut. Sie hatte noch immer nichts vernünftiges zum wärmen an. Sie rieb sich ihre fröstelnden Arme und tappte auf einer Stelle herum. Ihre Augen suchten Yoongis und sie bemerkte dass er sie anstarrte. Die Taschen lässig in der Hosentasche seiner Jeans.
Pam legte fragend den Kopf schief. Yoongi seufzte tief. Sehr tief. Als würde er einen Berg an schweren Sünden auf seinem Rücken lasten.
"Komm mit." er nickte mit dem Kopf damit Pam ihm folgte und ging voraus.
"Wohin gehen wir?" fragte Pam und lief ihm schnell hinterher. Sie wollte mit Sicherheit nicht alleine bleiben. Sie ging ein paar Schritte hinter ihm.
"Zu meiner Wohnung." sagte Yoongi knapp. Pam hielt geschockt die Luft an. Seine Wohnung, sein Territorium, Pams verderben.
"Warum??!" fragte sie mit einem fast panischen Unterton. Yoongi drehte sich abrupt um und blieb direkt vor Pam stehen.
"Hast du etwas vor heute Nacht zu erfrieren? Nein? Dann hör auf Fragen zu stellen und Folge mir einfach!" herrschte er sie an. Für einen kurzen Augenblick hatte sie Angst vor ihm. Was ist wenn ER sie vergewaltigten würde? Pam dachte einen Augenblick des Schreckens nach. War es überhaupt noch eine Vergewaltigung wenn beide es wollten?
"Schon gut." nuschelte sie. Yoongi setzte seinen Weg fort und Pam lief schweigend hinter ihm her. Ihr Zähne klappern und ihre dumpfen Fußschritte waren das einzige Geräusch. Ein paar Häuser weiter blieb Yoongi stehen und fummelte mit zitternden Fingern seinen Schlüssel aus der Tasche. Seine Finger waren weiß von der kälte. Sie hatte gar nicht darauf geachtet wie es ihm ging. Gleich sollte er erst einmal einen Tee trinken, falls er so etwas überhaupt in seinem Haushalt besaß.
In Pam baute sich plötzlich eine seltsame Nervosität auf. Sie hätte nicht gedacht das er sie jemals in seiner Wohnung einladen würde. Er war ein Gentleman, wenn auch nicht wirklich einer wie es im Buche stand.
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White, Black...Peppermint!
FanfictionAls Pam das kleine Café in der Innenstadt betrat konnte sie nicht ahnen, das sie weniger das Essen und das Ambiente, sondern viel mehr eine Person dort hingezogen hatte. Ein Mann mit weißem Haar, kalten Augen und geschickten Fingern die einem Flügel...
