Kapitel 11 - Ich vermisse dich

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Shu POV

Obwohl er erst einem halben Tag nicht mehr hier war, vermisste ich ihn schon wie verrückt. Sein lieblicher Duft hing noch immer in seinem Zimmer. Als ich es betrachtete wirkte es wieder genau so leer wie vor seiner Ankunft, vor kanpp einnem halben Jahr. Ich erinnerte mich daran wie sich unsere Blicke das erste mal getroffen haben und als ich gesehen hatte wie er auf seiner Geige spielte. Seine sanften Bewegungen mit dem Bogen bildeten den wunderbaren Kontrast zu seiner rauen Persöhnlichkeit. Die Klänge waren in meinem kopf verwurzelt geblieben. Bis heute. In meinen Ohren drangen die Balladen von Chopin und ich erinnerte mich das ich Hiro damals mal etwas von ihm auf dem Klavier vorgespielt hatte. Er hatte es mit einer Begeisterung angehört die jede Stimmung in einer Oper übertrumpfen würde. Seine Augen hatten gestrahlt und mit jeder Minute wurde seine Begeisterung größer.
Doch jetzt wirkte alles kalt und leer. Ich ging zu seinem Bett und strich sanft über den Bezug. Er hatte ihn ordenlich zusammengelegt, als wäre er niemals hier gewesen. Die Tür des Balkon stand offen. Doch von draußen drangen keine Gesänge der Vögel. Die Wolken verdeckten den Mond und das Anwesen war stockdunkel. Ich schloss die Tür und seufzte in mich hinein. Bald würde in dieses Zimmer wieder jemand einziehen. So war es schon immer. Nicht länger als ein paar Wochen würde es dauern bis wieder eine Opferbraut ihr Leben für uns hingeben muss. Ich drehte den Lautstärkeregler der Kopfhörer nach oben. Alle Geräusche um mich herrum wurdden lautlos und nur die durchdringenden Töne fühlte ich. Ich verließ den Raum und legte mich auf das Sofa im Musikzimmer. Doch die Erinnerungen an ihn wurden dadurch nur noch unerträglicher. Ich hatte Reiji vergeblich versucht die Adresse des Heimes zu entlocken doch er wollte sie mir einfach nicht sagen und ich auch hatte keine Lust mich länger als nötig mit diesem Typen zu unterhalten. Es war mir schon genug das ich in dem selben Haus wohnte wie er. Ich konnte ihn jetzt noch weniger ausstehen als zuvor. Ich hoffte das Hiro mit dem Geschenk etwas anfangen konnte. Ich wusste nicht viel über die moderne Welt außerhalb dieses Hauses. Früher war mal ein Dorf in unsere Nähe gewesen doch seit einem verherenden Brand existierte das nicht mehr. Seitdem muss eine Ewigkeit vergangen sein. Ich hatte aufgehört die vergehenen Jahre zu zählen. Doch Hiromu schien sehr an diesem Gerät gehangen zu haben. Als ich einschlief überkamen mich Albrträume.

Als ich meine Augen wieder öffnete stand der Mond bereits fast im Zenit. Ich schwitzte etwas und in meinem Kopf war alles durcheinander. Die Balladen waren nicht mehr zu hören, trotzdem drang Klaviermusik in meine Ohren. Laito saß am Klavier und spielte, mit einer Hand, eine traurige Melodie vor sich hin. Er summte dazu. Sein Hut hatte er auf die Ablage des Flügels gelegt. Dies tat er immer wenn er musizierte. Er bemerkte meine Blicke und hörte auf. Der letzte Ton seines Stücks zog lang durch den Raum.
"Na Liebeskummer?" fragte er schelmisch grinsend.
"Rede keinen Unsinn" entgegnete ich trocken. Aus seinem Mund erklang ein hohes, schallende Lachen. Er fuhr sich mit siner Hand durch seine Harre. Seine grünen Augen durchbohrten mich förmlich. Er stütze seinen Kopf auf seine Hand und überschlug die Beine. "Ich kann dich gut verstehen. Ich vermisse ihn auch aber wahrscheinlich nicht aus dem gleichen Grund wie du." sagte er lüstern und leckte sich über die Lippen. "Du verstehst das doch gar nicht" sagte ich monoton. Es störte mich dass er von mir und Hiro wusste. Doch bis jetzt hatte er Wort gehalten und nicht ein Sterbenswörtchen darüber verloren. Er blickte mich unverständlich an und antwortete mit einer gespielten Empörung. "Wie kannst du nur so etwas behaupten" Er ging mir grade ziehmlich auf die Nerven und ich wünschte mir, er würde endlich verschwinden. "Was willst du von mir?" fragte ich jetzt, deutlich machend das er unerwünscht war. "Eigendlich nichts weiter" sagte er schließlich, stand auf und verliß das Zimmer. Ich wollte mich grade umdrehen und weiterschlafen als mir ein schwarz-weißer Gegenstand auffiel. Er lag auf dem Klavierhocker auf dem Laito bis eben gesessen hatte. Es war ein Pullover. Um genau zu sein einer von den Kapuzenpullovern die Hiromu immer getragen hatte. Ich stand auf und nahm ihn in die Hand. Er gehörte unverkennbar ihm. Wo hatte Laito ihn nur her? Ich würde es nachher herrausfinden. Im Moment war ich einfach froh etwas von ihm zu haben. Ich roch Hiros Duft an ihm. Der liebliche Duft seines Körpers stieg in meine Nase und ich begann ihn noch mehr zu vermissen. Auf einmal bemerkte ich mein eigenes seltsames Verhalten. Früher hätte ich mir niemals träumen lassen können das er, ein Junge, mir einmal so den Kopf verdrehen könnte. Ich war mir sicher das er ebenfalls so dachte. Aber ich konnte einfach nichts dagegen tun. Jetzt war es auch zu spät dafür. Ich teleportierte mich in mein Zimmer und legte den Pullover in die Schublade der Komode. Anchließend begab ich mich ins Spielzimmer und beobachtete Ayato beim Poolbilliard gegen Laito. Als dieser mich bemerkte blickte er mich schmunzelnt an. Mein Blick blieb jedoch unverändert. Nach einer Weile wurde es mir zu langweilig und ich legte mich auf meinem Lieblingsplatz im Wohnzimmer hin.

Diabolik Lovers - Der Stich der blauen RoseWo Geschichten leben. Entdecke jetzt