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Der Wind wehte um mich herum und zog wie ein wildes Tier an mir, während der rauchartige Nebel alles um mich herum zu verhüllen versuchte ,als ich den Bürgersteig entlang lief. Ich hatte das Gefühl, der Wind würde mich jeden Moment vom Boden reißen und mich sich in den weiten, unendlichen Himmel ziehen und die viel zu schnell fahrenden Autos mit den grellen Scheinwerfern machten es nicht gerade besser auf dem eh schon schmalen Gehweg.
Fluchend strich ich mir meine Haare aus dem Gesicht, als erneut ein Wagen an mir vorbei raste und somit eine Windwelle gegen mich stoß.

Seufzend blieb ich an der Kreuzung stehen und kramte in meiner Jackentasche nach dem Schlüssel für das Studio. „Ach komm schon!", rief ich genervt aus, als erneut ein Auto viel zu nah an mir vorbei fuhr und mich erschreckte, so dass ich den ersehnten Schlüssel fallen ließ. Doch als ich mich nach ihm Bücken wollte, zog etwas ganz anderes meine Aufmerksamkeit auf sich.

Ich erkannte Lilly, Noahs Schwester. Fröhlich hüpfend kam sie den Gehweg hinunter und kümmerte sich nicht um den Wind, der ihr blondes Haar herum wehen ließ, jedoch kümmerte sie sich auch nicht sonderlich um die Straße mit den fahrenden Autos. Blind griff ich nach dem Schlüssel, aber ließ Lilly nicht aus den Augen, den mich überkam ein ungutes Gefühl, als sie die Straße überqueren wollte und ich bekam recht.

Gerade als Lilly die Straße halb überquert hatte, erklang ein lautes Brummen. Ein Lastwagen bog gerade um die Ecke und fuhr mit hohem Tempo auf das kleine Mädchen zu, welches ihn noch nicht entdeckt hatte. Doch auch der Lastwagenfahrer hatte sie vermutlich nicht gesehen und fuhr deswegen in seiner Geschwindigkeit weiter.

Ein kalter Schauer jagte mir den Rücken runter, als ich mich abstieß und auf Lilly zu rannte. Panik durchflutete mich vom Haaransatz bis in die Fußspitzen, als ich das laute, dröhnende Hupen des Fahrers hörte. „Lilly!", schrie ich ihr zu, mir fehlte immer noch ein kleines, dennoch verherendes Stückchen bis zu ihr. Leider hörte auch sie das Hupen und wand ihr Gesicht zum Geräusch. Erschrocken blieb sie wie erstarrt stehen und riss die blauen Augen ängstlich auf, als sie das warnende Licht des Lastwagen sah, welches von seinen Scheinwerfern ausging.
Nein, nein, nein!
Dann geschah alles so schnell. Von einer Sekunde auf die andere, schneller als ich einatmen konnte, streckte ich meine Hände nach dem kleinen Körper aus und riss sie mit mir zur Seite. Dabei begleitete uns das schwere, hässliche Quietschen der Reifen und der Wind, der vom Laster mitgezogen wurde, traf uns mit einem gewaltigen Schlag, so dass wir nicht wie geplant auf den Beinen landeten sondern mit vollem Tempo auf den Gehweg flogen und zumindest ich dumpf aufkam.

Damit Lilly sich nicht verletzte, zog ich sie noch im Sturz auf mich drauf und legte meine Arme schützend um ihrem Kopf. Doch das führte dazu, dass ich mit voller Wucht landete und von allen Seiten eingequetscht wurde und die Luft aus meinen Lungen gerissen wurde.

Hektisch versuchte ich ein zu atmen, meine Lungen versuchten die Luft fest zu krallen, doch vergeblich. Langsam verschwamm die Umgebung um mich herum und statt dem davor gesehem grellen Licht, dass in meine Augen stach, sah ich nur schwarze Punkte um mich herum tanzen.

Oh Gott, nein bitte, nicht jetzt. War meine Zeit wirklich jetzt schon vorbei? Ich rang mit meinen Gedanken und der bitteren Tatsache, dass ich langsam nichts mehr fühlte, außer dem Druck auf meiner Brust der mich langsam aber sicher erstickte. Beinah wollte ich schon nachgeben, da mir bewusst wurde, dass ich wenigstens bei einer guten Sache sterben würde, als der Druck plötzlich verschwand und ich langsam, aber sicher den Schmerz an meinen Gliedmaßen zu spüren begann.

