Kapitel 5

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Die Mittagssonne knallte auf Ryans Schädel, sodass es sich anfühlte als würde sein Hirn anfangen zu kochen. Lange hielt er diese Hitze nicht mehr aus. Selbst Alice hatte sich ihren Badeanzug den sie immer dabei hatte übergezogen und planschte mit zwei anderen Kindern im Meer. Wenn Ryan sich recht erinnerte, hießen die beiden Louis und Louisa. Eine Glanzleistung an Kreativität die beiden Zwillinge auch noch beinahe gleich zu nennen. Wo die beiden sich sowieso schon zum verwechseln ähnlich sahen. Erst bei genauerem hinschauen erkannte man den Unterschied durch ihre Geschlechter.

Später am Nachmittag würden sich alle Gestrandeten treffen. Sie wollten entscheiden was sie machen wollten. Es gab eine Menge gespaltener Meinungen. Einige wollten ins Innere der Insel vorstoßen und sich dort ein großes Lager aufbauen. Andere wollten am Strand bleiben und auf Hilfe warten. Vielleicht ein großes Feuer zünden, welches man selbst aus weitester Ferne sehen musste. Ryan wusste selbst nicht auf welche Seite er sich stellen sollte. Aber diese pralle Sonne hielt er nicht länger aus. Und auch die anderen schienen langsam an der Hitze zu verzweifeln.

Mit großen Schritten kam Emil auf ihn zu. An seiner Seite stand ein dünner schlaksiger Typ. Er hatte eine ungewöhnlich große Wunde quer über sein Gesicht gezogen und sah zum Fürchten aus. Bei näherem hinsehen jedoch erkannte man die Angst in seinen Augen. Die Angst die er schon in so vielen Gesichtern gesehen hatte.

,,Ryan, können wir dich kurz sprechen?", Emil runzelte die Stirn und schaute ihn ernst an.

,,Was gibt's?", fragte Ryan überrascht und legte den Palmenwedel, mit dem er sich gerade Luft zufächeln wollte, auf seinen Haufen zurück.

,,Die Leute werden unruhig. Die Hitze setzt Ihnen zu. Dazu kommen die Verletzungen die sich kaum erholen können. Ein paar haben schon einen Sonnenstich.'', die sorgenvolle Miene auf seinem Gesicht verstärkte sich. Heftig begann der schlaksige Typ zu nicken.

,,Ja genau! Außerdem fangen die Leichen an grässlich zu stinken.", er nickte unaufhörlich weiter. Ryan warf Emil einen fragenden Blick zu, worauf sich ein schmunzeln über seine Lippen legte.

,,Das ist Ian. Er ist Krankenpfleger und hilft mir bei den Verletzten. Also, Ryan. Was machen wir jetzt?", seine fragende Miene verwirre Ryan.

,,Wieso fragt ihr mich das?", er konnte seine Verwunderung kaum verbergen. Woher sollte er das wissen? Er war nur ein 20 jähriger Typ der zufällig auf dieser Insel gelandet war. Emils Blick wurde hart.

,,Du spielst hier eine entscheidende Rolle, Ryan. Die Leute hören auf dich und suchen deinen Rat."

,,So ein Quatsch.", er machte eine verwerfenden Geste und schaute verunsichert zwischen Emil und Ian, der nur weiter heftig nickte, hin und her.

,,Du hast so vielen Menschen geholfen, die vertrauen dir.", Ryans Verwirrung wuchs weiter. Er hätte nie gedacht, dass er in diese Rolle schlüpfen sollte. Emil, ja. Lester vielleicht auch. Aber er? Er hielt sich selbst für komplett ungeeignet und inkompetent aber Emils Gesichtsausdruck zu urteilen interessierte ihn das kein Stück. Mit einem tiefen Seufzer ließ Ryan sich in den Sand fallen.

,,Na los.", er deutete auf den Boden.

,,Besprechen wir die Lage." Die Dämmerung verschluckte langsam aber sicher die Sonne und die Hitze begann sich endlich zu legen. Ein leichter Wind hauchte durch sein Shirt und zog den Stoff mit sich. Nun saßen sie alle da. Sie waren um die 50 Leute. Sie hatten alle das selbe erlebt aber jeder wurde anders damit fertig. Im Gegensatz zu einigen aus ihrer Runde, die weiterhin bitterlich weinten und flehten, fand er, dass er einer derjenigen war, die sich mit der Situation abgefunden hatten. Ein rundlicher Mann mit einer halben Hornbrille meldete sich zu Wort nachdem Emil das Nuscheln und Flüstern der Menge unterbrochen hatte. In seiner rechten Hand hielt er einige Zettel. ,,Ich habe hier die Passagierlisten gefunden.", das Gemurmel begann erneut und Emil hat Mühe alle erneut zu beruhigen. ,,Wie viele waren an Bord?", Ryans Stimme hallte durch die Menge und ließ alle augenblicklich verstummen. Der Mann presste die Lippen aufeinander und warf einen Blick auf die Papiere.

Long way homeWhere stories live. Discover now