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Der Himmel war bereits dunkel geworden und einzelne Wolken verdeckten den Mond, als ich aus dem Studio trat. Der Wind war eine schöne Abkühlung nach drei Stunden Tanztraining, zwar raste mein Herz noch wie verrückt und ich würde morgen vor Müdigkeit triefen, aber das war es mir wert.

Langsam bewegte ich mich die Straße hinauf und strich mir die Haare aus dem Gesicht mit denen der Wind spielte und sie in alle Richtungen warf.

Ich hatte die Nacht schon immer am liebsten, sie war trotz Dunkelheit schön, ruhig und magisch. In ihr lag die Ruhe und die Erholung, es war die Zeit die kaum einer betrachtete, doch genau das machte sie umso besonderer. Tief atmete ich ein, meine Lungen griffen nach dem Sauerstoff und ich fühlte mich im Licht des Mondes geborgen. Nachdenklich sah ich auf die Uhr und seufzte, ich musste nach Hause bevor Isabella kommen würde, ansonsten könnte ich mich auf etwas gefasst machen.

Kopfschüttelnd lief ich weiter, als plötzlich ein seltsames Scheppern ertönte. Unruhig sah ich mich um, blieb aber nicht stehen. Mein Puls beschleunigte sich, als ich eine schwarze Gestalt entdeckte, die auf etwas einschlug. Die Person wankte und fluchte, doch sein Zustand brachte ihn nicht dazu aufzuhören. Gerade als ich vorsichtig umkehren wollte, fiel das Licht der Straßenlaterne auf das Gesicht der Gestalt und ich erkannte vertraute Züge.

„Das ist doch nicht dein Ernst!", flüsterte ich gegen den Wind und lief mit eiligen Schritten weiter. Beim näher kommen wurde auch der Gegenstand sichtbar und ich seufzte, als ich die großen Dellen und raubtierartigen Kratzer auf dem Wagen sah. „Was glaubst du eigentlich was du da tust Prince.", schrie ich ihm zu, als er einen spitzen Stein gegen die Autoscheibe schmetterte. „Du...verschwinde...tun..zu", brüllte er mir entgegen, als er mich erkannte. „Noah beruhig dich doch!", bat ich ihn, als mir seine roten Augen auffielen, er war wieder betrunken. „Verschwinde! Das geht dich nichts an!", brüllte er mir ins Gesicht, als ich ihn fast erreicht hatte. Wütend fluchend fing er an gegen die Reifen zu treten. „Noah, bitte.", versuchte ich es erneut und versuchte ihn vom Auto weg zu ziehen. Vorsichtig nahm ich seinen Arm, als er etwas ruhiger wurde und seufzte als ich in seine glasigen Augen blickte. Was ist diesem Jungen nur passiert, dass er so fertig und am Ende ist?

Erneut versuchte ich ihn vom Wagen weg zu ziehen und zu mir zu drehen, als er mit einer Hand nach der noch halb vollen Wodkaflasche griff. „Verschwinde!", schrie er und warf sie nach mir. Erschrocken stieß ich einen Schrei aus und sprang zur Seite. Die Flasche zersprang sofort in tausend Teile und ich blickte mit großen Augen auf sie hinunter. Er hatte mich fast getroffen, ein halber Schritt trennte mich von dem Aufprall. Zitternd sah ich auf die riesigen Scherben hinunter und blinzelte mehrmals um mich wieder zu fangen. Er hätte dich fast verletzt. Auch wenn ich wusste, dass er betrunken war und sich eindeutig nicht unter Kontrolle hatte, tat es trotzdem weh.

„Tiger...Kate..ich.", riss mich Noah aus meinen Gedanken und ich schreckte erschrocken zurück, als er einen Schritt auf mich zukam. Sofort blieb er stehen und hob die Hände, Reue spiegelte sich in seinen Augen wieder, genauso wie pure Verzweiflung. Ich sollte ihn dafür hassen, verabscheuen und meiden, aber ich konnte einfach nicht. Leider musste ich zugeben, dass ich inzwischen viel mehr in diesem Jungen sah und anfing ihn zu verstehen.
„Komm, ich bring dich nach Hause.", murmelte ich und reichte ihm meine Hand die er sofort erleichtert ergriff. Doch anstatt sie einfach zu nehmen, zog er mich mit einem Ruck an sich und vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge. Überfordert schlang ich meine Arme ebenfalls um ihn, als sich sein Körper aufbäumte und ich warme Tränen an meiner Schulter spürte. Sein angenehmer Duft stieg mir in die Nase und seine Wärme umhüllte mich, ich fühlte mich sicher und wohl, etwas was ich schon lange nicht mehr tat. Vorsichtig löste ich mich von ihm, als das Beben aufhörte und sah ihn an. Beschämt wand er den Blick ab, aber ich nahm sein Gesicht und zwang ihn mich anzusehen. „Ist okay, wir sind wohl doch irgendwie..Freunde.", murmelte ich unsicher. „Ja, Freunde.", flüsterte er. Stumm sahen wir uns an, doch als sein Blick auf meine Lippen fiel, räusperte ich mich „Komm jetzt.".

„Können wir, also ich... ich will dir jemanden vorstellen.", seine Stimme wurde zum Ende hin leiser und wegen der Verzweiflung in seinen Augen stimmte ich zu und ließ mich von ihm mitziehen. Obwohl es dunkel war und wir nicht gerade in einer sicheren Gegend waren, fühlte es sich gut an mit Noah. Während dem gesamten Weg hielt er meine Hand weswegen ich seine Nervosität eindeutig war nahm, dass war ihm wohl sehr wichtig.

Fragend sah ich Noah an, als wir am Krankenhaus stehen blieben, doch er schüttelte nur den Kopf und zog mich hinein. Gemeinsam liefen an dem weißen Flur entlang. Der Geruch nach Desinfektionsmittel und Medikamenten ließ mich erschaudern und auch der braunhaarige Noah verzog gequält das Gesicht, als wir plötzlich stehen blieben.

Erschrocken öffnete ich den Mund als ich den Namen auf der Tür las, Kira Prince.
Doch ehe mir etwas einfiel, was ich sagen könnte, öffnete Noah die Tür und ich erkannte eine junge Frau mit bleicher Haut und braunen Haaren die Noahs so ähnlich waren. Sie war bestimmt wunderschön gewesen. Doch die Frau war an tausend Geräte angeschlossen und unzählige Schnüre schlängelten sich um sie herum.

„Das ist meine Mutter.", murmelte Noah plötzlich und setzte sich auf den Stuhl der neben dem Bett stand. „Das tut mir Leid.", flüsterte ich leise und unsicher, Noah zeigte mir gerade etwas wichtiges, wahrscheinlich sogar das wichtigste in seinem Leben. „Sie hatte einen Autounfall und liegt seit drei Monaten im Koma.", murmelte er. Sanft drückte ich ihm die Schulter, als erneut Tränen seine Wangen verließen. Er drehte sich zu mir um und zog mich wieder an sich. Zitternd drückte er sein Gesicht in meine Halsbeuge, suchte nach Schutz und ich hielt ihn einfach nur fest um ihm Sicherheit zu geben. Ich wusste nicht wie lange wir da so saßen, aber irgendwann schlief Noah in meinen Armen ein und ich konnte ihn nicht so zurück lassen, auch wenn Isabella sauer werden würde. Aber ich konnte ihn jetzt nicht alleine lassen und ich wollte es auch nicht.

Heartbeat(ABadboyStory)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt