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„Kate, komm schon, komm zu dir.", hörte ich eine Stimme nach mir rufen, doch das einzige was ich sah, war tiefe, leere Schwärze. „Verdammt, sie wacht nicht auf!", seufzte die Stimme und ich spürte etwas an meinem Arm, so als würde sich jemand an mich festkrallen. „Alter, du brichst ihr gleich den Arm, mach mal Platz!", ertönte eine tiefere Stimme und der Druck von meinem Arm verschwand. Stattdessen spürte ich eine angenehme Wärme an meinem Hals, die langsam zu meiner Wange wanderte und dort verweilte. „Ihr Puls rast wie verrückt, sie braucht frische Luft und muss sich irgendwie beruhigen.", erklang die tiefere Stimme von vorhin dicht über mir. „Okay, komm ich trag sie.", bot jemand weiter entfernt von mir an. „Ich mach das.", erwiderte die Stimme über mir leise und sofort spürte ich wie sich die Wärme von meiner Wange entfernte, aber dafür weiter durch meinen Körper ausbreitete. Sie war mir bekannt, aber irgendwie wollte ich mich dagegen wären, mein Verstand zumindest, mein Körper gehörte gerade sowieso nicht mir.

Aber du musst dich zusammen reißen Kate, öffne die Augen!

Vorsichtig versuchte ich die Augen zu öffnen, doch es klappte nicht, als hätte ich es verlernt. Als der harte Untergrund unter mir allerdings verschwand, verspürte ich Panik. Ich konnte spüren, wie ich durch die Luft schwanke, doch erkennen konnte ich immer noch nichts, es sah nur so aus als ob ich tiefer in die Schwärze fallen würde und das machte mir Angst, große Angst. Nein! Nein! Lass mich! Ich will nicht, geh weg! Ich spürte wie ich mich verkrampfte. Hektisch versuchte ich mich zu bewegen und plötzlich rissen sich meine Augen wie von alleine auf. „Nein! Lass mich!", erklangen Schreie aus meiner Kehle und ich sah mich unruhig herum, suchte nach dem Halt, der mich in der Luft hielt und klammerte mich daran, wie eine Ertrinkende krallte ich meine Finger in etwas und blinzelte gegen das Licht.

„Wow, ganz ruhig Tiger.", erklang es dicht neben meinem Ohr und mein Kopf zuckte erschrocken nach ihr. Panisch sah ich in Noahs Gesicht vor mir, doch klar denken konnte ich nicht, viel zu sehr war die Angst davor in die Schwärze zu fallen, ich wollte nicht sterben, noch nicht, am liebsten niemals! Doch als Noah mein Gesicht sanft zu sich drehte und ich in das tiefe Blau sah, dass diesmal keinem frostigem Eis glich, sondern mehr einem wunderschönem Meer, beruhigte ich mich langsam. „So ist gut Tiger, du hast uns echt einen Schrecken eingejagt.", lächelte er leicht und ich erkannte Jake hinter ihm. Der arme Junge war blass im Gesicht geworden und die Panik stand ihm direkt ins Gesicht geschrieben.

„Oh, tut.tut mir Leid.", meine Stimme klang mir seltsam fremd und ich versuchte von Noah weg zu rücken, da mich die Nähe zu ihm unsicher machte. Doch dabei wäre ich fast hingefallen, denn es war Noah der mich festhielt und auf den Armen trug. Und an den du dich festklammerst. Erschrocken nahm ich meine Hände von seinem Nacken und seiner Schulter und er verzog kurz schmerzvoll das Gesicht. „Tschuldige.", flüsterte ich, als ich die roten Striemen erkannte. Doch als er nur sanft lächelte, verstand ich die Situation erst. Sie dürfen nichts davon erfahren!

„Lass mich runter.", gab ich lauter von mir und sprang bereits von Noah weg. Zwar wurde mir kurz schwindelig, als ich auf eigenen Beinen stand, aber ich zwang mich stehen zu bleiben und sah zu Jake „Mir gehts gut, tut mir Leid für den Schrecken, ich war nur Müde und hab heute noch nichts getrunken.". Er nickte leicht und kam auf mich zu. Kurz sah er mich nochmal prüfend an, ehe er mich in seine Arme zog. Entschuldigend erwiderte ich die Umarmung und sah zu Noah, der seine Kifer fest zusammen gepresst hatte. „Sind wir fertig, war das Video gut?", fragte ich, nicht dass wir wegen mir nicht antreten könnten. „Ja, alles drin.", sagte er knapp und drehte sich um, um zurück in die Lagerhalle zu gehen. Da war er wieder, der arrogante Arsch. Doch seine Führsorge von vorhin hatte ich nicht vergessen und diese beschäftigte mich auch, als wir erneut in seinem Auto saßen und Noah mich zurück fuhr.

Jake war selber nach Hause gegangen, da er in der Nähe wohnte und er würde das Video abschicken, was hieß, dass er die Antwort von der Jury zuerst bekommen würde. Hoffentlich waren wir gut genug!

Doch in meinem Kopf schwirrte immer noch das Geschehen von vorhin. Zum Glück hatte Noah erkannt, dass ich nur frische Luft brauchte, wenn sie den Krankenwagen gerufen  und erfahren hätten, was ich krampfhaft versuchte vor ihnen zu verbergen, wäre ich am Ende. Deswegen verstand ich auch etwas anderes. Noahs Fürsorge war nicht gespielt sondern vollkommener Ernst und deswegen war ich mir nun ziemlich sicher, dass er genauso wie ich etwas verbarg. Aber es war nunmal sein gutes Recht weswegen ich das ganze mit Lilly akzeptieren musste und ihn dafür nicht hassen durfte. Ich könnte zwar, aber ich wollte nicht, nicht dafür, ich hatte genug andere Gründe, deswegen musste ich es einfach so hinnehmen.

Langsam hob ich den Kopf und erkannte das wir längst stehen geblieben waren. Fragend drehte ich mich zu Noah und bemerkte, dass er mich musterte. „Ähm Danke fürs fahren.", murmelte ich und wollte die Autotür öffnen, doch Noahs Griff um mein Handgelenk hielt mich zurück. Sofort drehte ich mich zu ihm und wollte mich von ihm reißen, denn allein diese winzige Berührung brachte mich zum rasen, doch er ließ es nicht zu und verstärkte den Druck nur etwas mehr. Es tat nicht weh, es tat nie weh wenn er es so machte, körperlich zumindest. „Und dir gehts auch wirklich besser?", misstrauisch musterte er mich. „Ja Noah, dass hab ich doch schon vorhin gesagt.", seufzte ich und hielt seinem Blick stand. „Ganz sicher? Du hättest nicht einen Blackout wegen irgendwas, was dir passiert ist? Da drinne?", fragte er weiter und deutete auf mein Haus. „Was?", blaffte ich ihn überrascht an. „Ich hab die Bierflaschen gesehen und..", seufzte er und sein Blick würde sanfter. „Nein Noah! Nur weil meine Stiefmutter trinkt, heißt dass noch lange nichts verstanden?! Außerdem so wie du mir so ich dir, es geht dich nichts an!", unterbrach ich ihn. Zwar hat er nicht ganz Unrecht, aber lieber würde ich zurück in diese Schwärze fallen, als ihm etwas davon zu erzählen.

„Ist gut, ich hab es verstanden!", brummte er und ließ zu, dass ich mich von ihm entzog. Bevor ich die Autotür jedoch wieder zuschlug, sah ich ihn unsicher an „Danke, also für heute, du hast mich echt überrascht.".

Heartbeat(ABadboyStory)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt