Der einfache Weg?

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Sie sah zwar nicht wie die Sonne draußen aufging, aber auch in Noras Zimmer wurde es heller.
Nacheinander gingen die Strahler an.
Schon eine ganze Zeit lang lag sie wach auf dem Bett und starrte an die Decke.

Was von dem was David ihr gesagt hatte konnte sie glauben?
War Hannah wirklich wieder zurück?
Hatten ihre Freunde sie schon vergessen?
Und auch Phil?
Hatte sie das überhaupt richtig verstanden, oder spann sie sich da nur etwas zusammen?
Hatte David Hannah gefangen gehalten, nur um an sie heran zu kommen?

Wenn ja, hoffte sie sogar darauf, dass ihre Freunde sie schon vergessen hatten.
Lieber wollte sie gar keine Rolle mehr in deren Gedanken spielen, als die Rolle der Schuldigen.
Denn das war sie dann.
Da war es egal, dass sie bei der Suche geholfen hatte.
Es war egal, dass sie eines ihrer Häuser verloren hatte, es war egal, dass sie ihre Freunde verloren hatte, obwohl sie diese erst seit kurzem hatte, es war egal, dass sie nun selbst hier in diesem Zimmer festsaß.

Sie war die Ursache, das Übel, ohne das Hannah nie entführt worden wäre, Thomas keine Höllenqualen hätte durchleiden müssen, Jessy nicht angegriffen worden wäre, Dan keinen Unfall gehabt hätte, Richy nicht markiert worden wäre, Lilly dieses Video nicht hätte machen müssen, Cleo nicht bedroht und Phil nicht verhaftet worden wäre.

Und da war es wieder.
Dieses Loch, in dem sie schon mehrfach festsaß und aus dem sie nur schwer wieder herauskam.
Doch das hineinfallen lassen war einfach.
Das Selbstmitleid, untätig sein, da sie ja ohnehin nichts tun konnte, das Aufgeben jeder Hoffnung, damit sie nicht mehr enttäuscht werden konnte.
Es war so einfach.
Sie war ohnehin alleine.
Niemand suchte nach ihr, niemand vermisste sie, niemand fragte sich, was sie wohl gerade machte, dachte, fühlte.
Es war so einfach.
Hier liegen und ihr Schicksal annehmen.
Mit einem kranken Mann eine Familie gründen.
Immerhin wäre sie dann nicht mehr alleine, da würde es jemanden geben der sie brauchte und sie vielleicht sogar liebte.
Nicht David. Narzissten konnten niemand anderen lieben als sich selbst.
Aber ihr Baby.
Es war so einfach.
Sich selbst aufgeben und hinnehmen, was David für sie geplant hatte.
Es war so einfach.
So einfach...


Let'sSchwätz
Jessy
Online

Hey Phil
Ja klar, ich und Lilly kommen vorbei.
Sie hat schon zugesagt.
So um acht? Ist das okay?

Natürlich.
Ich bin hier, ihr könnt kommen, wann ihr wollt.



Um kurz vor Acht hat es geklingelt und Phil benutzte den Türöffner, ohne zu hören, wer da eigentlich vor der Türe stand.
Wer außer Lilly und Jessy sollte es auch sein?
Tyler vielleicht noch, aber der hätte sich wahrscheinlich angekündigt.
Außerdem war er mit ihm letzte Nacht noch eine Weile zusammengesessen und glaubte nicht, dass er schon wach war.

Er wartete im Türrahmen der Wohnungstüre, bis die beiden Frauen um die Ecke bogen.
„Hi", grüßte er und machte eine einladende Handbewegung.
„Hallo", sagte Lilly im Vorbeilaufen.
„Guten Morgen." Jessy nahm ihn in den Arm.
Sie gingen zusammen hinein und er schloss die Türe.

„Kaffee?"
Er sah fragend von Lilly zu Jessy. Sie beide nickten.
Eine Minute später brachte er zwei volle Tassen zu der Küchentheke, stellte sie den beiden Frauen hin und füllte sich auch seine Tasse noch einmal.

„Also, warum wolltest du, dass wir kommen? Und warum hast du die Nachricht so verschlüsselt?", wollte Jessy wissen.
Phil blieb auf der anderen Seite der Küchentheke stehen und lehnte sich mit dem Hintern gegen die Arbeitsplatte.
„Ich hatte heut früh schon Besuch von Hector. Mittlerweile sitzt er schon im Flugzeug Richtung New York."

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