Kapitel 19

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Kapitel 19

Ich lag auf dem Bett in Seaths Gastzimmer. Ich wusste nun mit hundertprozentiger Sicherheit, dass er nicht hinter den Mordfällen steckte. Jedoch sein letzter Satz über den kommenden Krieg, ließ mich unruhig hin und her wälzen. Waren wirklich alle so blind den kommenden Krieg zwischen Hexen und Vampire zu sehen? Oder waren wir, die kleine unwichtige Personen, einfach zu optimistisch, dass die Zukunft aus Gold und Honig bestand?

Und wenn ich genauer an gestern denke, konnte ich noch immer nicht verstehen, wer Sebastian wirklich war. Warum diese Liste verbrennen? Wollte er verhindern, dass jemand Wind von den geheimen Tunneln kriegt? Warum hat er Seath angegriffen? Er hat ihn fast ermordet...nein, das war seine Absicht. Er wollte ihn töten. Konnte es sein, dass das Konsulat angeführt von Seath für diese vier Mordfälle verantwortlich war? Und wenn diese Vermutung stimmte, was haben sie genau von Palvos und Hook gestohlen? Was waren diese magischen Gegenstände? Sie haben einen magischen Abdruck hinterlassen, der selbst noch nach einpaar Wochen sichtbar war. Sie mussten sehr mächtig sein und während ich hier innerliche Diskussionen führte, hielt jemand zwischen seinen Fingern diese magische Gegenstände.

Etwas wurde auf mich geworfen. Ich blickte auf und fand einen Mantel auf mich. Zeos stand vor meinem Bett. Er war ein sehr merkwürdiger Vogel. Vorallem seine blonde Haare, die fast weiß waren und mit Einklang zu seinen grauen Augen standen.

„Zieh dich an. Seath will, dass du ihn begleitest."

„Wohin?", wollte ich wissen.

„Seine Anweisung, seine Idee. Frag ihn." Er verschwand vor meinen Augen und hinterließ eine leichte Brise hinter sich. Meine Hand ging automatisch zu der Verletzung an meinem Hals. Sie war leicht blau aber dennoch sichtbar. Was hatte er bloß jetzt vor mit mir? Ich hätte mit Linda gehen sollen und nicht hier bleiben sollen. Was habe ich mir dabei gedacht? Dass er mir die Füße küsst, weil ich sein Leben gerettet habe? Ich schloss meine Augen. Ich wusste ganz genau weshalb ich hier geblieben bin. Jemand, der nie einen Giftzauber zum Opfer gefallen ist, wird nie verstehen unter welche unerträgliche Schmerzen man litt. Man wünscht sich jede Sekunde, dass jemand neben an steht und einem die Hand nimmt...das Gefühl gibt am Leben zu sein. Deswegen bin ich geblieben. Denn niemand anderes hätte wissen können, was er gebraucht hat. Ich machte mich fertig, blickte einmal im Spiegel, legte mir einen Schall um den Hals und ging runter wo Seath auf mich wartete.

„Wohin gehen wir?", fragte ich ihn.

„Einen Besuch bei Vex abzustatten.", drehte er sich bereits um und verließ die Villa. Eine Limousine stand im Hof. Ich folgte Seath und nahm neben ihm Platz. Kalem und Zeos saßen bereits drin. Zeos arbeitete am Laptop während Kalem nervös mit seinen Fingern spielte und ab und zu mich anschaute. Irgendwann nervte es mich also behielt ich meine Augen auf ihn als ich ihn erwischt habe. Er schaute sofort runter auf seine Finger. Ich seufzte und wandte mich zu dem Vampir neben mir. „Warum gehen wir Laritas Haus besuchen?"

„Wie du bereits wusstest, war sie mit einem Vampiren verheiratet. Er wurde tot im Haus aufgefunden."

Mein Mund blieb offen. Die Worte versuchten sich in meinem Mund zu formen, doch sie kamen nicht raus. Ich setzte mich gerade hin und blickte aus dem Fenster. Warum wurde ihr Ehemann jetzt umgebracht? Hat er nach etwas im Haus gesucht?

„Ich möchte, dass du dir den Tatort ansiehst bevor die MSA und der weiße Kreis auftauchen. Hier geht es um den Tod eines Vampirs. Er gehörte zu meinem Bezirk und war somit einer von uns. Es ist zu meiner privaten Angelegenheit geworden."

Ich schaute Seath von der Seite an. „Warum war er im Haus?", fragte ich ihn.

„Ich weiß nicht."

„Dann was vermutest du?", änderte ich schnell die Frage.

„Sag mir doch Aurora, du bist die Hexe hier. Du kennst deine Mitmenschen besser als jeder anderer."

Ich runzelte die Stirn. Er wirkte sehr genervt und ungeduldig. „Was genau weißt du über diese Mordfälle?"

Er drehte sich zu mir um, seine Arme geschleift. „Wirst du mir verraten was du weißt?"

„Frage gegen Frage.", grinste ich, „na schön. Sag mir was du weißt und ich werde dir verraten was ich weiß. Deal?"

Der Vampir fixierte seine Augen auf meine. „Deal.", sagte er schließlich.

„Aber erst nachdem ich mir Laritas Wohnung angeschaut habe. Wir sind nämlich da.", deutete ich mit dem Kinn auf das Haus. Seath sah aus wie eine Person, die gerade tausend Wege überlegte um jemanden umzubringen. Ich sprang schnell aus dem Auto. Der jemand war bestimmt ich. Als ich das Haus betrat war ich verblüfft von dem alten Barockmöbeln, die Vex ausgesucht hat. Alles sah so pompös aber zugleich auch sehr bequem. Es wurde sehr viel mit den Farben rot, dunkelgrün und gold gespielt. „Und schon was gefunden?", fragte Seath und schob mich in die Wohnung rein. „Wo wurde der Vampir aufgefunden?"

„Genau dort wo Larita gefunden wurde."

Schlaffzimmer also. Seath wanderte in diesem Haus als ob es sein eigenes wäre. Das bedeutete er war schon hier. Aber wann? Hat er die Leiche des Vampirs entdeckt?

Ich blieb an der Tür stehen. Der Anblick vor meinen Augen war grausam. Mein ganzer Magen drehte sich und ich spürte wie die Säure ihren Weg nach oben machte. Ich hielt die Hand vor meinen Mund und versuchte einfach den reglosen, abgeköpften Körper mitten in Raum zu ignorieren. Ich nahm einen Schritt vorwärts und bereute es sofort. Sein Kopf lag genau hinter der Tür. Ich entschied mich schnell in zweite Sicht zu gehen, so dass ich die Leiche nicht sehe. Die Welt ließ sich nur durch grüne Farbtöne sehen und magische, bunte Ströme und geometrische Formen. Der Raum war dunkel grün. Keine magische Präsenz war zu sehen außer, die der Vampire inklusive die Leiche. Ich versuchte durch den roten Nebel zu blicken, jedoch fand nichts Merkwürdiges. In Vergleich zu den anderen Tatorten, konnte ich weder die Auren eines Schattenwandlers noch der einer Hexe spüren. Ich verzog mein Mundwinkel. In diesem Raum gab es nichts. Ich drehte mich um und verließ den Raum. Ich ging vorsichtig durch die Fluren um nicht zu stolpern. Ein dünner, hellblauer Faden auf dem Boden lenkte meine Aufmerksamkeit. Ich bückte mich und versuchte mit meiner Magie den Faden aufzuheben. Wohin führte er? Ich hielt ihn in der Hand und folgte dem Faden bis es durch eine Wand ging. Etwas war hinter der Wand versteckt. Aber was? Ich hielt die Hand vor der grünen Wand und formte mit meiner Magie einen Kreis. Ich beschleunigte seine Drehung und ließ ihn gegen die Wand prallen. Ein Loch formte sich in der Wand. Ein hellblaues Kristall schwebte in der Luft. Ich nahm es in die Hand und verließ die zweite Sicht. Die Klarheit der Welt schlug gegen mich wie ein Auto. Ich taumelte nach hinten und wäre fast nach hinten gefallen, wenn jemand mich nicht aufgefangen hätte. Seaths kalte Hände hielten mich fest. Ich blickte in seine topasbraunen Augen. Sie erinnerten mich an den bunten Blättern im Herbst. „Was hast du gefunden?", fragte er sanft. Ich blinzelte verwirrt und versuchte auf meine Beine zu stehen. Sie fühlten sich wie Pudding an. Meine Augen wanderten zum Kristall in meiner Hand. Ein Zeichen war eingeritzt. „Locus, der erste magische Wesen der Welt.", murmelte ich perplex.  

Was denkt ihr über Seath, Aurora und der ganzen Situation?🧙‍♀️

Die Hexagonistin - vom Feuer verschlucktWo Geschichten leben. Entdecke jetzt