[~14.Kapitel~]

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"Lili komm bitte mit." Ich schluckte, das wars. Ich stand stumm auf und ging Paul nach.

In meinem Kopf spielten sich alle möglichen Sinnarien ab. Sie werden mich feuern und mich in den nächsten Flieger zurück nach London setzten. Wahrscheinlich zeigen sie mich sogar an und ich darf mich den Jungs nicht mehr als fünfzig Metern nähern.

Paul hielt mir die Tür zum Gemeinschaftsraum, einem umfunktionierten Hotelzimmer, auf. Drinnen erwartenden mich Lou, Preston und Scott. Keiner sagte etwas und starrte nur an einen Punkt an der Wand. Nur Lou stand auf und war in wenigen Schritten bei mir und umarmte mich fest.

"Wenn du mir noch einmal so einen Schreck einjagst, bringe ich dich eigenhändig um. Ich habe mir solche Sorgen gemacht, ich dachte wir würden dich nie finden. Geht's dir wirklich gut?" nuschelte sie in meine Haare.

"Tut mir Leid, dass wollte ich nicht. Mir geht's wieder gut. Ich habe mich mit den anderen schon ausgesprochen." meinte ich als sie unsere Umarmung löste und erwiderte ihr sanftes Lächeln.

"Du hast es ihnen also erzählt?" mischte sich Paul ein. Ich schaute ihn perplex an woher wusste er. "Tabea hat es uns erzählt." ergänzte er und bat uns Platz zu nehmen. Wir setzten uns zu den anderen auf die Sofas.

"Also, hast du es ihnen erzählt?" wiederholte Paul seine Frage. "Ja, es war lange überfällig. Ich weiß gar nicht wieso ich solche Angst davor gehabt habe. Sie haben es echt gut aufgenommen." antwortete ich und ihren Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, war dass genau das was sie hören wollten.

"Das ist gut, aber du hättest es uns auch sagen sollen. Immerhin sind wir auch irgendwie für deine Sicherheit verantwortlich. Es hätte sonst was passieren können, hätte dich auch nur einer der Fans oder Paparazzis erkannt, hätte es schnell die Runde gemacht und sie wären dir vermutlich gefolgt oder hätten sonst was getan. Manche der Fans können echt besitzergreifend sein wenn es um die Jungs geht und hätten dich vielleicht verletzt." Während seiner Predigt fuhr er sich immer wieder über die kurzen Haare und versuchte angesträngt ruhig zu bleiben. Man konnte ihm deutlich ansehen, dass er gleichermaßen besorgt wie wütend war. Das konnte ich ihm jedoch nicht verübeln, meine Aktion hat ihn bestimmt viele Nerven gekostet.

"Was Paul sagen will." unterbrach ihn Lou und legte eine Hand auf mein Knie "Wir wissen, dass es dir Leid tut. Du hattest Angst, dass verstehen wir. Wir haben alle mal Angst, aber bitte las dir von uns helfen. Ich habe mit Bea schon über deine Depression geredet. Sie hat mir erzählt, dass du schon drei Jahre darunter leidest. Dass es zwar hingegen zum Anfang deutlich besser geworden ist, aber es dich noch deutlich belastet. Wir wollen dir diese Last nehmen oder es zumindest versuchen."

Ich schaute sie verwirrt an "Und wie wollt ihr das bewerkstelligen?" Lou schaute eine Weile auf ihre Hand, die noch immer auf meinem Knie weilte. "Ich weiß das es dir nicht gefallen wird, aber denk bitte an Bea, sie wünscht es sich so sehr." Lou machte eine kleine Pause um mir tief in die Augen zusehen. "Eine gute Freundin von mir ist Psychotherapeutin und ich habe sie gebeten dich zu betreuen."

Ich schüttelte den Kopf "Danke, dass ist echt nett, aber ich brauche keine Therapie. Außerdem kann ich mir das gar nicht leisten und wie soll das auf Tour funktionieren." Lou zog beide Augenbrauen hoch und schaute mich skeptisch an.

"Übers Geld brauchst du dir keine Sorgen machen und Nancy, so heißt sie, hat mir angeboten dich über Skype zu betreuen. Es ist zwar nicht optimal, aber es funktioniert. Und lüg mich nicht an, ich weiß so gut wie du, dass dir eine Therapie gut tun würde. Versuch es doch einfach einmal, wenn es dir nicht hilft, was ich zu bezweifeln wage, können wir ja abbrechen."

"Ich will aber nicht, dass du für mich Geld ausgibst." Lou schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der Hand durch ihre Haare. "Lili, ich habe genug Geld." Ich wich ihrem Blick aus und starrte an die Wand. "Ich will trotzdem keine Therapie. Ich bin gerade auf dem besten Weg es zu vergessen. Ich will es nicht wieder ausgraben und mich wieder so fühlen wie vor drei Jahren." motzte ich, konnte aber ein Schluchzen nicht unterdrücken.

"Akzeptanz ist der erste Schritt zur Besserung, meinst du nicht" gab Scott seinen Senf dazu. Ich schnaubte, diesen Satz hörte ich schon zum gefühlt Milliardsten Mal. Doch ich konnte das Geschehene weder akzeptieren, noch glaubte ich daran dass sich dadurch was bessern würde.

"Lili! Wir wissen vielleicht nicht was vor drei Jahren passiert ist, aber wir wissen das es dir seit dem verdammt scheiße geht! Und denk Mal an Tabea, sie musste miterleben, wie ihre beste Freundin mehrfach versuchte sich umzubringen und sich Tag für Tag ritzte. Sie muss nach drei Jahren immer noch mit ansehen, wie du dich selbst verlierst!" platzte es aus Paul heraus.

Er schrie noch weiter doch es drang nichts mehr zur mir durch. Seine Worte hatten mich zum Nachdenken gebracht. Er hatte Recht, ich sollte nicht nur immer an mich denken. Bea ging es fast genau so dreckig wie mir. Sie musste die letzten Jahre viel durchmachen und all das nur wegen mir.

"Ich machs." nuschelte ich leise, so dass es nur Lou verstand. "Was hast du gesagt?" fragte sie vorsichtig und plötzlich wurde es mucksmäuschenstill. "Ich machs." sagte ich noch einmal lauter. Lou's Gesicht fing förmlich an zu strahlen und auch die anderen setzten ein Lächeln auf.

"Aber, ich mache es nur wegen Bea und ich glaube weiterhin nicht daran, dass es was hilft." Lou schmiss ihre Hände in die Luft "Damit kann ich leben." Sie umarmte mich so fest, dass ich glaubte zu ersticken.

Nach einer Weile löste sie ihren Klammergriff und stand auf "Und jetzt legen wir uns alle aufs Ohr. Ich bin hundemüde." Sie gähnte herzhaft, wobei ich es mir ebenfalls nicht verkneifen konnte zu gähnen. "Ich auch. Wann müssen wir zum Stadium?" fragte ich an Paul gewandt. "In drei Stunden, also ab ins Bett. Wir lassen uns nachher einfach was zu Essen ins Stadium liefern."

Das lies ich mir nicht zweimal sagen, doch als ich die Tür öffnete flogen mir sechs Idioten entgegen und wir landeten mit einem großen Rums am Boden. Schmerzhaft verzog ich mein Gesicht "Ich glaube ich hab mir eine Rippe gebrochen." ächzte ich und rang nach Luft, denn irgendeiner dieser Idioten war auf meinem Brustkorb gelandet und schnürte mir die Luft ab.

Lachend rollten sie nach und nach von mir runter und standen wieder auf. Nur ich lag noch am Boden und überlegt ob ich einfach liegen bleiben und hier schlafen sollte. "Alles klar?" fragte Niall und hielt mir belustigt die Hand hin. Beleidigt hielt ich mich an dieser fest und ließ mich auf die Beine ziehen.

"Danke." meinte Bea und schlang ihre Arme um mich. "Für was?" nuschelte ich in ihre Haare. "Das du Hilfe an nimmst und endlich eine Therapie machst." ich lachte "Dank nicht mir, sondern Lou für die Spende und Paul für seine Überredungskünste."

Sie lachte und winkte Lou, den Jungs und Paul zu uns. "GRUPPENKUSCHELN!" schrie Louis hinter mir und wir wurden von allen Seiten umarmt. Paul zögerte erst, aber einer der Jungs schubst ihn dazu und er legte ebenfalls seine kräftigen Arme um uns. Scott und Preston hielten sich im Hintergrund und schossen nur amüsiert Fotos von unserem menschlichen Wollknäul.

"Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich bin jetzt müde und geh ins Bett." murmelte ich verschlafen und versuchte mich aus der Umarmung zu befreien. Die anderen stimmten mir gähnend zu und verabschiedeten sich, ehe jeder in sein Zimmer verschwand.

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Voten nicht vergessen ;) Hab euch lieb <3

Save my SoulWo Geschichten leben. Entdecke jetzt