„Rufst du mich an, wenn du etwas brauchst?", fragt Angus, als er mich von meiner Wohnung abliefert. „Mach ich", sage ich zuversichtlich. Zum Abschied umarmen wir uns. Ich schlurfe in mein Zimmer und krame mein Smartphone heraus. Drei verpasste Anrufe von Astrid. Um sicherzugehen, dass es ihr gut geht, wähle ich ihre Nummer. Sofort geht sie dran. „HEY! Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Wo warst du?", bombardiert sie mich. Mein Herz fängt an zu hüpfen, als ich höre, dass sie sich Sorgen gemacht hat. „Ja hey. Tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. Ich war mit Angus in Edinburgh, da dort jemand wohnt, der meinen Vater noch aus Jugendzeiten kennt", kläre ich sie auf. Ein Lachen ertönt auf der anderen Seite der Leitung. „Was ist das denn nun zwischen euch?", fragt sie. „Ich weiß es selbst nicht, Astrid", fange ich an zu erklären. Ich schildere ihr die Ereignisse in der Raststätte und in dem Hotel. Aufmerksam hört sie mir zu und kommentiert hin und wieder meine Erzählung. Als ich bei dem Gespräch mit Frank angelangt bin, sage ich: „Irgendwie habe ich das Gefühl meinen Vater gar nicht zu kennen. Zwar glaube ich, dass er meine Mutter wirklich geliebt hat, aber ich verstehe nicht, warum er dafür seinen besten Freund attackiert." „Unglaublich. Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Die einzelnen Bruchstücke ergeben keinen Sinn", sagt Astrid schockiert. „Ja. Ich kann nicht sagen, wie das alles zusammen hängt, aber es scheint mit diese Wohngemeinschaft zusammenzuhängen", füge ich hinzu. Astrid stimm mir zu. „Für mich hört es irgendwie wie eine Sekte von Kindesentführern an. Warst du schon mal dort?", fragt Astrid. „Bei der Wohngemeinschaft? Ja, vor fast einer Woche, aber es war niemand da", antworte ich. „Mmmh...Versuche es noch einmal. Von meinem Vater, weiß ich, dass man so oft wie möglich zu dem verdächtigen Ort fahren sollte. Je hartnäckiger man ist, desto näher kommt man der richtigen Spur", sagt Astrid. Ein lautes Rufen ertönt von der anderen Seite. „Ich muss leider auflegen. Ruf mich an wenn du etwas neues herausgefunden hat", sagt Astrid. Ihre Stimme klingt hektisch. „Bis dann", verabschiede ich mich und lege auf.
Sie hat recht, ich sollte noch einmal zu dieser rätselhaften Gemeinschaft fahren. Ich schiebe mein Fahrrad aus dem Hauseingang und fahre los. Nach einer halben Stunde erreiche ich den Wald, der die Wohngemeinschaft umgibt. Bevor ich die Häusergruppe erreiche, höre ich Stimmengewirr und Gelächter. Als ich näher komme, sehe ich eine Gruppe von Jugendlichen, die an einem Tisch sitzen. Kurz bevor ich die Gruppe erreiche sehe ich Nathan. Überrascht bleibe ich stehen. Die Jugendlichen verstummen und sehen mich an. „Wer bist du?", fragt mich eines der drei Mädchen mürrisch. Gerade als ich antworten will, fragt Nathan: „Kenne ich dich nicht irgendwo her?" Ich nicke und sage: „Ich bin Tori und war auf deinem Geburtstag." „Was können wir für dich tun?", fragt er freundlich. Ich schenke ihm ein zaghaftes Lächeln und sage: „Mein Vater, Kendrick Mckenzie, ist verschwunden und ich versuche herauszufinden was passiert ist. Nach den Aussagen von einigen damaligen Freunden, war er als Jugendlicher hier." Bestürzt sehen die Jugendlichen mich an und wenden bedrückt den Blick ab. Eines der Mädchen sagt: „Wir versuchen dir zu helfen, so gut wir können. Ich bin Roxana, das ist Tabitha und Rieke." Nach der Reihe stellt sie die Gruppe auf. Roxana hat lange Honigblonde Haare und Olivgrüne Augen. Sie ist schlank und groß. Eigentlich sieht sie aus wie ein Model. Auf mich wirkt sie aufgeschlossen und quirlig. Ganz anders als Tabitha. Sie wirkt verschlossen und zurückhaltend, fast so als wolle sie sich hinter ihrer Feuerroten Haarmähne verstecken. Dennoch stechen ihre Sommersprossen hervor und ihre Augen sind stechend grün. Sie ist so hübsch. Rieke hingegen wirkt mürrisch und misstrauisch. Ihr Kinn ist in die höhe gesteckt. Dabei kommen ihre dunkelbraunen Augen zur Geltung. Nathan hat einen Arm um ihre Schulter gelegt. „Woher kennt ihr meinen Vater?", frage ich. „Mein Vater war mit ihm befreundet", erklärt Nathan. Ich nicke, denn das weiß ich schon. Roxana ergreift erneut das Wort: „Wir sind hier so eine Art Mehrgenerationen Gemeinschaft. Im Jugendalter kommen Leute wie wir hier her und wohnen hier. Sobald sie älter werden, ziehen die meisten wieder aus. So wie dein Vater. Dennoch bleiben die Geschichten." „Leute wie ihr?", frage ich verwirrt und lege meine Stirn in Falten. „Das geht dich nichts an", sagt das Mädchen namens Rieke mürrisch. „Sei nicht so unhöflich, Rieke. Sie hat dir nichts getan", schaltet sich Tabitha ein. Die beiden scheinen einen Kampf mit Blicken auszutragen. „Beruhigt euch Mädels", lacht Nathan. „Wir sind anders als andere. Wir funktionieren anders", klärt Nathan mich auf. „Inwiefern anders?", frage ich nach, da ich nicht wirklich verstehe, was er mir sagen möchte. „Naja anders halt. Jeder von uns ist auf seine eigene Art und weise anders und passt deswegen nicht in die Gesellschaft da draußen", mischt sich Roxana ein. Da draußen. Sie sagt das mit einem Unterton, als würde sie etwas herauf beschwören. „Ich verstehe. Du hattest etwas von Geschichten erwähnt. Was für Geschichten?", frage ich nach. Roxana schenkt mir ein freundliches Lächeln und sagt: „Geschichten über Gott und die Welt. Über deinen Vater werden hauptsächlich Erzählungen mit deiner Mutter gemacht...." Ein lautes Donnerrollen verschluckt den Rest ihres Satzes. Gerade als ich nachfragen möchte, sagt Tabitha: „Lasst uns nach drinnen gehen. Bei Gewitter bin ich nicht gerne im Freien." „Sei nicht so ein Angsthase, Tabitha", sagt Rieke. Von Minute zu Minute wird Rieke mir unsympathischer. „Wenn sie bei Gewitter nicht draußen sein möchte, dann ist das doch vollkommen legitim", sage ich. Rieke wirft mir einen wütenden Blick zu. „Möchtest du noch mit ins Hauptgebäude kommen?", fragt mich Tabitha und ignoriert Rieke. „Wenn das für euch okay ist", möchte ich sicher gehen. Bis auf Rieke sind alle damit einverstanden.
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A mysterious Midsummer
AdventureSeit sie denken kann lebt Tori bei ihrem Vater. Durch eine mysteriösen Zufall verschwindet dieser. Allerdings scheint es keine Spur von ihm zu geben. Tori setzt ihr Vertrauen in die örtliche Polizisten. Doch da die Polizei nichts zu unternimmt schei...
