Kapitel 34

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Kapitel 34

Ich stand vor dem Fenster mit einem Gefühl der Einsamkeit und Leere. Mein Körper und mein Gehirn waren wach und zu gleich müde. Ein Paradox den man nicht erklären konnte. Ich war in meinem alten Ich versetzt, der seine Eltern verloren hat. Nun habe ich Linda verloren. Meine Gedanken analysierten immer wider das Geschähen. Hätte ich etwas anders machen sollen? Habe ich falsch gehandelt? Habe ich alles gegeben um Linda zu retten? Habe ich mein ganzes Wissen genutzt? Ich fiel immer auf dieselbe Antwort. Ja, ich habe alles gegeben. Ja, ich habe alles versucht. Ja, ich war zu schwach um diese Gehirnkontrolle zu brechen. Und ja, ich habe versucht das Unmögliche zu tun und hatte das Gefühl, dass ich trotzdem besser hätte machen können.

„Wie lange willst du noch vor dem Fenster stehen und trauern?", erklang die Stimme eines bestimmten Vampirs hinter mir.

„Solange ich will.", antwortete ich ohne meine Augen vom Fenster abzuwenden. Irgendwie habe ich nicht die Aussicht richtig aufgenommen. Wir haben Seaths Villa verlassen und befanden uns jetzt irgendwo in Chicago zwischen Banken, Versicherungen und Hotels. Die vier letzten Etagen dieses Hochhauses gehörten Seath. Unten versteckten sich seine Leute und hielten Wache.

„Du bist eine Sterbliche du musst etwas essen.", kam er zu mir näher.

„Ich habe kein Hunger.", näherte ich mich dem Fenster, um Abstand vom Vampir zu halten.

Seine Nähe war gerade unerwünscht. Während den letzten Tagen versuchte der Vampir mich zu trösten. Warum würde er ein mächtiger Vampir versuchen eine Hexe zu trösten? Die Antworten, die in meinem Kopf schwirrten, gefielen mir nicht. Eine Hexe suchte nicht die Nähe zu einem Vampir und ein Vampir suchte nicht die Nähe zu einer Hexe. Es war eine Regel seit langem existierte. Seit der Endstehung von Locus hassten sich diese Völker gegenseitig. Sie akzeptierten die Gegenwart eines anderen. Mehr nicht. Es war unerhört, dass eine Hexe und ein Vampir befreundet waren oder sogar verheiratet. Warum war aber es so störend? Fragte eine kleine Stimme in mir in der hintersten Ecke meines Gehirns, die zurzeit immer lauter wurde.

Ich hörte wie etwas auf dem Nachttisch neben dem Bett gelegt wurde. „Aurora, komm iss mit mir."

„Seath, du isst keine Nahrung.", lehnte ich meine Stirn gegen das kalte Glas. Die Tränen formten sich nicht mehr. Ich habe soviel geweint, dass ich nicht mehr weinen konnte. Jedoch meine Augen fühlten sich feucht.

„Meine Männer halten Ausschau nach..."

„Ich will nichts davon hören.", unterbrach ich ihn. „Ich möchte alleine sein."

„Ich versuche dir zu helfen kleine Hexe. Du zerstörst dich gerade selbst durch deine Trauer. Ich weiß wie schwer es ist einen geliebten Menschen zu verlieren. Aber..."

„Aber was?", drehte ich mich um wütend, „deine Wörter werden Linda nicht zurück zum Leben bringen. Sie hat sich aufgeopfert für die Sicherheit der Welt. Sie hat die drei Worte gesprochen, die eine Hexe nie sagen darf!"

„Tausend mal das Geschähen in deinem Kopf wiederzuspielen wird auch nicht Linda zurück bringen."

„Nein, da hast du Recht. Aber es wird das Leben von anderen retten können.", ballte ich meine Hand und verließ den Raum. Ich lief den Korridor entlang und hielt vor der geschlossen Tür an. Ich klopfte. „Nur Aurora darf rein!", hörte ich ihn sagen. Ich grinste leicht obwohl mir es nicht zu Mute war. „Mam!", kam ich herein und schloss die Tür hinter mir zu. Sein Zimmer war dunkel und wurde nur von den Bildschirmen der zahlreichen Computer beleuchtet. „Was machst du?"

„Versuche herauszufinden wo diese Raten sind.", tippte er hastig auf den Tasten.

„Warum raten?", setzte ich mich neben ihm hin und blickte auf die Bildschirme.

Die Hexagonistin - vom Feuer verschlucktWo Geschichten leben. Entdecke jetzt