Kapitel 19

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Konzentriert starrte ich auf das Zeichen, dass wir mit nasser Erde auf den Baum gezeichnet hatten. Meinen rechten Arm hielt ich im rechten Winkel neben meinen Kopf – das Wurfmesser in der Hand. Ich holte Schwung und warf das Messer mit voller Wucht in Richtung des Baums. Mit einem dumpfen Schlag bohrte es sich in die weiche Rinde und blieb stecken. Genau in der Mitte des Kreuzes. Es wackelte noch kurz hin und her, ehe es still im Baum hing. Ich schnaubte. Wäre das doch bloß der Kopf des Chefs der Jäger. Ich zog das Messer wieder raus und steckte es in meinen Gürtel.

Eigentlich konnte ich es gar nicht abwarten, gegen die Jäger zu kämpfen. Auch wenn die anderen das nicht wollen und der Meinung sind, dass es nie dazu kommen wird. "River, wo sind die Pistolen?" rief Landon vom Baumhaus runter. "Ist egal. Wir trainieren nicht mit Pistolen. Das erregt nur Aufmerksamkeit." Landon schnaubte genervt und ging vom Geländer weg.

Auf der Lichtung, die ein paar Meter weiter war, waren die anderen gerade dabei, Nahkampf zu trainieren. Ricardo und Adam liefen schon der Schweiß über den ganzen Körper und an manchen Stellen bluteten sie leicht. Sienna und Joanna kämpften ebenfalls, aber deutlich vorsichtiger. Und ganz hinten waren Jordyn und Valeria. Aber kämpfen taten sie nicht, eher sich an den Haaren ziehen und anzicken.

"Sie können sich einfach nicht leiden." Hunter war neben mich getreten. "Jordyn meckert dauernd über sie, was für eine Zicke sie doch sei und so weiter." Er lachte leicht. "Ihr seid gut befreundet." Stellte ich fest. "Klar, sie ist meine beste Freundin." Er grinste mich an. Ich lächelte leicht. "Valeria ist schwierig. Joanna und ich konnten sie noch nie leiden. Es ist echt ein Wunder, dass sie noch lebt." Nuschelte ich gegen Ende. "So schlimm?" "Ja." Ich verdrehte meine Augen.

"Versuch du mal, laut ihr alles richtig zu machen. Geht nicht. Sie hat trotzdem was zu meckern. Der einzige, bei dem sie nichts sagt, ist Wesley." Hunter drehte sich grinsend zu mir. "Woran das wohl liegt." Er ließ seine Augenbrauen wackeln. "Oh Gott, Hunter. Die beiden? Nie und nimmer. Die Beziehung würde schon nach drei Stunden beendet sein." Lachte ich. "Ach komm. Du kannst ihnen ja Tipps geben, wie sie es schaffen, dass die Beziehung länger hält.""Sehe ich wie ein Beziehungsratgeber aus? Nein. Und ich werde sicher nicht den beiden helfen, ihr Glück zu finden. Liegt definitiv nicht in meinem Aufgabenbereich und nicht in meinem Lebensziel." Schnaubend wendete ich meinen Blick von den Mädchen ab.

"Zumal ich keine Tipps habe, weil ich selber noch in keiner Beziehung war." "Du warst noch nie in einer Beziehung?" "Nein, warum auch? Das ist nur eine weitere Belastung." "Belastung?! Das ist das schönste, was einem passieren kann." "Dir vielleicht." Ich zog eine Augenbraue hoch. "Sag mal, kann es sein, dass du mehr als nur Freundschaft für Jordyn fühlst?" Er riss die Augen auf und errötete. "Wie kommst du darauf?" Nervös fuhr er sich durch die Haare. "Ach, sonst würde man nicht so reden und nicht rot werden." Verschmitzt grinste ich. "Aber keine Sorge. Ich werde es keinem Erzählen." Ich hob meinen kleinen Finger zum Schwur. Hunter verdrehte bloß seine Augen. "Wehe, einer der anderen bekommt das mit." Knurrte er nur und ging weg. "Liebe macht alle komisch." Brummte ich und lief den Weg wieder zurück.

"River. Lust auf einen Kampf?" Stoppte mich Ricardo. Leicht Blutverschmiert stand er vor mir und lächelte mich an. Irgendwie sah das heiß aus. Schluckend schüttelte ich meinen Kopf. "Nein?" Leicht enttäuscht blickte er mir in die Augen. "Oh, ähm, doch gerne." Stotterte ich und sofort lächelte er wieder. "Dann komm." Er nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. An einem kleinen Viereck auf der Wiese blieben wir stehen. Sie hatten es mit Zweigen gelegt, sodass ein Kampfring entstanden ist. "Vier Minuten Kampfzeit, okay?" Ich nickte und wir stellten uns in die Angriffsposition. "Bereit?" "Bereit."

Der Kampf begann. Und er war wirklich lustig. Ricardo versuchte mir dauernd die Füße wegzuziehen, während ich Auswich und versuchte, ihn um zudrücken. Am Ende landeten wir beide auf dem Boden und wälzten uns im Matsch hin und her. "Ihr seht aus wie Schweine." Adams Stimme stoppte uns. "Wie kleine Kinder." Kopfschüttelnd sah er auf uns herab. Und wir sahen schuldbewusst zu ihm auf. Warum auch immer. "Macht euch sauber, es gibt gleich Essen." Murmelte er nur noch und verschwand dann im Baumhaus. "Na dann." Ricardo sprang auf und hielt mir seine Hand hin, die ich dankbar entgegennahm.

Gemeinsam liefen wir zum Baumhaus, kletterten die Strickleiter hoch und gingen in das Haus, wo wir sofort von allen angemeckert wurden, weil wir so dreckig waren. Wir huschten schnell ins Badezimmer, wo wir einmal komplett einen Eimer über uns kippten. Der ganze Dreck floss von unseren Körpern und blieb in einem Kreis um uns liegen.

"Toll, das dürfen wir nachher sauber machen." Grunzte ich und wischte eine nasse Strähne aus meinem Gesicht. Ricardo lachte bloß. "Du machst hier sauber, ich nicht." "Was soll das denn heißen?" fragend zog ich meine Augenbrauen zusammen. Auf Späße und sonstiges hatte ich gerade keine Lust. Verdammt. Bekam ich etwa meine Tage, oder warum hatte ich so starke Stimmungsschwankungen.

"Naja, in der Regel macht das nur die Frau im Haus." Arrogant grinste er mich an. Wütend schnaubte ich. "In der Regel? Vielleicht bei euch. Bei uns macht jeder seinen eigenen Dreck weg. Also machst du das hier auch." Schnauzte ich ihn wütend an. "Wow, kleiner Tiger. Fahr deine Krallen ein." Jetzt lachte er auch noch. Zornig funkelte ich ihn an, ehe ich das Bad verließ und die Türe laut zuknallen ließ. Ja, ich hatte definitiv meine Tage!

Uii, ein kleiner Streit zwischen den beiden... Ob sich das wieder legt?

Bis nächste Woche

Golden_Moonx_

The Last HumansGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt