So langsam haut das mit dem Lernen besser hin. Er sollte jetzt auf dem Stand der 7ten Klasse sein. Mit der Weile haben sich auch alle Lehrer daran gewöhnt, dass ich in freien Stunden bei ihm in der Klasse sitze und ihm den Stoff erkläre. Was die Lehrer bedauerlicherweise nicht zu können scheinen. Zu Anfang waren einige dagegen, anderen ist es gar nicht aufgefallen.
Ich frage ihn immer noch nicht, ob er sich noch verletzt. So weit sind wir immer noch nicht. Aber wir sind weiter als ich dachte, dass wir kommen würden. Zusätzlich habe ich die Physiker fertig gelesen. Jetzt habe ich mir Im Westen nichts neues ausgeliehen.
„Das Buch wird dich fertig machen." warnt er mich.
„Du hältst mich doch schon für innerlich tot, was ist da dann noch fertig zu machen?"
Es ist nicht so, dass sich in dem knappen Monat seit unserer ersten Begegnung grundlegend geändert hätte. Zwar werde ich Tag für Tag besser darin, mich im ihm zu unterhalten und Interesse für seine Themen zu zeigen, jedoch interessiert mich der Rest der Welt immer noch nicht.
Wir laufen an einem weinenden Mädchen im Schulflur vorbei? Ich gehe weiter, nicht mein Problem. Aber der Idiot bleibt stehen. Dafür, dass er jedes mal General Aggresionsstörung dazu bringt auf ihn los zu gehen, sobald wir ihm begegnen, ist er geradezu lächerlich mitfühlend. Das dümmste daran ist, dass er mich in solche Geschichten mit rein zieht.
„Keine Sprache der Welt hat ein Wort dafür, wie wenig mich diese Ausgeburt des Stockholm Syndroms, dass diese beiden Menschen ‚Beziehung' nennen, interessiert. Dann ist er eben fremdgegangen. Soll sie Schluss machen. Ende." fahre ich ihn schlecht gelaunt an.
Ich habe ihn zur Seite genommen, da ich noch so viel Anstand habe, ihn nicht vor dem weinenden Weib anzufahren.
„Es ist nicht jeder Mensch so kaltblütig wie du. Sie liebt ihn."
„Sie kennen sich seit 3 Monaten, von mir aus ist sie verliebt oder besessen von ihm, aber das ist keine Liebe." argumentiere ich.
Ich hasse es bereits, dass ich weiß, wie lange die beiden zusammen sind. Das sind Informationen, die ich in meinem Leben nicht brauche.
„Woher willst du denn wissen, was Liebe ist?" er verschränkt die Arme vor der Brust.
Wieso will er ihr so unbedingt helfen?
„Es nennt sich gesunder Menschenverstand, probier es bei Gelegenheit doch mal aus."
Ich könnte jetzt sagen, dass ich einfach rede, wenn ich wütend bin und aus Versehen gemeine und verletzende Sachen sage. Das wäre jedoch gelogen. Ich bin mir zu jedem Zeitpunkt im Genauesten darüber bewusst was ich sage und wie ich es sage. Wenn ich etwas verletzendes sage, dann wollte ich es auch so.
„Kannst du noch etwas herablassender sein? Es wird dich nicht umbringen ihr zu helfen."
„Helfen?"
Weniger herablassend sein? Natürlich nicht. Was für ein dämlicher Gedanke. Aber in Ordnung. Ich soll helfen? Kann er haben. Ohne noch etwas zu sagen wende ich mich ab und gehe zu dem Mädchen rüber.
„Oh, verdammt." flucht er hinter mir und folgt.
Ohne einen freundlichen Gesichtsausdruck baue ich mich vor dem Mädchen auf. Ihre Haare sind braun, jedoch etwas heller als meine. Sie trägt eine Brille.
„Hey, wie heißt du?" frage ich sofort.
„Lisa." antwortet sie etwas irritiert.
Gott, was sagt es aus, dass ich ihren Namen jetzt weiß, aber den von meinem Freund nicht? Ich bleib einfach bei Benny, bis sich etwas neues ergibt.
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Vermutlich
JugendliteraturJennifer interessiert sich nicht groß für andere Menschen. Adrian hat nichts interessantes an sich. Allerdings kann selbst sie sich nicht dazu bewegen die Narben an seinem Unterarm zu ignorieren. Und in einer kleinen, versifften, rechten Stadt umgeb...
