23 - Angeblich von der Straße

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I'm stronger than I've been before

„Antworte verdammt!", schrie ich verzweifelt.

Liam schüttelte grinsend den Kopf. Natürlich würde er kein Wort sagen solang ich eine Waffe auf ihn hielt, würde ich an seiner Stelle auch nicht. Ich starrte ihn einfach nur an, bis ich anfing die Pistole runterzunehmen und sie letztendlich auf die Straße warf. Siegessicher hielt er nun seinen Pistole auf mich. Bei jedem Schritt den er machte schlug mein Herz lauter. Als er endlich direkt vor mir stand und mir den Lauf mit seinem verletzten Arm gegen den Bauch drückte, setzte mein Herz aus. Mit seinem Gesicht kam Liam mir noch näher, sodass ich seinen Atem auf meiner Haut spürte.

„Ich hab sie umgebracht", haute er mir ans Ohr, „sie hat nach dir gerufen, aber du warst nicht da."

Ich spürte wie Tränen über meine Wangen flossen und schloss meine Augen. Als dann wieder ein Schuss fiel dachte ich einen Moment es wäre vorbei. Doch der Schuss galt nicht mir, sondern Liam. Will hatte sich die Pistole genommen die ich auf die Straße geworfen hatte und schoß ein weiteres mal. Keine der Kugeln traf den Mann von mir, lenkte ihn aber so weit ab das ich mir seine Pistole nehmen konnte und Ethan ihn mit einem weiteren Schlag, mit dem Gewehr, bewusstlos bekam.

Während ich zu dem Mann vor meinen Füßen sah konnte ich durchatmen. Nichts konnte meine Mutter zurückbringen, ich wusste nichtmal ob er die Wahrheit sagte. Was ich konnte war mich zusammenzureißen und alles dafür zu tun das dieses System aufhörte.

Es brauchte Will, der seine Hand an mein Kinn legte und so mein Gesicht anhob, um mich aus meinen Gedanken zu holen. Seine blauen Augen suchten meine und mit seiner anderen Hand wischte er die Tränen aus meinem Gesicht.

„Er lügt. Die Mädchen in seinem Haus waren nie älter als er, nicht als er damit anfing."

Ich sah ihn kurz an und nickte kaum merkbar, dann schob ich seine Hand weg von meinem Gesicht und setzte mich in Bewegung. Ich konnte nicht weiter da stehen, wenn ich darüber nachdachte wollte ich nichtmal hier rumlaufen. Da ich aber keine Wahl hatte sah ich mich um und lief weiter die Straße lang.

~~~

„Ihr werdet damit nicht durchkommen!", schnauzte Liam, der an einen Baum gebunden war.

Um seine Stimme nicht weiter zu hören stopfte ich ihm ein dreckiges Stück Stoff, das ich in den Ruinen gefunden hatte, in seinen Mund.

„Halt deine verdammte Klappe oder ich knall dich ab", murmelte Ethan ohne gesehen zu haben das er den Mund nicht weiter aufbekam.

Sam hatte sich auf einen Stein gesetzt und beobachtete das ganze. Will saß seinem ehemaligen besten Freund gegenüber und schien nachzudenken. Ethan hatte sich an eine Hauswand an der Straße gesetzt und sah sich um. Ich selbst verschwand in dem Haus vor dem alle saßen und sah mich da drinnen um. Zu meiner Verwunderung dauerte es nicht lange bis mir jemand folgte.

„Du hättest drauf gehen können", hörte ich Will's Stimme.

Der blonde Mann lehnte sich an den noch vorhandenen Türrahmen und sah zu mir.

„Bin ich aber nicht", murmelte ich und schob einige der Steine auf dem Boden zur Seite, um zu sehen was darunter war.

„Wärst du aber fast", seufzte er.

„Und dann?", ich sah auf, „Dann wäre ich es halt wo ist das Problem? Als würde dich sonst irgendeiner der Menschen interessieren!"

Überrascht von meiner Reaktion sah er mich stumm an.

„Wenn dir das alles nur annähernd so wichtig gewesen wäre wie du gerade tust hättest du sowas verhindern sollen", murmelte ich, „du hast Menschenleben auf dem Gewissen, nicht ich. Selbst mit nichts als mit den Kleidern die ich trug hab ich noch Leuten geholfen die sich nicht selbst helfen konnten und du? Du sollst angeblich von der Straße kommen."

Ich ging an ihm vorbei wieder nach draußen.
In meinem Kopf passte die Vorstellung nicht zusammen das ihn die Menschen auf einmal interessierten. Er hatte Möglichkeiten es besser zu machen, hatte sich aber dazu entschlossen nichts zu tun und ausgerechnet dieser Mann machte sich Sorgen darum das ich hätte sterben können?
Draußen sah ich mich um. Sam hatte die Augen geschlossen, während Ethan mal wieder hellwach war. Ich ging auf den in schwarz gekleideten Mann zu und setzte mich neben ihn.

„Wie gehts dir?", fragte ich ruhig.

„Ging mir schonmal besser", gab er zu und sah zu mir.

„Wie gehts deinem Bein?", fragte ich weiter.

„Blutet", lachte er.

Ich sah von seinem Bein auf, in seine Augen und murmelte: „Ihr seid echt unmöglich."

Wieder lachte er und nahm seine Hand vom Bein. Seine Hand war komplett rot und die Hose in Blut getränkt. Als ich aufstand um die Flasche Whisky zu holen, die wir noch immer mitschleppten, fragte er was ich vor hatte. Mit dem saubersten Stoff den ich finden konnte, einer alten Nadel und Faden, die im Haus waren, und der Flasche Whisky setzte ich mich wieder zu ihm.

„Zieh die Hose aus", befahl ich.

Er lachte: „Normalerweise hab ich ja in solchen Sachen das Sagen."

Ich sah ihn kurz an und musste kurz grinsen als ich verstand wie er das meinte: „Jetzt mach."

Zufrieden über meine Reaktion öffnete er seine Hose und zog sie wo weit runter das ich an die Wunde kam. Ich band ihm einen Gürtel, über der Wunde, ans Bein und tupfte wo viel Blut wie möglich ab. Dann kippte ich etwas von dem Inhalt der Flasche darüber, worauf Ethan vor Schmerz das Gesicht verzog. Als nächstes tat ich mein bestes um die Kugel aus seinem Bein zu bekommen und nachdem ich das geschafft hatte, landete auch der letzte Rest Whisky auf seinem Bein.

„Verdammte Scheiße, Hope!", stöhnte er schmerzvoll.

Mit einem gemurmelten „tut mir leid" nähte ich die Wunde zu, um dann ein weiteres Stück Stoff um sein Bein zu wickeln. Nachdem ich fertig war sah ich ihn an. Er atmete aus und war froh das das Ganze erstmal vorbei war. Eine Weile sahen wir uns stumm an, bis ich anfing zu reden:

„Wir sollten Wasser suchen. Wir haben seit Tagen kaum was getrunken und das ganze Blut an den Händen würd ich auch gerne loswerden."

Ethan nickte: „Nimmst du einen der Beiden mit?"

Jetzt nickte ich und stand auf. Will war bereits wieder draußen und saß wieder bei Liam. Ich ging auf die Beiden zu, nur um Will die Waffe wegzunehmen und dann Sam zu rufen. Die andere Pistole hatte sich Ethan genommen.

Mit dem nicht viel sagenden Sam machte ich mich also auf die Suche nach brauchbarem Wasser, während ich die schlimmste Kombination an drei Jungs alleine zurück ließ.

Hope. || Abgeschlossen Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt