[~30.Kapitel~]

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Mein Körper zitterte, doch ich fühlte keinen Schmerz, ich fühlte nichts. Im Glauben bereits im Himmel zu sein öffnete ich die Augen, doch bei dem Anblick, der sich mir bot, wusste ich das dies nicht der Fall war. Bea hatte sich im letzten Moment vor uns geschmissen. Diese Verrückte hatte sich für mich geopfert. Heiße Tränen rannen mir über die Wangen. Meine Knie knickten ein. Ich rüttelte an ihrer Schulter. "Wach auf! Komm schon! Ich weis du kannst mich hören! Wach auf!" schrie ich und zehrte an ihr. Doch sie zeigte keine Reaktion.

Ich hörte wie Niall versuchte auf mich einzureden, versuchte mich zu beruhigen. Doch ich ging nicht auf ihn ein. Was hatte sie sich dabei gedacht?! Sie hattet noch ein ganzes Leben vor sich. Sie hatte so viele Träume. Sie durfte nicht sterben! Nein, dass ging nicht!

Verzweifelt rüttelte ich an ihrer Schulter. Stammelte Gründe vor mich hin wieso sie nicht sterben durfte. Den ich brauchte sie, mehr als sonnst jemanden.

Doch plötzlich packte mich jemand und zehrte mich von ihr weg und runter von der Bühne. Ich konnte nur mehr sehen wie sich die Sanitäter auf sie stürzten und mit der Reanimation begannen. Ich versuchte mich schreiend aus dem Griff zu befreien und schlug um mich.

Dieser Anblick, wie meine beste Freundin, meine Seelenverwandte so hilflos am Boden in einer Blutlacke lag, brennte sich in mein Gedächtnis ein. Das Mädchen, dass mir im Kindergarten geholfen hat den Sand aus meinem Gesicht zu bekommen, nachdem ich vor allen in den Sandkasten gefallen bin. Das Mädchen, dass sich in der Schule Ausreden für mich einfallen hat lassen, wenn ich die Hausübung mal nicht gemacht hatte. Das Mädchen, dass mir durch meinen ersten Liebeskummer geholfen hat. Das Mädchen, dass mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hatte, wenn mir eigentlich zum Weinen zu Mute war. Das Mädchen, dass mich nach meinem Selbstmordversuch ins Krankenhaus gefahren hat. Das Mädchen, dass mich gezwungen hat mit einer Band auf Tour zugehen. Dieses Mädchen lag dort und kämpfte gerade um ihr Leben und ich konnte nichts machen. Ich konnte es nicht verhindert, ihr nicht helfen. Sie hatte mir mein ganzes Leben lang geholfen. Doch in diesem Moment konnte ich ihr nicht helfen.

"Lilian!" schrie mich Niall besorgt an. In seinen Augen standen Tränen. Erst jetzt merkte ich, wie schwer es wohl für ihn sein musste. Immerhin würde eben auf ihn geschossen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen was in seinem Kopf vorgehen musste. Immer noch schluchzend fiel ich ihm in die Arme und umklammerte ich ihn so fest ich konnte. "Es tut mir Leid. So unglaublich Leid." hauchte ich zwischen meinen Schluchzern. Seine Arme klammerten sich noch etwas fester um mich. "Du kannst doch nichts dafür."

Und ob ich das tat, wäre ich vor drei Jahren nicht davon gelaufen und hätte mich einfach meinem Schicksal hingeben, wäre das alles hier nie passiert. Aber ich hätte dann nie die Jungs kennengelernt und hätte mich vermutlich schon längst umgebracht.

"Leute, sie fahren jetzt ins Krankenhaus. Wir sollten ihnen nach fahren." flüsterte Zayn in den Raum. Sanft drückte er meine Schulter und strich mir einfühlsam über den Oberarm. Langsam löste ich mich aus der Umarmung und ging mit Niall's Arm auf der Schulter nach draußen.

Auf der Fahrt herrschte Stille, man konnte nur mein Schniefen hören. Eng umschlungen saßen wir im Van. Keiner traute sich etwas zu sagen. Man merkte, dass das Geschehene auch an den Jungs nagte. Vor Allem auch an Niall. Ich konnte mir nicht ansatzweise vorstellen was in seinem Kopf vorgehen musste. Immerhin wurde vor ein paar Minuten auf ihn geschossen.

Ich legte meinen Arm um seinen Körper und zog ihn noch weiter an mich heran. "Alles wird wieder gut. Die werden ihn bestimmt finden." hauchte ich ihm ins Ohr. Leicht nickte er und schaute mir tief in die Augen. "Was du da gemacht hast..." er brach ab. "Würde ich jederzeit wieder machen. Für dich." beendete ich seinen Satz. Er wollte gerade etwas erwidern, da öffneten die anderen die Türen.

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