„Kate, Kate!", schrie jemand weinerlich und rüttelte an mir, zumindest fühlte es sich so an. "Hey Mädchen, aufwachen!", erklang jetzt eine andere tiefere, panische Stimme. Langsam blinzelte ich, um etwas in den hellen, verwischten Flecken vor meinen Augen zu erkennen und stöhnte schmerzlich auf, als mir jemand aufholf und dabei nicht grade sanft meinen Rücken berührte.

"Oh man, du hast mir echt einen Schrecken eingejagt.", erklang wieder die tiefe Stimme und ich sah hoch in das Gesicht eines älteren Mannes mit Schnauzbart "Geht es dir gut?". Langsam nickte ich, hielt mir aber schmerzend den Kopf und sah dann zu Lilly die mich aus großen, verweinten Augen ansah. "Mir gehts gut, keine Sorge Lilly.", zwang ich mich zu sagen. Meine Stimme klang seltsam hohl was auch Lilly bemerkte und aufschluchzte. Fast hätte ich Angst, dass sie jetzt Angst vor mir hatte, immerhin sah ich wahrscheinlich schrecklich aus und ich spürte an meinem Arm einige Schürfwunden aus denen ein wenig  warmes, klebriges Blut floss. Doch als ich langsam mithilfe des Mannes aufstand, umschlangen mich ihre zierlichen Armen und sie drückte sich an mich.

"Tut mir Leid für den Schrecken, aber jetzt ist alles in Ordnung.", wand ich mich an den Fahrer und strich Lilly über die Haare. Nickend setzte er sich in Bewegung, sah uns aber bevor er wieder in seinen Wagen stieg nochmal an und seufzte erleichtert.
Vorsichtig nahm ich das Mädchen, dass sich immernoch an mich klammerte an die Hand und zog sie weg von der Straße. Doch gerade als ich sie belehren wollte, dass man so nicht auf die Straße springen darf, erklang eine vertraute Stimme und ich verdrehte seufzend die Augen.

"Was machst du mit meiner Schwester?!", fragte Noah und riss sie von mir weg. Seine Augen verdunkelten sich als er ihre Tränen sah und ich sah ihm an, dass er bereit war sich auf mich zu stürzen. Du verstehst das gerade falsch du Idiot.

Deswegen machte ich auch keinen Schritt zurück als er wie ein Raubtier auf mich zu kam. Seine Mimik war angespannt und seine Augen loderten wütend auf. "Was hast du getan?!", zischte er und packte mich an meiner Jacke, um mich noch näher an sich zu ziehen. Sein heißer Atem prallte gegen meine Stirn, da er fast einen ganzen Kopf größer als ich war und als ich den Blick hob und mein wildes Braun auf sein kaltes Blau traf, atmete ich einmal tief ein. Immer zu erst mit dem Kopf gegen die Wand, Noah eben.

"Sie hat nichts schlimmes gemacht Noah!", rief Lilly hinter ihm und versuchte ihren Bruder zurück zu ziehen. Doch der war wie eine Mauer, die sich nicht bewegen ließ. Sein Blick hielt meinen immernoch fest, es war wie ein Blickduell und ich hatte nicht vor diesen zu verlieren. Anscheinend sickerten Lilly's Worte langsam in seinen Dickschädel ein, den sein Griff um mich lockerte sich und ich riss mich von ihm los. Langsam wand er auch seinen Blick ab und sah zu Lilly.

"Sie hat mich gerettet.", flüsterte die Blondhaarige und schilderte ihrem Bruder die passierte Situation, während ich stumm da stand und am liebsten vor Noahs Blicken davon gelaufen wäre. Er scannte mich von oben bis unten ab und dass immer wieder. Ich weiß selber, dass ich scheiße aussehe. "Danke.", räusperte er sich schließlich nach einer Minute der Stille. Schulterzuckend sah ich ihn an „Ist selbstverständlich, ich müsste dann jetzt los.". Doch als ich mich umdrehen wollte, schnappte er mein Handgelenk. Kurz zischte ich schmerzhaft auf, doch dann wurde die Stelle einfach nur angenehm warm. Entschuldigend sah mich der Braunhaarige an, wurde dann aber wieder Ernst „Ich schulde dir was.". „Alles ist okay Noah, es ist selbstverständlich, pass einfach nur besser auf sie auf.", lehnte ich ab, machte mich los und verschwand im Nebel.

Heartbeat(ABadboyStory)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt