Kapitel 14

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Lucys Sicht:

"Dass der Typ sich überhaupt traut, dich noch anzuschreiben", sagte Jack wütend. "Der ist echt unglaublich. Schicken wir ihm zur Provokation ein Bild auf Snapchat?" "Klar", antwortete Jack grinsend. Ich bettete meinen Kopf auf Jacks Brust, der damit einverstanden war und wir machten ein Foto. Wir lächelten strahlend, aber es war ja nur für die Kamera. Ich bezweifle nämlich, dass es Jacks echtes Lächeln war. "Wir machen morgen eine Party, ich hoffe, du und deine Brüder feiert auch mit?" "Ich schon, aber ich weiß nicht wie's bei den anderen aussieht." Jack nickte. Ich mahm meinen Kopf von seiner Brust und legte mich gerade neben ihn. Seine Haare sahen so schön weich aus. "Darf ich mal durch deine Haare fahren?", fragte ich und schämte mich danach. "Klar, mach ruhig", sagte Jack und lachte. Sie sahen nicht nur geschmeidig aus, sie waren es auch. Was rede ich da für einen Schwachsinn? Sie waren wie alle anderen Haare auch. Mein Handy vibrierte. Angela sagte mir unsere Shopping Tour wegen einer Erkältung ab. Dabei hätte ich doch neue Sachen gebraucht. "Ich kann doch mit dir gehen", schlug Jack vor. Er liest anscheinend die ganze Zeit mit. "Ernsthaft?" "Klar, wieso nicht. Ich begeleite dich und trage deine Tüten." Ich lachte und stimmte zu. "Okay, aber ich muss duschen. Du stinkst übrigens auch", neckte ich ihn. "Wenn das so ist, könnten wir gemeinsam gehen." "In deinen Träumen vielleicht", antwortete ich und rannte lachend mit frischen Anziehsachen ins Bad.

Nachdem ich fertig angezogen war und alles in meine Tasche gepackt hatte, stiegen wir ins Auto und fuhren in ein großes Einkaufszentrum in der Nähe. "Ich verstehe irgendwie nicht, weshalb du freiwillig mit einem Mädchen shoppen gehst." "Ehrlich gesagt muss ich noch ein paar Besorgungen machen und du wirkst nicht so als würdest du mich stundenlang in ein Geschäft zum nächsten zerren." "Wer weiß?" Er grinste mich an. "Wir könnten wenn du fertig bist schon die Besorgungen für die Party machen", meinte er und ich stimmte ihm zu.

Jacks Sicht:

"Findest du rot oder schwarz besser?" "Schwarz",antwortete ich ehrlich. Ich saß vor der Kabinentür und wartete auf Lucy. "Willst du mal sehen?", fragte sie, aber bevor ich etwas sagen konnte kam sie in ihrer eng sitzenden Jeans und einem schwarzen BH heraus. Mir wurde von dem Anblick etwas heiß. "Was sagst du dazu?", fragte sie mich provokant und grinste böse. "Äh... Sieht gut aus", antwortete ich und sah ihr dabei in die Augen. Sie ging wieder rein und an der Kassa tat sie, als wäre nichts gewesen. Sie bezahlte die Jeans und die Unterwäsche, dann gingen wir weiter. Dafür würde ich mich noch revanchieren. 

Wir gingen zu DM, da sie noch neue Abschminktücher und sowas kaufen musste. Ich sah mich dabei um und als ich bei den Kondomen vorbeikam, nahm ich zwei Schachteln mit, diese würde ich auf der Party zur Verfügung stellen. Man kann ja nie wissen, vielleicht brauche ich selbst auch welche.

Im nächsten Geschäft, sagte ich, dass sie mich kurz in die Männerabteilung begleiten müsse. Sie fragte nicht und folgte mir einfach. Ich schnappte mir zwei Hosen und ging damit in die Umkleidekabine. Eine der beiden Jeans zog ich mir einfach an und mein Shirt ließ ich ganz weg. Ich öffnete die Tür und sah, wie so ein Typ mit Lucy sprach. Sie lächelte ihn zwar an, aber es sah gequält aus und ich unterbrach die beiden mit einem Räuspern. Lucy drehte sich zu mir um und musterte mich von oben bis unten. "Was hältst du davon? Ist die andere besser?" Der Typ ging einfach und Lucy sah mich dankbar an. "Also, ich finde, äh, beide gut..." Ich nahm sie bei der Hand und zog sie von der Bank hoch. Ich drehte sie einmal um sie selbst und zog sie dann an mich, um ihren mittlerweile sehr vertrauten Geruch einzuatmen.

Nachdem wir uns irgendwie voneinander gelöst hatten, gingen wir weiter. Wir redeten weniger als davor, wahrscheinlich war sie genauso verwirrt wie ich. "Ich bin jetzt fertig, sollen wir jetzt das Zeug für die Party kaufen?" Ich nickte. Wir trugen davor unsere Sachen ins Auto und gingen wieder zurück. 

"Haben wir alles?", fragte Lucy mich, als wir auf dem Weg zum Auto waren. "Denke schon, Alkohol haben wir, das ist wichtig." Aber dann fiel mir noch etwas ein. "Ich hab keine Zigaretten mehr. Ich gehe schnell zurück, bin gleich wieder da, ja?" "Okay", antwortete sie. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl sie alleine zu lassen, aber das konnte ich mir ja nur einbilden. Immerhin war sie ja kein Kleinkind und konnte für zehn Minuten auf sich selbst aufpassen.

Lucys Sicht:

Ich stand eine Weile alleine am Parkplatz, bis irgendein Mann auf mich zukam. Ich kannte ihn irgendwoher, wusste dennoch nicht, weshalb ich ihn kennen sollte. Ich konzentrierte mich alsoauf den Bildschirm meines Handys, vor lauter Langeweile hatte ich einer alten Freundin geschrieben. Als ich aufsah und dann die Narbe am Hals und die selben braunen Augen, wie ich hatte, sah, wusste ich um wen es sich handelt. Es war mein Vater. Mit einer Flasche in der Hand. Er hatte doch im Brief geschrieben, er wäre trocken? Hatte er doch gelogen? "Entschuldigung, kannst du... Lucy?" Ich bekam panische Angst vor ihm und als ich in seine hasserfüllten Augen sah, hörte mein Körper nicht mehr mit der Adrenalinproduktion auf. Diese Reaktion hatte ich seit der Kindheit auf ihn.

"Lucy, meine einzige Tochter. Ich habe dich so vermisst!", sagte er in einem verspottenden Ton. Er kam näher zu mir. Gefährlich nah. Ich musste mich ans Auto anlehnen um nicht umzukippen, aber ich durfte kein Schwäche zeigen. "Willst du deinen Vater nicht umarmen?" "Du bist vielleicht mein Zeuger, aber keinesfalls mein Vater", sagte ich und bereute es fast, aber nur fast. Meine Wange begann zu brennen. Er hatte mir tatsächlich eine Ohrfeige gegeben. Er hatte mich schon wieder geschlagen. Und diesesmal waren meine Brüder nicht hier, um mich zu beschützen. "So redet man nicht mit seinem Vater. Wenn man bedenkt, dass du mein Lieblingskind warst." "Hättest du irgendjemanden von uns geliebt, hättest du uns nicht immer geschlagen, wobei ich ja noch verschont wurde." Er schlug mir noch einmal auf die selbe Stelle. Zielen konnte er schon immer. "Hast du nicht geschrieben, du wärst trocken?" "Wenn man sieht, dass die eigene Frau gerade mit irgendeinem reichen Schnösel Spaß hat, denke ich, dass es ok ist." Und plötzlich verspürte ich ein wenig Mitleid. Aber nur einen Funken, der sofort wieder verschwand.

Meine Sicht verschwomm durch die Tränen in meinen Augen und eine hinterließ eine glänzende Spur auf meiner Wange. "Lucy, heul  nicht, ich habe es immer gehasst, wenn du weinst", sagte er, kam noch näher und hauchte mir seinen ekelhaften Atem ins Gesicht. Eine zweite Träne bahnte sich den Weg nach draußen, da verlor er endgültig die Geduld. Er schlug mich so fest, dass ich mein Gleichgewicht verlor und auf den harten und kalten Asphalt fiel. Mir wurde langsam schwarz vor Augen und bevor ich mein Bewusstsein völlig verlor, sah ich Blut am Boden und wie jemand auf mich zurannte. Das letzte, was ich realisierte, bevor es völlig schwarz wurde, war, dass mein Name gerufen wurde.

Ich wachte in einem schwach beleuchteten Raum auf. Mein Kopf dröhnte und ich griff an meine Schläfe, aber ich berührte anstelle meiner Haut einen Verband. Ich sah mich um und bemerkte, dass neben meinem Bett eine Person saß, anscheinend war sie eingeschlafen. Ich wollte mich aufsetzen, da ich ohnehin nicht mehr schlafen konnte, doch die Schmerzen hinderten mich daran. Ich stöhnte auf und die Person wurde langam wach. Erst jetzt erkannte ich, dass es Jack war. "Lucy, wie geht es dir?", fragte er mich besorgt. "Geht schon, hab Kopfschmerzen." "Das liegt wohl an der Gehirnerschütterung und an der genähten Wunde an deiner Schläfe", erwiderte er wütend. Ich sah ihn nur an. Erst jetzt begriff ich, dass ich mich in einem Krankenhaus befand.

Plötzlich wurde Jack blass im Gesicht und meinte mit wackliger Stimme:"Es tut mir so leid, dass ich nicht vorher da war. Ich bin schuld daran, dass du jetzt im Krankenhaus liegen musst." "Jack, das wichtige ist doch, dass du gekommen bist. Stell dir vor, ich wäre alleine gewesen. Wahrscheinlich hätte er mich halbtot geschlagen, wobei ich mich nicht an alles erinnern kann..." "Hätte ich einfach auf diese beschissenen Zigaretten verzichtet..." "Wenn du dir noch einmal die Schuld zuschreibst, schlage ich dich", sagte ich grinsend. Er lächelte breit und nahm meine Hand. "Lucy, ich habe in diesem Moment begriffen, dass du mir wichtig bist. Ich will nicht, dass unsere Freundschaft je kaputt geht." "Wird sie nicht", erwiderte ich und zog ihn zu mir. Im nächsten Moment zerstörte ich diese wahrscheinlich mehr, als er es je gekonnt hätte.

Bad boyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt