Leise und harmonisch erklangen die ersten Klänge der Musik. Mit geschlossenen Augen und mit einem zufriedenem Lächeln lehnte ich mich zurück, streckte meine Arme aus und ließ mich nach jedem einzelnen Ton von der Musik gleiten. Jeder Schritt, jede Bewegung passte sich den Klängen an, als ob ich nie etwas anderes getan hätte, als ob es genau so sein müsste. Eine präzise Drehung und ein kleiner Sprung nach rechts ehe die Musik schneller wurde. Plötzlich legten sich Hände auf meine Taille und bewegten mich weiter. Sie waren zwar ungewohnt, fremd, aber keines Wegs unangenehm, mehr beschützend und sanft. Mein Partner ließ mich geschickt zur Seite gleiten nur um mich dann wieder zu sich zu ziehen. Ich spürte seine beruhigende Wärme an meinem Rücken, als wir die nächsten Schritte gemeinsam durchführten. Unsere Körper bewegten sich trotz dem zügigen Tempo der Musik identisch,gleichzeitig holten wir Luft, atmeten aus, unsere Herzen schlugen im selben Takt, es war so, als ob wir ein Ganzes wären. Nachdem wir uns getrennt hatten, spürte ich erneut seine Hände, die den Druck um mich verstärkten um mich hoch zu heben. In diesem Moment öffnete ich die Augen und sah den Himmel. Mein Lächelnd wurde breiter, als ich wieder geschickt aufgefangen wurde und zu ihm gedreht wurde. Unsere Nasenspitzen berührten sich fast und dann erkannte ich das Gesicht meines Partners, Noah. Erschrocken sah ich in das dunkle Blau seiner Augen und wollte mich entfernen, aber es ging nicht.
Die Musik wurde immer lauter, dass es bereits in den Ohren weh tat und mein Körper bewegte sich weiter, gegen meinen Willen. Als ich sah, dass Noah mir erneut folgte, wollte ich ihn zurück schubsen, doch mein Körper war wie eingefroren, wartete auf ihn. Erneut warf er mich in die Luft, doch diesmal kam mir kein wunderschöner Himmel entgegen, sondern einfach nur eine schwarze Leere und als ich anfing zu fallen, war Noah weg.
Dumpf landete ich auf dem Boden. Sofort entstand ein unerträglicher Schmerz in mir, meine Brust zog sich zusammen, ich bekam keine Luft und trotzdem konnte ich den Mund nicht öffnen. Ich wollte schreien, den Schmerz raus lassen, doch es ging nicht. Langsam erstickend lag ich da und konnte mich nicht rühren. „Kate.", flüsterte jemand neben mir. Ich wollte den Kopf drehen, doch mein Körper gehorchte mir nicht. „Nein Kate, hier.", erklang es von der anderen Seite.
Die Stimmen kamen mir zwar bekannt vor, doch trotzdem machten sie mir Angst. Mein Körper fing an unkontrolliert zu Beben und die Luft ging mir aus.
Jetzt war es also vorbei, für immer.
Gerade als sich dunkle Schlingen um mich legen wollten, traten zwei Gestalten aus dem Schatten. Noah und mein Vater. Ich wollte nach ihnen Rufen, doch diesmal war es nicht mein eingefrorener Körper der sich mir wiedersetzte, sondern die fehlende Kraft. Ich spürte meinen Herzschlag kaum noch und etwas in mir weigerte sich einzuatmen um meinen Lungen den ersehnten Sauerstoff zu geben.
Langsam kamen die beiden Personen auf mich zu, Noah den ich am meisten hasste und mein Vater, den ich so sehr vermisste. Beide Lächelten schwach, als sie vor mir zum stehen kamen, doch es war ein trauriges, beinnah flehendes Lächeln."Kate.", kam es gleichzeitig von ihnen und jeder Streckte eine Hand nach mir aus, doch keiner von beiden berührte mich, half mir. Sie drehten einfach nur die Handflächen um und boten mir ihre Hand zum aufstehen an.
