Während der Sturmsaison waren die unterirdischen Gärten der Stadt Marwei ein beliebter Aufenthalts- und Erholungsort. Die Tunnel selbst waren etwa drei Stockwerke hoch, in der Mitte befand sich eine Allee an deren Rändern verschiedene Bäume der heimischen Vegetation standen. Die Seitenwände liefen zur Decke hin spitz zu, am höchsten Punkt war ein langes Lichtband angebracht, welches über die gesamte Länge des Tunnels künstliches Sonnenlicht erzeugte. Rechts und Links verliefen auf zwei Stockwerken durchgängige Balkone mit verschiedenen Geschäften und weiteren Bepflanzungen. Seit ihrem letzten Gespräch war einige Zeit vergangen, Ingraph und Swakesh saßen auf einer Bank an einem künstlichen See und beobachteten die übrigen Besucher des unterirdischen Refugiums.
„Und der Narub hat wirklich schon Testflüge abolviert.“ Ingraph blickte ungläubig.
Swakesh nippte an seinem Akok Tee zum Mitnehmen. „Wenn ich es dir doch sage, das ganze System ist wirklich einsatzbereit. Angeblich hat das Teil sogar schon vollautomatisch Starts und Landungen absolviert.“
„Ich hätte nie gedacht, dass die mit dem SRT Programm so weit vorangekommen sind. Du hast Glück gehabt.“
„Naja, wie man es nimmt. Der SRT ist nicht das Problem, sondern die Andockvorrichtung. Es gibt bisher keine für die Raumstation, eine Andockvorrichtung für unsere Zwecke muss erst angefertigt werden. Sie muss sich von außen durch die Hülle des Objekts fressen und danach die Bohrstelle versiegeln, das wird eine komplizierte Vorrichtung. Hinzu kommt, dass wir nicht wissen was uns auf der anderen Seite erwartet. Gibt es da eine Atmosphäre? Ist eine Besatzung an Bord oder ist es nur eine automatische Sonde? Welche Druckunterschiede gibt es? Wenn ich nur daran denke, jede Antwort auf diese Fragen könnte potentiell tödlich sein.“ Swak stütze seinen Kopf auf seine rechte Hand und starrte deprimiert auf den See.
Ingraph legte ihm die Hand auf die Schulter. „Hey, ich denke Du hast vollkommen Recht, die ganze Sache wurde vollkommen überstürzt angegangen und es gibt einfach zu viele Dinge die schieflaufen könnten. Jeder hätte Verständnis dafür, wenn Du vom Posten des Missionsleiters zurücktreten würdest. Die ganze Geschichte ist doch eh nur eine politische Kiste, bei der es Reschleisch darum geht sich gegen die Radikalen zu behaupten.“
„Wie stehe ich denn da wenn ich jetzt aufhöre? Ich hab dem Staatspräsidenten persönlich versichert, dass ich diese Mission übernehmen werde. Und was ist mit den Radikalen? Ich glaube, du mein Freund hattest von Anfang an Recht und ich habe sie unterschätzt. Hast du gesehen wie sie meine Entdeckung missbraucht haben? Sie haben die Bilder gefälscht! Aber, was noch schlimmer ist, die Umfragen deuten auf einen Erdrutschsieg für diese Bewegung hin. Ohne SWAK74 wäre das so nicht möglich gewesen. Ich fühle mich in gewisser Weise dafür verantwortlich die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.“
„Ich sage es nur ungern, aber ich befürchte dafür ist es zu spät. Die Wahl ist in sieben Zyklen, du kannst bestenfalls in 43 Zyklen starten. Du würdest nicht mehr für Reschleisch, sondern für das Oberhaupt starten und niemand weiß was diese Irre tun wird, wenn sie erst an der Macht ist. All das ist keinesfalls deine Schuld, ich bitte dich, du bist Astronom und ein guter noch dazu. Du hast gute Arbeit geleistet, dass deine Entdeckung derartige Wellen schlagen würde konnte doch keiner ahnen.“
„Aber es ist nun mal meine Entdeckung. Hätte ich diesen blöden Himmelskörper doch nur übersehen.“
Ingraph war einen Stein in den See. „SWAK74 ist nicht das Problem, SWAK74 war nie das Problem. Es ist dieser dumpfe unterschwellige Hass, den die Krise zu Tage befördert hat. Ohne diese Ablehnung gegen alles Fremde und den Wunsch nach den guten alten Zeiten hätten die Radikalen nirgendwo einen Fuß auf den Boden gekriegt. Einen Sündenbock hatten sie schon, nun fehlte ihnen noch die passende Bedrohung. SWAK74 kam ihnen gerade recht, aber sie hätten auch irgendwas anderes konstruiert, nur um an die Macht zu gelangen.“ Ingraph kam langsam in Fahrt „Neben all der Politik wollen wir nicht außer Acht lassen, dass man Dich III Swakesh 7435 auf die Spitze einer Rakete schnallen will, um dich in die Umlaufbahn von Cyrill zu schießen. Ich meine für Dich ist eine Reise zur Nachtseite schon eine Zumutung, wie Du eine derartige Tortur überstehen willst ist mir ein Rätsel.“
Der Akok Tee war inzwischen abgekühlt und Swakesh nahm einen kräftigen Schluck. „Weißt Du, ich weiß manchmal nicht warum ich den akademischen Grad III und du die II hast.“ Er grinste. „Es stimmt schon, Du hast mit allem Recht, bis auf eine Sache.“
„Die da wäre?“
„Der Entdecker ist sehr wohl verantwortlich für die Folgen seiner Entdeckung. Die Väter der Kernspaltung wussten um die Gefahren ihrer Entdeckung und haben dennoch jede Verantwortung für die Entwicklung von Kernwaffen abgelehnt. Das Fundament zur Herstellung solcher Waffen haben sie dennoch gelegt. Und nun wird meine Entdeckung benutzt um einer unberechenbaren Bewegung den Weg zu bahnen, die wieder ein autoritäres Oberhaupt einsetzen möchte.“ Swakesh wandte den Blick vom Wasser ab. „Ich werde da raufgehen und beweisen, dass von SWAK74 keine Gefahr ausgeht. Ich werde die Verantwortung übernehmen, ich werde das Richtige tun, ungeachtet meiner eigenen Befindlichkeiten.“
„Sei vorsichtig, du bist der einzige Freund den ich in diesem Irrenhaus habe.“
Swakesh klopfte Ingraph auf den Rücken. „Komm mein Freund wir holen dir was zu essen, immer wenn du Hunger hast, wirst Du sentimental.“
DU LIEST GERADE
Areion - Das letzte Echo
Ciencia FicciónWofür opfern wir unsere Freiheit? Wer verteidigt eine Gesellschaft gegen ein skrupelloses Regime? Auf dem weit entfernten Planeten Cyrill erleben die Bewohner eine Krise und tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche, bis eine Entdeckung alles verän...
