„Ich habe es selbst gehört! Es ist definitiv ein außercyrillisches Objekt, wahrscheinlich ein interstellarer Flugkörper.“
Sie musterte ihren Untergebenen mit einem skeptischen Blick, während dessen Ton sich nun fast flehentlich anhörte.
„Außercyrillisch, so glauben sie mir doch! Das Datenmaterial stammt von Gantum, unserer modernsten Einrichtung. Es besteht kein Zweifel am Ursprung dieses Objekts und wenn Sie mich fragen …“ Sie fiel ihm unvermittelt ins Wort. „Sie fragt aber keiner, sie haben nur eine Aufgabe, einen einzigen Zweck, mir Informationen aus Kautor zu liefern. Ihre Meinung interessiert mich nicht oder glauben sie, bloß weil sie in einer Forschungseinrichtung arbeiten interessiert mich ihr Gewäsch?“
„Aber ich, ich, … ich wollte nur …“ Er stammelte.
Ihre Stimme wurde lauter. „Sie wollen? SIE wollen? Sie haben überhaupt nichts zu wollen, sie haben nur zu berichten! Vergessen Sie niemals wo ihr Platz ist! Sie sind ein kleines Rädchen im Getriebe unserer großen Bewegung! Oder halten sie sich etwa für unersetzlich? Glauben sie, sie sind der einzige in Kautor der für uns arbeitet?“ Sie genoss seine Verunsicherung sichtlich und ballte ihre rechte Hand zur Faust, bis ihre Knöchel weiß hervortraten.
„Nein, mein Oberhaupt nein, ich, ich wollte doch nur berichten – für die Bewegung!“ Bei dem letzten Worten wickelte er sich die rote Kette um die Faust, das Grußzeichen der Radikalen.
„Dann berichten Sie und ersparen Sie mir ihre Anmerkungen.“
„Es gibt keinen Kontakt, obwohl wir Botschaften in allen Sprachen und Formeln geschickt haben. Das Objekt steuert nicht auf unseren Planeten zu, sondern wird wohl nur sehr nah an uns vorbeifliegen, etwa in Höhe unserer eigenen Satelliten. Mehr wissen die auch nicht und zerbrechen sich natürlich den Kopf über Herkunft und Absicht. Und, … und sie wollen es geheim halten, um eine mögliche Panik unter der Bevölkerung zu vermeiden.“ Er wirkte sichtlich erleichtert und wartete, einem geprügelten Hund gleich, auf das Lob seines Oberhaupts.
„In 7 Zyklen erwarte ich einen neuen Bericht, ohne Anmerkungen und dann gefälligst mit mehr Informationen. Verschwinden sie!“
Der junge Untergebene verschwand mit hängendem Kopf, während das Oberhaupt die Demütigung ihres treuen Dieners sichtlich genoss. Die Genugtuung war unbeschreiblich, ja so gar die Gebildeten, die Studierten fielen vor ihr auf die Knie. Früher hätte sie keiner von ihnen auch nur angesehen und jetzt konnte sie sie im Staub kriechen lassen, wenn ihr danach der Sinn stand. Was für eine Fügung, sie war mehr denn je fest davon überzeugt ein Werkzeug des Schicksals zu sein, erwählt für eine besondere Aufgabe. Erwählt ein Imperium zu errichten, von ungekannter Größe über die Tagseite bis hin zur Nachtseite von Cyrill. Mit eiserner Faust würde sie herrschen und die Fahlen vom Antlitz des Planeten tilgen.
In einer dunklen Ecke des Raumes saß ihr engster Berater, still, abwartend, ja fast lauernd. Sie blickte in seine Richtung. „Was denkst Du?“
Er ließ sich Zeit für seine Antwort, beugte den Oberkörper nach vorn, so dass nur sein Gesicht im Licht zu sehen war. „Eine Panik unter der Bevölkerung –wunderbar.“ Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „ Panik ist genau das was wir vor den Wahlen brauchen. Mein Oberhaupt, bedenken Sie nur die Wirkung, wenn wir als erste über die außercyrillischen Eroberer berichten! Die eigene Regierung verschweigt die große Gefahr in der wir schweben und nur SIE haben den Mut die Bewohner über das drohende Unheil zu informieren. DAS könnte die Wahlen zu unseren Gunsten entscheiden, die Parteien mögen glauben, dass Sie uns Radikale an die Wand drücken können, aber wir werden ihnen noch zeigen wozu wir fähig sind.“
Sie sah gedankenversunken aus dem Fenster. „Eine Fügung des Schicksals, die Macht ist zum Greifen nahe und wenn wir sie einmal haben, dann müssen sie sie schon unseren kalten, toten Händen entreißen.“
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Areion - Das letzte Echo
Ciencia FicciónWofür opfern wir unsere Freiheit? Wer verteidigt eine Gesellschaft gegen ein skrupelloses Regime? Auf dem weit entfernten Planeten Cyrill erleben die Bewohner eine Krise und tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche, bis eine Entdeckung alles verän...