Ich wollte Ihnen wütend entgegenschreien, dass ich mich nicht bewegen konnte, als mein Körper sich plötzlich aufbäumte und meine Lungen Sauerstoff einatmeten. Die Staare verließ mich und ich setzte mich auf, den Blick auf die beiden Personen vor mir gerichtete.
„Komm schon Tiger, du darfst noch nicht gehen, komm mit mir.", bat Noah mich, doch machte keinen Anstand dazu mir näher zu kommen. „Kate, mein kleines Mädchen. Ich vermisse dich noch mehr als du mich, bitte komm endlich zu mir, bitte.", flüsterte mein Vater und als ich in seine Augen sah, erkannte ich den selben Schmerz, der tief in mir war, verankert mit meinem Herzen, eine Trennung unmöglich.
Warme Tränen liefen mir die Wangen runter, als ich meine Hand ihm entgegen strecken wollte, doch dann hielt ich inne. War ich wirklich bereit jetzt schon zu gehen? War ich wirklich bereit alles hinter mir zu lassen, ohne wenigstens versucht zu haben mein Leben zu genießen, meine letzten Tage, Stunden, Minuten, ja sogar Sekunden?
„Ich hab dich lieb Dad, aber ich weiß auch, egal wie sehr du mich vermisst, aufgeben ist keine Option, dass hast du immer gesagt, man muss nur an das Gute glauben.", flüsterte ich und lächelte erleichtert, als er nickte und sich langsam auflöste.
Sofort schoss mein Blick zu Noah, der immer noch wartete. Langsam, zögerlich streckte ich meine Hand ihm entgegen, meine Entscheidung war gefallen.Erschrocken schreckte ich hoch und sah mich panisch um. Weiße Wände mit bunten Balletschuhen, große wandlange Spiegel und wunderschöne Tanzkleider die überall verstreut herum lagen kamen mir entgegen, ich war im Tanzstudio.
Erleichtert atmete ich aus und sah auf den mit Stoffen bedeckten Tisch an dem ich saß, ich war gekommen um die restlichen Kleider für die Mädchen fertig zu stellen. Müde rieb ich mir über die Augen und sah auf mein Handy, es war zwei Uhr morgens und ich hatte nur geträumt. Schnell legte ich meine Hand auf meine Brust, zuckte kurz zusammen, als mir die Schürfwunden von dem kleinen Zwischenfall heute einfielen und lehnte mich beruhigt zurück, als ich das bekannte Pochen wahrnahm.
„Ich habe nur geträumt.", wiederholte ich leise wie ein Mantra und atmete immer wieder tief ein um sicher zu gehen, dass mein Körper sich mir nicht wiedersetzte und nicht erstarrt war. Langsam ließ ich meinen Kopf in meine Hände gleiten und seufzte „Das war.. Dad..oh Gott, Noah!". Du hast von Noah geträumt! Von Noah Prince! „Mein Verstand stirbt genauso ab wie meine Gesundheit.", schnaubte ich ungläubig und richtete mich gähnend auf. Ich musste schnell nach Hause, wenigstens noch ein paar Stunden schlafen und diesen Traum aus dem Kopf bekommen und am besten das ganze noch ohne, dass Isabella was davon mitbekommt, den ansonsten wäre ich echt erledigt.
Mit einem letztem, verstörtem Blick sah ich mich im Saal um, ehe ich ihn verließ, das Studio abschloss und mitten in der Nacht nach Hause ging.
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Heartbeat(ABadboyStory)
Fiksi RemajaZeit, sie ist von Anbeginn unserer Geschichte mit dabei. Sie bildet unsere Vergangenheit , begleitet unsere Gegenwart und bereitet unsere Zukunft vor ohne dass wir dabei Einfluss auf sie nehmen können! Für manche läuft sie langsam ab, für andere sc...