Zwischen Tränen und Glück

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Janine öffnete ihre Haustür, als es klingelte. Sie war geschockt, bei dem Anblick, der sich ihr bot.
Emma stand Tränenüberströmt vor ihr und bekam kein Wort raus. Nine rannte die Treppen runter zu Emma und nahm sie in den Arm: "Was ist denn passiert?", fragte sie und wusste nicht wirklich, wie sie Emma beruhigen sollte. Emma brachte vor lauter heulen immer noch kein Wort heraus. Selbst wenn sie etwas sagen wollte, war es unverständlich. "Komm erstmal rein!", sagte Janine und unterstützte Emma dabei, die Stufen ins Haus zu treffen.
Sie setzten sich auf Janine's dunkel graue Couch, die das halbe Wohnzimmer einnahm. Sie stellte ihr eine Taschentuchbox vor die Nase und kochte ihr eine Tasse Tee.
Immer noch schluchzte Emma laut vor sich hin. Mittlerweile wirkte sie Tränenleer, bekam aber immer noch kein Wort heraus. Deswegen versuchte Janine Fragen zu stellen, wo Emma nur nicken oder mit dem Kopf schütteln musste.
"Ist jemand gestorben?", fragte Janine und Emma schüttelte den Kopf.
"Ist was mit Nana?" Wieder erhielt sie ein Kopf schütteln. Auch auf die Fragen: "Habt ihr euch getrennt?" Und "Habt ihr euch gestritten?", erhielt sie nur einen schüttelten Kopf. "Emma, mein Schatz, was ist dann los?", fragte sie verzweifelt. Emma war immer noch nicht in der Lage zu reden und öffnete die Arme. Nine verstand, dass sie eine tröstende Umarmung benötigte und gab ihr diese, mir der Hoffnung, dass sie sich so langsam beruhigen würde. Es dauerte noch eine geschlagene halbe Stunde bis sich Emma einiger Maßen wieder im Griff hatte. Und dann kamen die ersten Worte aus ihr raus: "Wir haben nicht aufgepasst!", sagte sie und begann sofort wieder zu weinen und ließ sich mit dem Kopf vorran auf das Sofa fallen. Janine verstand nicht was das heißen sollte und zog den Steven Joker, der immer noch einen besseren Zugang zu Emma fand, als Janine. Sie telefonierte und bat Steven so schnell wie möglich vorbei zu kommen. Normalerweise hatte er einen Weg von einer Stunde bis ins Dorf, doch er schaffte es in einer dreiviertel Stunde. Nach einer kurzen Begrüßung mit Janine, stürmte Steven in das Wohnzimmer und sofort nahm er Emma in den Arm: "Mensch Minze, Süße, was ist denn los? Wegen dir komme ich noch über die Kilometer mit meinem Leasing Auto!" Ein kleines Schmunzeln konnte er ihr durch seinen Satz entlocken. "Sie sagte irgendwas, dass sie nicht aufgepasst haben! Mehr habe ich auch nicht aus ihr raus bekommen!", sagte Janine, die nun ratlos auf dem Sessel saß.
Dadurch, dass ihre beiden besten Freunde nun ihrer Nähe waren, beruhigte sich Emma nun schlussendlich. Die beiden waren in diesem Moment nur für sie da und ließen ihr die Zeit, die sie brauchte um die richtigen Worte zu finden.
Emma seufzte immer noch vor sich hin und brachte dann einen weiteren Satz über ihre Lippen: "Ich weiß nicht, wie das laufen soll. Ich bin nicht bereit dafür!" Steven fiel es wie Schuppen von den Augen und vorsichtig fragte er nach: "Bist du etwa schwanger?" Emma nickte und wieder füllten sich ihre Augen mit dicken Tränen. Nun verstand Janine garnichts mehr. In ihren Augen war das eine Wahnsinns Neuigkeit und kein Grund zu trauern. Steven hatte auch wenig Verständnis, blieb aber ruhig und versuchte mehr aus ihr raus zu bekommen: "Minze, das ist doch eine super Neuigkeit, wieso bist du dann so tiefst traurig?" Emma stotterte: "Das funktioniert doch alles nicht. Wie soll das weiter gehen? Unser Leben ist so schön, so perfekt. Mit Kind ist das alles vorbei. Ich will mit auf Tour, nicht das Hausmütterchen zu Hause spielen. Irgendwie freue ich mich ja, weil ich weiß, dass sich Lukas Kinder wünscht, aber..." Steven unterbrach sie: "Nichts aber! Das ist eine super Neuigkeit und du bist gerade einfach nur geschockt, weil sich das Leben verändern wird. Ich kenne Lukas ewig und ich verspreche dir, er wird dich nicht mit der Kindererziehung alleine lassen. Du bist seine große Liebe, du bedeutest ihm mehr, als seine Musik. Ich hätte nicht gedacht, dass das bei ihm möglich wäre. Emma Schatz, glaub mir, das wird alles gut. Ihr werdet super Eltern." Er nahm sie in den Arm und traf wie gewohnt die richtigen Worte um sie aufzubauen. Janine war immer noch irritiert und fragte: "Wie kann das passieren, wenn du noch keine Kinder möchtest? Nimmst du nicht die Pille?" Steven fand die Frage in diesem Moment nicht sehr angebracht, sagte aber dazu nichts. Emma schüttelte den Kopf und sagte: "Ich vertrage die Pille nicht. Wir haben immer verhütet." "Wie konnte es dann passieren?", fragte Janine noch einmal. Emma holte tief Luft und begann zu erzählen: "Vor sechs Wochen kam halt das eine zum anderen und wir konnten die Finger im Sonnenblumenfeld nicht von einander lassen und dann ist es halt passiert. Und das Ausbleiben meiner Regel hat mich auch nicht aus dem Konzept gebracht, da ich ja keine Pille nehme kam die sowieso unregelmäßig. In den letzten Tagen war mir immer kotzübel und auch da dachte ich mir nix. Ich dachte ich habe eine Grippe und deswegen bin ich zum Arzt und er hat mit mir einen Schwangerschaftstest gemacht und nun sitze ich hier." Steven grinste Emma an: "Ehrlich? Im Sonnenblumenfeld? Dann wird es ja ein kleiner Sonnenschein!" Nun musste Emma grinsen und war nun doch durch den Zuspruch ihrer Freunde beruhigt. In den nächsten Stunden schafften sie es Emma noch mehr von dem Kind zu überzeugen und durch Eiswürfel unter den Augen bekam sie ihre dicken Tränensäcke weg, damit Lukas nicht erfuhr, dass seine Verlobte den halben Tag geweint hat. Emma musste den richtigen Zeitpunkt abwarten um es ihm zu sagen. Das sie den ganzen Tag nicht zu Hause war, bekam er nicht mit, da er in den Proben zur Tour steckte.
Sie bedankte sich herzlich bei den beiden für ihre Zeit und den Zuspruch und machte sich auf den 30 Meter weiten Heimweg. Zu Hause atmete sie mehrmals kräftig durch und überlegte sich, wie sie es Lukas beibringen könnte, dass er bald Papa wird. Die Band lief durch den Flur um nach Hause hinfahren und Emma wurde bewusst, dass gleich der Moment kommt an dem sie es Lukas sagen musste.
Er kam ins Wohnzimmer, kaputt von der Probe war er kurz vorm einschlafen. Emma versuchte ihn wach zu halten, solange sie noch Mit sammelte. Dann kam der Moment.
"Schatz, wie müssen demnächst ein Gästezimmer umbauen!", sagte sie und erhielt von Lukas postwendend eine Antwort: "Wieso? Wer hat rumgenörgelt, dass ihm irgendetwas nicht gefällt?" "Nein keiner, wir müssen es halt gerecht umbauen!", sagte sie und Lukas war etwas genervt. "Nun sprich nicht in Rätseln mit mir!", sagte er. Emma begann zu grinsen und wieder wurden ihre Augen feucht. "Mensch Hase, du Blitzmerker, überleg doch Mal, was ich meinen könnte mit gerecht umbauen!" Lukas müde Augen wurden wach und er schaute Emma mit groß an und er realisierte was sie meinte: "Wirklich jetzt?" Emma nickte und die ersten Tränen bahnten sich wieder den Weg über ihre Wangen und sie sagte: "Ja, du wirst Papa!" Jetzt kugelten auch Lukas Glückstränen über sein hübsches Gesicht und er nahm Emma glücklich in den Arm. Kurz darauf küsste er wie wild Emma's Bauch. "Du machst mich so glücklich!", sagte er leise und die beiden grinsten sich verliebt, wie am ersten Tag an.
Nun war die Katze aus dem Sack und beide genossen den Moment. Lukas etwas mehr wie Emma, die sich immer noch den Kopf zerbrach, wie alles werden soll. Doch auch das sollte sich in den nächsten Tagen klären, damit Emma ihre erste Schwangerschaft in vollen Zügen genießen konnte.

Bitte einfach nicht wecken (Alligatoah FF) #Wattys2019Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt