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Wir stiegen in den Zug. Ich mit meinem kleinen Rucksack, Marie mit ihrer riesen Reisetasche, als würde sie Urlaub machen wollen.

Natürlich war der Zug schon mega voll. Klar, wer würde denn nicht um halb zehn Uhr morgens nach Berlin fahren wollen? Oder wo der Zug auch immer endete. Ich hatte mir von Timi erklären lassen, dass wir wohl einige Male umsteigen mussten. Super, als würde ich Zug fahren nicht sowieso schon genug hassen.

Wie schon gesagt, war der Zug schon so gut wie voll. Timi zog mich allerdings mit sich zu einem freien Platz, von dem gerade ein Mann aufgestanden war.

"Okay, gut, dann setzt ihr euch hier hin und ich such' mir was anderes", meinte Marie als Tim an den Fensterplatz rückte.

"Alles gut", sagte jedoch dieser und zog mich auf seinen Schoß.

Ich versuchte mich zu wehren, Marie setzte sich aber einfach grinsend neben mich.

Also gab ich auf und legte meinen Arm um ihn, um mehr Halt zu haben.

"Ihr beiden seid schon süß", kam es von Marie.

Nach stundenlangem Rumsitzen, etlichen Malen des Umsteigens und einer Ewigkeit, die sich an Tims Seite nur noch länger anfühlt, wenn ich versuchte mich auf etwas anderes als auf seine Lippen zu konzentrieren, kamen wir in Berlin an und wurden auch gleich von einem seiner Freunde begrüßt.

"Das sind Saskia und Marie", sagte Tim und zeigte jeweils auf uns. "Und das ist Basti, unser etwas schwuler Labelboss." Er lachte.

"Ach, dann bist du also Saskia? Freut mich dich endlich mal persönlich kennenzulernen. Ich hab schon so viel von dir gehört und er hört einfach nicht auf rumzuheulen, wenn's um dich geht", sagte Basti nun auch lachend.

"Jaja, sehr witzig. Können wir jetzt fahren? Ich dachte es wäre ein Notfall", kam es wieder von Timi, etwas genervt.

Basti nickte, also gingen wir ihm hinterher zu seinem Auto. Es war ein schwarzer Ferrari.

Wir verstauten Maries riesen Tasche im Kofferraum und setzten uns dann in's Auto. Nicht, dass es wichtig wäre, Marie saß aber vorne neben Basti und bekam leichte Anfälle, als er mit mehr oder weniger gefühlten 300km/h über die Autobahn raste. Timi und ich saßen hinten. Er hielt meine Hand und lächelte immer mal wieder zu mir herüber, sah die meiste Zeit allerdings aus dem Fenster.

"Sag mal, ist das eigentlich okay, wenn die beiden jetzt dabei sind?", durchbrach Tim dann irgendwann die Stille.

"Kein Plan, da musst du Lukas fragen", kam es von vorne zurück.

"Also geht's um unser Goldkehlchen?" Timi war sichtlich verwundert.

Mit einem einfachen 'Jup' von Basti hielt er am Straßenrand.

Als wir ausstiegen, fiel mir das riesige Schild, auf dem 'Trailerpark Bar' stand, ins Auge.

Drinnen angekommen, schloss Basti die Tür auch sofort wieder ab und wir gingen weiter nach hinten. Während der vordere Teil der Bar sehr vintage, aber trotzdem irgendwie sauber aussah, war der hintere Teil irgendwie nicht so.. sauber. An der Wand hing in Leuchtbuchstaben das Wort 'Trailerpark'. Auf der anderen Seite waren vor einem Galaxy-Hintergrund mit Vulkan und Wohnwagen, vier Figuren. Ein Krokodil, eine Fee, eine Eule und ein Pikachu. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, diese Eule sollte Timi darstellen. Die Wände sahen einfach unfertig aus, teilweise schwarz, teilweise noch mit Backsteinen. An den Seiten waren lange Sofas oder sowas. Und zwischendrin waren Tische und Stühle, die jeweils auch teilweise sehr verranzt ausgesehen haben.

Auf einem der Bänke saßen zwei Kerle. Einer mit Pikachu Mütze und einer, der sehr mit seinem Glas beschäftigt war. Vor ihnen saß dann noch einer. Der hatte eine Scoobiedoo Mütze auf.

"Jo, ihr Bastarde. Können wir dann anfangen?" Basti rieb sich die Hände und die anderen guckten zu uns auf.

Jetzt erkannte ich den mit dem Glas auch wieder. Was hatte Timi noch mal über ihn gesagt? Lukas? Der, der seinen Schönheitsschlaf braucht?

"Leute, das sind Saskia und Marie", stellte uns Tim noch mal den anderen vor. "Steven, Lukas und Igor" er zeigte auf die drei. Lukas ließ seinen Kopf hängen, während die anderen beiden uns begrüßten.
"Also was ist der Notfall?", sprach Tim weiter, während wir uns setzten, Basti neben Lukas, Marie neben Steven und Tim und ich neben Igor.

"Es ist kein richtiger Notfall", murmelte Lukas in seinen Bart.

"Kein Notfall? Du hast versucht dich umzubringen!", platzte es dann aus Steven raus.

"Warte, was? Warum?", schaltete sich nun auch Timi ein.

"Jana hat mich verlassen und-", mitten im Satz brach seine Stimme. Tränen sammelten sich in seinen Augen. "-und ich hatte halt einfach zu viel, okay?"

Basti nahm ihm das Glas weg und stellte es auf den Tisch.

"Vielleicht sollten wir doch gehen?", flüsterte ich Tim in's Ohr, während die anderen über Lukas' Zustand diskutierten.

Er schüttelte den Kopf und drückte meine Hand.

"Wir machen uns halt einfach Sorgen um dich, man!", schrie Basti schon förmlich.

Lukas hingegen saß trotzig wie ein kleines Kind mit verschränkten Armen da und sah sturr gerade aus.

"Dicker, ich glaube es hilft auch nicht, wenn du ihn jetzt anschreist", meldete sich nun Igor, der die ganze Zeit still daneben gesessen hatte.

"Oh, wie schön, dass du auch mal was sagst", zischte er und stand auf. "Ich geh mir jetzt erstmal 'ne Line ballern, da ihr Spasten anscheinend auf keine Lösung kommt."

"Mir geht's gut, wirklich", sagte Lukas.  Doch durch die dunklen Ringe unter seinen Augen, konnte nicht mal ich ihm das glauben.

"Du stehst jetzt unter Arrest", sagte Basti, als er wieder zu uns kam. "Am besten fährst du mit zu Weitkamp."

Lukas sah zu uns rüber und verdrehte die Augen. "Ne, ich hasse die Schlampe. Sorry, aber das weißt du."

Für einen kleinen Moment dachte ich, er meinte mich damit. Dann fiel mir allerdings auf, dass Tim und ich gar nicht zusammen waren.

"Ich weiß, aber-", antwortete er auch augenrollend, wurde dann aber von Basti unterbrochen.

"Wenn du nicht mit nach Braunschweig willst, kommst du mit zu mir." Bastis Augen fingen an zu leuchten. Wie die eines Kindes an Weihnachten.

"Ich hab aber auch kein Bock auf deine Drogenexzesse", murmelte Lukas, doch Basti fand, dass es so eine gute Idee war, dass er eigentlich gar keine Wahl hatte.

Heiliger TimääähWo Geschichten leben. Entdecke jetzt