03 - Prinzessin

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You're no hero, so don't act like it

Da saß ich nun auf einer Bank in einem „Park", vor mir die Scheibe die mich von den Reichen trennte. In ihren Anzügen und schicken Kleidern wirkten sie eher wie Geschäftsleute die verhandeln wollten. Genau genommen taten sie das ja auch nur verhandelten sie über Menschen.

Ich sah mich in dieser billigen Nachmache von Park um, außer mir waren noch andere hier. Ein paar Jungs spielten Fußball, auf einer Bank in der Nähe saßen zwei Mädchen die zusahen. Etwas weiter weg saß ein älteres Pärchen, hielten sich an den Händen fest. Der Mann redete und als Antwort nickte die Frau.

Nur kurz danach wurden die Beiden auch schon auseinander gezogen. Einer der schwarz gekleideten Männer zog die Dame von ihrem Mann weg. Sie versuchten sich festzuhalten und zusammen zu bleiben. Als ein zweiter Angestellter kam war das aber hoffnungslos. Die Frau verschwand und zurück blieb ein trauriger alter Mann. Auch die Kinder hatten aufgehört zu spielen und beobachteten das Ganze.

Obwohl das hier Alltag war das Menschen auseinander gerissen wurden, brach es mir das Herz. Ich erhob mich von meiner Bank und ging auf den Mann zu, der sein Gesicht in seinen Händen vergrub.

„Wie heißt sie?", fragte ich leise und setzte mich neben ihn.

Seine braunen Augen sahen tränengefüllt zu mir.

„Lucy", antwortete der Mann.

„Wie lange seit ihr schon zusammen?"

„Verheiratet", korrigierte der Mann und ich erkannte etwas Freude in seinen Augen, „bald 50 Jahre."

Er lächelte, das verging ihm aber schnell wieder als er wieder realisierte das sie weg war.

„Ich bin Hope", sagte ich freundlich.

Die Menschen am Fenster beobachteten uns genau, würde mich nicht wundern wenn sie uns auch hören würden.

Ich beugte mich etwas zu dem Herrn und flüsterte ihm was zu. Daraufhin nickte er und lächelte leicht.

„Ich kann dir nicht mehr viel bieten Kind", erklärte er.

