Kapitel Eins

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Charlies Sicht:

Jasper Foley hatte seinen Arm locker um mich gelehnt und aß mit seiner anderen Hand seinen zermatschten tropfenden Mensaburger, sein Blick glitt über die überfüllt laute Mensa und blieb dann an meinen Augen hängen. Ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht: „Gefällt dir was du siehst?" Ich boxte ihn leicht in die Seite. Aber er hatte Recht, meine Aussicht gefiel mir wirklich. Seine dunkelblonden kurzen Haare, die er morgens immer zur Seite hoch gelte und während dem Laufe des Tages immer zerzauster wurden und ihn dadurch keines Wegs unattraktiver machten.

Seine teddybraunen Augen, umrahmt von dichten hellen Wimpern. Seine vollen rosa Lippen, die eine hübsche herzförmige Rundung hatten. Seine breiten Schultern, bedeckt mit seiner Baseballjacke. Seine schwarze enge Jeans mit ein wenig zu vielen Löchern. Ich biss mir auf die Lippe. Mein Boyfriend war verdammt heiß. Und was ihn nur noch heißer machte war, dass er es auch noch wusste.

Ich wendete mich ab und schob mir ein halbfeuchtes Pommes in den Mund. Es war Dienstagvormittag und die Frühlingssonne ließ die Mensa in einem hübschen Orangeton leuchten. Ich hatten nur noch zwei Stunden Schule und dann auch noch Kunst. Neben mir saß mein verdammt heißer Freund und mein Tag könnte einfach nicht besser laufen. Wenn ich an Freitag dachte, wurde mir ganz warm in meiner Magengegend, denn da würden Jasper und ich unser Einjähriges feiern.

Als hätte Jasper meine Gedanken gehört, legte er seine Hand auf mein Knie und drückte dieses sanft. Ich lächelte ihn an und wollte ihn küssen, doch er drehte sich zur Seite und ich stieß ein wenig unbeholfen gegen seine Backe. Ich lächelte unsicher und setzte mich gerade hin. Na vielen Dank auch, Jasper. Ich ließ mich von meinem kleinen Ausrutscher nicht aus der Ruhe bringen und versuchte den Gesprächen zu lauschen.

Gegenüber von uns saßen Jaspers Baseballfreunde und mit ihren Baseballjacken und meiner Cheerleaderuniform waren wir wirklich das Klischee aller Klischees. Dennoch mochte ich die leicht eifersüchtigen schmachtenden Blicke zu unserem Tisch hin. Es gab mir ein kleines Gefühl der Überlegenheit und der mächtigen Präsenz.

Ich warf meine langen Harre hinter meine Schulter und lehnte mich an Jasper. Dieser redete gerade mit Max Keller und beugte sich dabei weit über den Tisch. Ich betrachtete das etwas verwunderliche Szenario und versuchte mich dann auf das Thema zu konzentrieren. „Der Coach hat gesagt, dass wir mal was anderes ausprobieren sollten. Er meint, unsere Gegner durchschauen unsere Taktik." Yey Baseball. Jasper lehnte sich lässig zurück: „Pff, deswegen haben wir ja auch die letzten fünf Spiele haushoch gewonnen." Max grinste ihn breit an und Jasper grinste breit zurück.

Ich verdrehte die Augen, sie redeten nie über etwas anderes außer Baseball. Und Partys. Und Alkohol. Max lehnte sich wieder vor: „Übrigens steigt heute Abend ne ziemlich geile Party bei Jason. Seine Eltern sind mal wieder ausgeflogen und seine Sis aufm Internat." Jasper fuhr sich einen Ticken zu lang mit der Zunge über die Lippen: „Wurde auch mal wieder Zeit. Der Lappen hat seit Jahrhunderten keine Party mehr geschmissen." „So wie du seit Jahrhunderten nicht mehr geduscht hast. Du stinkst."

Eine schwere altmodische Tasche wurde auf den Tisch gehievt und mein Tag wurde tatsächlich nicht besser. Er wurde schlechter. So viel schlechter. Carter Finley Jones setzte sich gegenüber von mir hin, zog meinen Teller zu sich ran und bediente sich an meinen Pommes. Ich warf ihm einen extrem genervten Blick zu. Er grinste mich mit Pommes zwischen den Zähnen an und ich wendete angewidert den Blick ab.

Jasper lachte und schlug mit Carter ein: „Junge, ich hab gedacht, die haben dich auf den Ausflug mit dem Orchester abgeschoben." Carter ertränkte seine Pommes in Ketchup: „Bin früher mit dem Zug zurückgefahren, damit ich Kunst nicht verpasse." Ich murmelte: „Wäre ja auch zu schön gewesen." Eine Pommes traf mich an der Stirn, ich sah ihn entgeistert an: „Du Arsch." „Du Sensibelchen." „Ha, Ha, Ha. Du Witzbold." Er grinste mich an und ich hatte den Drang seinen Kopf tief in den Ketchupsee auf seinem, eigentlich ja meinem, Teller zu tunken.

"Ich hasse dich mehr."Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt