„Das war doch nur Spaß" sagten seine Lippen, aber seine Augen verrieten mir, das Gegenteil war der Fall.
Bei seinen Worten, lehnte er sich leicht nach vorne, wodurch sein kühler Atem meine Haut streifte. Ich zuckte leicht zurück, versuchte mir jedoch nichts anmerken zu lassen. Er soll nicht wissen, wie sehr er mich in diesem Moment einschüchterte.
Sein Grinsen wurde breiter und entblößte eine Reihe weißer Zähne.
Er stand nun wieder aufrecht, eine Armlänge von mir entfernt und hielt mich in seinem dunklen Blick gefangen. Ich sah meine eigene Silhouette in seinen rabenschwarzen Augen. Er blinzelte nicht.
„Ich zeige dir dein Schalfgemach. Du wirst sicher müde sein." Der Graf hatte sich bereits abgewandt. Jetzt wäre der optimale Zeitpunkt die Flucht zu ergreifen, doch stattdessen, beeilte ich mich, um mit seinen langen Beinen schritthalten zu können. Wir stiegen die Treppe empor, an der er sich vor wenigen Minuten zu uns herunter bewegt hatte.
Lediglich seine Beine bewegten sich. Sein Oberkörper blieb starr und auch seine Arme schwangen nicht im Rhythmus seiner Schritte mit.
Ich keuchte als wir oben ankamen. Aber damit war ich alleine. Der Graf schien vollkommen ruhig und gleichmäßig zu atmen.
Ich folgte ihm, mit etwas Sicherheitsabstand, den schwach beleuchteten Korridor hinunter. „Ganz schön düstere Einrichtung." Ich drehte meinen Kopf und sah die nackten Steinwände an.
Ein kühler Windhauch brachte mich zum Blinzeln. Als meine Augen wieder fokussiert waren, erkannte ich, dass das Gesicht des Grafen nur mehr wenige Zentimeter von meinem entfernt war. Er hatte einen Gesichtsausdruck aufgesetzt, als würde er mich gleich in Stücke reißen wollen.
Ich hielt die Luft an, als seine schwarzen Augen, meinen Körper entlang glitten. Er legte seinen Kopf schief. Ein freundliches Lächeln tauchte auf. „Du kannst gerne umdekorieren, wenn es dir nicht gefällt."
Überrascht über seine Worte, schüttelte ich leicht den Kopf. „Nein, kein Bedarf, danke."
Er drehte sich in einer schnellen Bewegung um und war bereits wieder einige Schritte weiter weg, bevor ich überhaupt realisiert hatte, was gerade passiert war. Ich stolperte ihm weiter hinterher.
Die schummrige Beleuchtung machte es mir unmöglich die Räume zu mustern, an denen wir vorüber gingen.
Ich wäre beinahe in ihn hin eingelaufen, da ich nicht bemerkt hatte, dass er stehen geblieben war.
„Da wären wir." Ein metallisches Hallen breitete sich aus, als er seine Hand mit unzähligen Ringen an den Fingern, auf die Klinke legte. Die Tür öffnete sich schwungvoll. Ich trat einen Schritt in den Raum, um meinen Augen, die Erkundung zu erleichtern. Die Einrichtung war einfach gehalten, aber dennoch sehr edel und prunkvoll.
Der Graf blieb die gesamte Zeit über wie angewurzelt stehen und beäugte mich von oben herab.
Ohne ein weiteres Wort, drehte er sich um und wollte gehen.
„Warten Sie!" Er erstarrte in seiner Bewegung, drehte sich jedoch nicht wieder zu mir um. „Sie haben mir noch gar nicht verraten wie Sie heißen."
Mehrere Minuten verstrichen, in denen nichts passierte. Er verharrte weiterhin in derselben Position, in der er mir den Rücken zu wandte. Lediglich seinen Kopf drehte er zur Seite. Ich konnte ihn im Profil betrachten.
„Harold Edward Styles der Zweite." Er hob seinen linken Arm an und streckte zwei seiner langen dünnen Finger in die Luft. Und untermalte so seine Aussage. „Aber du darfst mich Harry nennen, wenn du möchtest." Er wartete keine Antwort ab, sondern drehte seinen Kopf wieder nach vorne und verschwand in die Dunkelheit.
Ich blieb noch eine Weile stehen und starrte auf die Tür.
An Schlaf war für mich gar nicht zu denken. Ich schmiss meine Tasche auf das Bett und setzte mich neben sie. Mein Körper war zwar erschöpft, aber mein Kopf war es nicht. Meine Gedanken zogen kreisende Bahnen über alle möglichen Dinge. Warum wollten die Pferde nicht weitergehen? Woher wusste Coroline, wer ich war, obwohl ich mich nicht angekündigt hatte. Was war meine Aufgabe hier?
Die Hauptfigur meiner dunkelsten Gedanken war der Graf selbst. Jeder Blinde würde erkennen, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Er wirkte alles andere als menschlich. Aber trotzdem war ich immer noch hier.
Etwas an ihm wirkte bedrohlich und macht mir Angst, aber irgendetwas schien mich an ihm zu faszinieren und zog mich in seinen Bann. Ich lauschte seiner Stimme wie ein Tauber, der nach Jahren der Stille zum ersten mal wieder etwas hören konnte. Ich blendete meinen Selbsterhaltungstrieb aus, welcher mir signalisieren wollte, dass ich so schnell wie möglich von hier fliehen sollte. Dass das hier, kein Ort war, an dem man länger bliebt, als unbedingt notwendig.
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Der Graf || Larry Stylinson
FanfictionSeine langen Finger umschlossen meine Handgelenke. Er drückte mich gegen den Baum. Er kam meinem Nacken immer näher. Ich fühlte seine kalten Lippen, wie sie, auf der Suche nach meiner Halsschlagader, über meine erhitzte Haut glitten.