„Brauchen Sie nicht", lächelte ich.

~~~

Wochen später saß ich wieder hinter einer dieser Scheiben. Diesmal in einem Kinderzimmer, wortwörtlich Kinderzimmer. Hellrosa Wände, Prinzessin Schränke und Bettwäsche. Barbies in Kisten, Schlösser von Playmobil. Ich war sogar erleichtert als die Tür aufging und ich die schwarzen Sachen sah, als die Besuchszeit vorbei war.

„Schickes Zimmer Prinzessin", grinste mich der trainierte Mann an.

Ethan.

„Mir fehlt nur mein Krönchen", lachte ich.

Er sah sich um, hob eine Plastikkrone vom Boden auf und setzte sie mir auf den Kopf.

„So Prinzessin, können wir?", lachte er und hielt mir seine Hand ihn.

Ich griff nach seiner Hand und ließ mich hochziehen, bevor wir aus dem Zimmer gingen warf ich die Krone zurück auf den Boden. Mein Blick blieb auf einer Barbie stehen die in eine der Kisten steckte. Ohne großes Nachdenken zog ich sie raus. Die blonden Haare gingen bis zu ihrer Hüfte und das hellblaue Prinzessinenkleid erinnerte mich an den Himmel wenn es gutes Wetter war. Entschlossen nahm ich die Barbie mit.

„Was hast du damit vor?", fragte Ethan und sah sich etwas um.

„Ich geb sie dem kleinen Mädchen das ich letztens gesehen habe", erklärte ich, „sie war alleine und verängstigt. Das Gefühl kenne ich zu gut."

„Du scheinst überhaupt nicht verängstigt", stellte Ethan fest.

„Ich steck zum zweiten mal hier, damals war ich 8", erklärte ich.

Er nickte: „Tut mir leid."

„Wieso dir? Du hast mir nicht meine Mutter genommen", murmelte ich und klopfte an der Tür von dem kleinen Mädchen.

Als ich Schritte hörte und das knarrende Bett öffnete ich die Tür, die Kleine sah mich mit ihren grünen Augen verängstigt an. Ihre blonden Haaren fielen glatt über ihre Schultern. Mit den Knien an sich gezogen saß sie in der letzten Ecke des Bettes und presste sich an die Wand.

„Alles gut, ich bin wie du", beruhigte ich sie.

Ich hielt ihr mein Handgelenk hin indem der Chip drin steckte. Er leuchtete alle paar Sekunden kurz auf. Jetzt sah sie zu ihrem Handgelenk an dem das selbe passierte. Wieder war Angst in ihren Augen. Vorsichtig setzte ich mich zu ihr aufs Bett.

„Die haben mich heute in ein Prinzessinnen Zimmer gesteckt", erzählte ich, „da hab ich dir was mitgebracht."

Ich zeigte dem kleinen Mädchen die Puppe und ihre Augen strahlten auf. Wie lange hatte sie kein Spielzeug gesehen? Oder neues Spielzeug.

„Du musst sie aber gut verstecken okay? Sonst nehmen die Männer sie dir wieder weg", seufzte ich.

Ihr Blick ging zur Tür an der Ethan stand. Sofort verschwand das strahlen und die Angst breitete sich wieder in ihren Augen aus. Ihr ganzer Körper zitterte wieder.

„Schon gut. Er wird sie dir nicht wegnehmen und er tut dir auch nichts", beruhigte ich sie.

Das kleine Mädchen versteckte sich hinter mir und drückte sich an mich. Ihre Arme hatte sie um meinen Bauch gelegt, so gut es eben ging. Langsam strich ich ihr übers Haar.

Auch für mich war das ungewohnt. Den letzten körperlichen Kontakt hatte ich vor Jahren und der ging nicht gut aus.

„Wie heißt du?", fragte ich sie vorsichtig.

„Mary", flüsterte sie kaum hörbar.

„Freut mich Mary, ich bin Hope", flüsterte ich ebenfalls.

Ihre grünen Augen sah zu mir hoch.

„Meine Mama hat immer von einer Hope erzählt die das alles wieder weg macht", sagte sie, „bist du das?"

Ich sah hilfesuchend zu Ethan. Mir fiel keine Antwort ein, sollte ich ja sagen? Damit sie dann enttäuscht ist wenn ich sie hier nicht rausbekommen? Oder lieber gleich nein sagen und sie direkt enttäuschen.

„Sie wird es versuchen", hörte ich Ethan's Stimme, „wir wissen nur noch nicht wie."

Er selbst seufzte leise. Mein Blick ging wieder zu dem kleinen Mädchen das sich immer noch an mich kuschelte. Ihr Kopf lag auf meinem Schoß und es schien als würde sie einschlafen. Als sie dann tatsächlich schlief half Ethan sie vernünftig ins Bett zu legen. Ich legte dem Mädchen die Puppe unter den Arm und legte meine Arme um mich selbst.

„Was wenn ich den Leuten Hoffnung mache und dann drauf gehe?", flüsterte ich, dabei sah ich noch immer zu dem blonden Kind vor mir.

„Dann hatten viele endlich mal wieder Hoffnung", erklärte er, „bevor du herkamst glaubte da keiner mehr dran."

„Ich bin keine Hoffnung", nuschelte ich, „ich bin ein 18-jähriges Straßenkind mit dem falschen Namen."

„Du bist mehr, du weißt es nur noch nicht", dabei lächelte er leicht.

„Na komm", er nickte zur Tür und schob mich sanft aus dem Zimmer.

Ich war mehr? Ich war nichts. Ein abgemagertes, schwaches etwas. Und ich sollte etwas auf die Reihe kriegen?

Hope. || Abgeschlossen Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt