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Aufgekratzt und hibbelig stand ich in der Küche. Ich musste mich ablenken, sonst würden meine Gedanken mich auffressen.

Ich zog die Schublade auf, in der sich das Silberbesteck befand. Hastig begann ich es zu polierten. Schnell und mit so viel Druck, dass mir die Finger schmerzten, zog ich das Tuch über die glatte Oberfläche, bis ich mich selbst darin spiegeln konnte.

Ich war so in meine Beschäftigung vertieft, das ich nicht merkte, wie Coroline die Küche betrat.

„Louis?" Besorgnis lag in ihrer Stimme. Sie legte ihre Hand auf meine und stoppte so mein Tun. „Was ist denn los? Du wirkst so verloren in den letzten Tagen. Ist etwas passiert?"

Langsam ließ ich das Silber sinken.

„Du kannst mit mir sprechen, Louis."

Ich atmete tief ein, sah mich um. Er war nirgends zu erblicken. Aber das musste nichts heißen, er bewegte sich nahzu geräuschlos.
Also packte ich Coroline am Arm und zog sie in das Kaminzimmer. Ich sprach leise. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmt."

Ihre Augen weiteten sich. „M-mit dir?"

„Nein" zischte ich.

„M-mit mir?"

„Nein Coroline." Ich schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Mit ihm." Ich formte diese Worte mit meinen Lippen, ohne einen Ton von mir zu geben.

„Mit Harold?" fragte sie mich.

„Du kannst nicht verleugnen, dass etwas nicht mit ihm stimmt."

Ihre Augen verengte sich zu Schlitzen. Sie zog eine Augenbraue nach oben und sah mich herausfordernd an. "Und was soll das sein?"

„Er wirkt alles andere als.." setzte ich an, doch ich schaffte es nicht den Satz zu beenden und meine Gedanken laut auszusprechen.

Doch Coroline zwang mich quasi zur Vollendung. „alles anderes als was?"

Ich atmete tief ein. Jetzt gab es kein zurück mehr.

„Alles andere als menschlich."

Eine ganze Weile passierte nicht. Sie sah mich aus ihren dunkelbraunen Augen an, ohne ein Wort zu sprechen. In ihrem Gesicht stand nichts geschrieben. Ihre Miene ließ keine Interpretation zu.

Als sie endlich dabei war, zu einer Antwort anzusehen, stieß ich schwer die Luft aus, die ich die gesamte Zeit in meiner Lunge behielt.

„Hörst du dir eigentlich selbst zu Louis?"

„Coroline, hör mich doch wenigstens an. Ich habe Gründe für mein Denken" versuchte ich mich zu verteidigen.

Sie starrte mich verständnislos an.

„Ich dachte, ich kann immer mit dir sprechen, aber dem scheint nicht so" sagte ich mit geknickter Stimmlage.

„Bitte" presste sie scharf hervor, während sie ihre Arme abwertend vor ihrer Brust verschränkte. Dennoch strahlte sie eine gewisse Unsicherheit aus.

„Seine Augen sind schwärzer als die Nacht. Seine Körpertemperatur ist viel zu niedrig. Sonne scheint sein größter Feind zu sein.." Immer mehr redete ich mich in Rage.

Coroline straffte ihre Schultern. Ich konnte ihrem Kehlkopf dabei zusehen, wie er sich bewegte, als sie kräftig schluckte. "Seine Augen sind einfach nur sehr dunkles Braun, die im richtigen Licht eben schwarz wirken. Er leidet an Durchblutungsstörungen und er war schon immer jemand der die Nacht mehr liebte als den Tag. Ist das alles so verwerflich?"

Ich ließ mir ihre Worte durch den Kopf gehen. Waren das plausible Erklärung? Oder doch nur ein kläglicher Versuch mich von meinen Gedanken abzubringen?
"Okay vielleicht magst du recht haben. Aber denk an die Treppe."

"Klar und wenn ich damit fertig bin, denk ich an das Sofa." Der Sarkasmus in ihrer Stimme war nur schwer zu überhören.

"Das meine ich nicht." Sie schien zu erkennen, wie ernst mir die Sache war. Coroline ließ ihre Arme sinken und sah mich erwartungsvoll an.

"Okay, was ist mit der Treppe?"

"Nichts Nichts nichts nichts nichts Plateau nichts nichts nichts Knarr nichts", erklärte ich ihr die Geräusche die die Treppe machte. Aber sie sah mich nur an als hätte ich den Verstand verloren.

„Die vorletzte Stufe knarrt, aber komischerweise nicht wenn Harry nach oben geht" erklärte ich ihr, in der Hoffnung, sie würde mich endlich verstehen.

Kaum merklich schüttelte sie den Kopf. "Dann lässt er die vorletzte Stufe eben immer aus." Sie hob ihre Arme in die Luft und zog die Schultern nach oben.

„Warum schützt du ihn so? Coroline ich.." langsam stieg meine Wut. Wie konnte sie nur so ignorant sein.

„Nein Louis! Warum das alles plötzlich? Ist es wegen Eleazer, wegen dem Schwachsinn den er gesagt hat? Ich sag dir etwas über Eleazer, er ist ein Narr. Ein Narr der den Verstand verloren hat. Und du erinnerst mich gerade sehr stark an ihn." Tränen stiegen ihr in die Augen.

„Coroline...es tut mir leid, bitte höre auf zu weinen." Es schmerzte in meiner Brust sie so zu sehen.

„Ich weine nicht" schluchzte sie und dreht sich leicht von mir weg, sodass ich ihre Tränen nicht sehen konnte. „Harold ist ein tolles Geschöpf. Er hat mich schon vor Gefahren bewahrt, von denen ich noch nicht mal wusste, dass sie eine Gefahr darstellten." Ihre Stimme war tränenerstickt. „Und jetzt stehst du hier vor mir und willst mir weiß machen... willst mir weiß machen... ja was willst du mir überhaupt weiß machen Louis?" Sie drehte sich wieder zu mir. Ihre Augen glitzerten. Ihre Wagen waren rot und mit Tränen benetzt.

„Nichts Coroline, ich möchte dir nichts weiß machen. Es ist alles in Ordnung." Ich zog sie in meine Arme und drückte ihr einen leichten Kuss auf den Scheitel.

Ich ließ sie wieder los und ohne ihr nochmals in die Augen zu sehen, wandt ich mich ab und lies mich aufs Sofa fallen.

Coroline kam mir nach. Vor mir ging sie in die hocke und hielt sich dabei an meinen Knien fest. "Louis, ich kenne ihn schon seit Jahren." Eine kurze Pause entstand, in der sie die richtigen Worte zu suchen schien. „Harold hat ein gutes Wesen. Vielleicht mag er ein bisschen eigen sein, aber er hat schon so viel gutes für mich getan."

Während Coroline zu mir sprach, musterte ich ihr Gesicht. Ein Ausdruck voller Liebe war zu erkennen. Sie sprach die Wahrheit. Aber dennoch entging mir nicht, wie sie unbewusst mit ihrer linken Hand, die Narben an ihrem Handgelenk massierte.

Schnell wand ich den Blick ab, bevor sie erkennen konnte, dass mir diese Geste nicht entgangen war. "Ich glaube Dir."

"Bitte lass es einfach auf sich beruhen. Versuche Harold zu akzeptieren, wie er uns akzeptiert." Ihr unschuldiger Blick machte es mir schwer, ihr zu widersprechen.

"Okay." Ich hob meine Handfälchen in die Luft und simbolisiere ihr so, dass ich mich ergab, ehe ich mich vom Sofa erhob und wieder zurück in die Küche ging.

Sie kam mir nach und blieb unmittelbar vor mir stehen. "Versprich es mir." Corolines liebliche Miene, war zu einer traurigen Maske verzogen.

"Ich verspreche es", sagte ich ihr direkt ins Gesicht, während ich meine Finger hinter meinem Rücken verkreuzte.

Der Graf || Larry StylinsonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt